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Stadt will strengere Regeln für E-Scooter – Anbieter halten dagegen

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Von: Dennis Pfeiffer-Goldmann

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Ein alltägliches Bild: Elektroroller zum Ausleihen, hier vom Anbieter Lime, stehen in der Berliner Straße in der Innenstadt auf dem Gehweg.
Ein alltägliches Bild: Elektroroller zum Ausleihen, hier vom Anbieter Lime, stehen in der Berliner Straße in der Innenstadt auf dem Gehweg. © Pfeiffer-Goldmann, Dennis

Die Stadt Frankfurt plant strengere Regeln für die E-Scooter. Die Anbieter kritisieren feste Rückgabe-Stationen aber als „nutzlos“.

Frankfurt – Die geplanten strengen Regeln für E-Scooter sorgen nicht bei allen Verleihfirmen für Begeisterung. Den Frankfurter Weg, die Anarchie auf den Elektrorollern zu stoppen, sehen zumindest zwei der fünf Firmen nicht als den besten an. Sie warnen: Strenge Regeln brächten nicht das gewünschte Ergebnis.

Bis Saisonbeginn will das Dezernat von Mobilitätsstadtrat Stefan Majer (Grüne) feste Rückgabestationen für die Elektroroller zunächst in der Innenstadt einführen. So will die Stadt das Chaos mit den oft wild abgestellten Gefährten in den Griff kriegen, das Fußgänger, Rad- und Autofahrer nervt. Die Stadt will die E-Scooter als Sondernutzung einstufen. Verleihfirmen müssen dafür dann eine Erlaubnis beantragen.

Frankfurt: „Neue Satzung wird keine Auswirkungen auf E-Scooter-Angebot haben“

"Die neue Sondernutzungssatzung wird höchstwahrscheinlich keine Auswirkungen auf das E-Scooter-Angebot in Frankfurt haben und die Probleme nicht lösen", warnt Patrick Grundmann, Sprecher von Anbieter Tier aus Berlin. Das zeigten die Erfahrungen von Tier aus über 175 Städten in 18 Ländern. Eine Sondernutzung oder strengere Auflagen "sind allein nicht zielführend". Sie führten zu Einschränkungen, wie etwa einer Reduktion des Angebots in den Außenbezirken.

Die Alternative: "Ausschreibungen haben sich als eine gute und effiziente Lösung bewiesen", sagt Grundmann. So könne die Stadt Anbieter auswählen, die die gewünschten Kriterien erfüllen. "Das könnte beispielsweise eine Integration mit dem öffentlichen Nahverkehr sein, das gesamte Stadtgebiet mit einem Mobilitätsangebot zu versorgen oder die Mobilitäts- und Klimaziele der Stadt zu unterstützen."

Frankfurt: Anbieter sieht E-Roller am Stadtrand als wichtig

Auch Anbieter Voi aus Stockholm findet Ausschreibungen besser. So könne die Stadt eine gute Roller-Verfügbarkeit auch in dezentralen Stadtbereichen sicherstellen, erklärt Firmensprecher Caspar Spinnen. Gerade am Stadtrand seien die Scooter wichtig, um den Nahverkehr zu ergänzen. Das sehe Voi auch bei den eigenen Nutzern: "Viele Mieten beginnen oder enden in den nicht zentralen Stadtteilen an den Haltestellen des ÖPNV", erklärt Spinnen.

Eine Ausschreibung könne zugleich den Wettbewerb abbremsen. Dabei dürfte Voi wohl an Dumpingpreise denken, die besonders zu riskanten und rücksichtslosen Spaßfahrten von Rüpeln führen. Die von der Stadt geplante Regulierung findet Voi gut, "um das Angebot glatter zu gestalten", es sei so "besser zu kontrollieren von beiden Seiten".

Frankfurt: E-Scooter kommen in der Stadt gut an

Ungeachtet aller Kritik kommen die Elektrotretroller sehr gut an: Von 2019 bis 2021 habe sich die Nachfrage bei Voi in Frankfurt versechsfacht, sagt Spinnen. Werde die Anzahl der Fahrzeuge reglementiert, müssten sich Anbieter auf die lukrativsten Standorte in der Innenstadt konzentrieren. Der am stärksten nachgefragte Ausleihort liegt bei Voi aber längst weit außerhalb der City. Wo, mag Sprecher Spinnen aber nicht verraten. Ob es der Bahnhof Höchst ist? Dazu heißt es von Voi vielsagend: kein Kommentar.

Volle Unterstützung für die Pläne der Stadt kommt vom US-Vermieter Lime. Man gehe davon aus, "dass wir hier gute, effektive Lösungen finden werden", sagt Firmensprecher Bodo von Braunmühl. Lime begrüße die Einführung des stationsbasierten Parksystems in der Innenstadt. "So erhöhen wir die Akzeptanz für E-Scooter weiter und erhalten gleichzeitig den flexiblen Charakter der Mikromobilität."

Auch der estnische Anbieter Bolt begrüßt die Einführung der Regeln in Frankfurt. Man müsse aber "genau prüfen, welche Maßnahmen positive Effekte haben und welche wirkungslos bleiben", sagt der für E-Scooter zuständige Bolt-Deutschlandchef Balthasar Scheder. Den Kollegen von Tier und Voi widerspricht er deutlich in Sachen Ausschreibung: Diese habe in anderen Städten die Situation nachweislich nicht verbessert, sondern wirke negativ für die Verbraucher durch fehlenden Wettbewerb. "Der Schlüssel für die optimale Einbindung von E-Scootern in den städtischen Mobilitätsmix sind Sondernutzungsgebühren gepaart mit Flottenobergrenzen", sagt Scheder. Branchenpionier Bird aus Kalifornien reagierte als einziger der in Frankfurt vertretenen Anbieter nicht auf eine Anfrage der Redaktion. (Dennis Pfeiffer-Goldmann)

Im Juni 2021 haben Chaoten E-Scooter in Frankfurt in den Main geworfen.

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