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Zweifel an Zuverlässigkeit: Frankfurts Schnelltestzentren auf dem Prüfstand

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Von: Julia Lorenz, Friedrich Reinhardt, Sarah Bernhard

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Zwei Mitarbeiter eines Corona-Testzentrum in der Innenstadt sortieren Testunterlagen. Unterdessen steigen die Inzidenzen weiter an.
Zwei Mitarbeiter eines Corona-Testzentrum in der Innenstadt sortieren Testunterlagen. Unterdessen steigen die Inzidenzen weiter an. © picture alliance/dpa

Rund 700 Schnelltestzentren gibt es in Frankfurt. Seit Jahresbeginn haben einige wegen gravierender Mängel schließen müssen. Das Gesundheitsamt schaut nun genauer hin.

Frankfurt - Erst fühlte sie sich einfach nur erschöpft. Dann kamen Husten, Schnupfen und Schmerzen in den Bronchien hinzu. Anna Schneider* ahnte es: Das muss Corona sein. Doch alle Selbst- und Schnelltests fielen negativ aus. Erst vier Tage nach den ersten Symptomen, als sie auch nichts mehr riechen und schmecken konnte, tauchte plötzlich ein zweiter Streifen auf der Testkassette auf. "Dass der Test erst so spät anschlug, hat mich entsetzt", sagt Schneider.

Das Paul-Ehrlich-Institut, das als Bundesbehörde für die Zulassung von Impfstoffen und Medikamenten zuständig ist, hat in den vergangenen Monaten 245 in Deutschland erhältliche Antigen-Schnelltests umfangreich auf ihre Zuverlässigkeit geprüft. Dabei schnitten 199 Tests sehr gut bis mittelprächtig ab, 46 versagten komplett. So konnte etwa der Schnelltest von Hotgen, den es in Drogerien und Supermärkten zu kaufen gibt, 100 Prozent aller Proben mit einer sehr hohen Virenlast erkennen. Bei mittleren Virenmengen betrug die Zuverlässigkeit dann nur noch 47,8 Prozent, eine geringe Virenlast erkannte der Test nicht. Das ergibt eine sogenannte Gesamtsensitivität von 56 Prozent. Sprich: Von 100 Menschen, die an Corona erkrankt sind, werden 56 als infiziert erkannt.

Corona in Frankfurt: Menschen wiegen sich bei Schnelltests in falscher Sicherheit

Anna Schneider hatte sich mit großer Wahrscheinlichkeit bei ihrer Schwester, mit der sie zuvor einige Tage gemeinsam verbracht hatte, angesteckt. "Meine Schwester hatte Corona, ohne es zu wissen", erzählt Schneider. Sie hätte zwar Erkältungssymptome gehabt, aber auch ihre Tests, sowohl zu Hause als auch in Testzentren und Apotheken, seien immer negativ gewesen. Erst als die Schwestern längst wieder getrennte Wege gegangen waren, sei auch die Schwester positiv getestet worden. "Die Menschen wiegen sich in falscher Sicherheit, wenn sie sich testen", sagt die Frankfurterin. "Eine Pandemiestrategie darauf aufzubauen, dass nicht gut geschultes Personal schlecht funktionierende Tests durchführt, ist doch bizarr."

In Frankfurt gibt es mittlerweile rund 210 Testzentren. Hinzu kommen etwa 350 Arztpraxen und 35 Apotheken, die ebenfalls Schnelltests durchführen. Doch welche Tests werden eigentlich benutzt? Wir haben in einigen Testzentren nachgefragt. Auskunft gaben aber nur wenige.

Frankfurt: Corona-Testzentren machen „überwiegend gute Erfahrungen“

Jan Petermann etwa. Normalerweise betreibt er einen Handy-Reparaturservice in Sachsenhausen. Jetzt ist in den Geschäftsräumen im Wasserweg auch ein Testzentrum untergebracht. Dort wird der "Green Spring" Antigen-Schnelltest (Gesamtsensitivität: 86 Prozent) verwendet. "Wichtigstes Entscheidungskriterium war die Zuverlässigkeit des Tests", sagt Petermann. Bisher hätte man überwiegend gute Erfahrungen mit dem Test gemacht. "In seltenen Fällen kommt es zu falsch-positiven Ergebnissen, das heißt: der PCR-Befund kommt negativ zurück, obwohl der Schnelltest positiv war", so Petermann. Nachweislich falsch-negative Tests, das heißt: der Schnelltest war negativ, der PCR-Test aber ist positiv, habe es erst einmal gegeben.

Auch das Testzentrum "Schnelltest Frankfurt" an der Berger Straße verwendet derzeit den "Green Spring" Antigen-Schnelltest. Geschäftsführer Hanns-Christian Salger, sonst Honorarprofessor am Frankfurter "Institute for Law and Finance", erklärt, dass man sich bei der Auswahl der Tests an der Evaluation des Paul-Ehrlich-Instituts orientiert habe. "Derzeit sind ausreichend Schnelltests auf dem Markt verfügbar", sagt Salger. "Man wird daher kaum ein Testzentrum finden, deren Tests beim Paul-Ehrlich-Institut durchgefallen sind."

Frankfurt: Bislang 15 Corona-Testzentren geschlossen – hauptsächlich Hygiene- und Abstrichmängel

Nichtsdestotrotz macht die schlechte Qualität vieler Testzentren dem Frankfurter Gesundheitsamt zu schaffen. Deshalb werden mittlerweile neue Einrichtungen schon genauer unter die Lupe genommen, bevor sie überhaupt eröffnen dürfen, erklärt die Sprecherin des Gesundheitsamts Wiebke Reimann. Die bereits bestehenden Testzentren seien bisher nur stichprobenartig überprüft worden, seit der Omikron-Welle aber meist nur noch nach einer Beschwerde. Etwa 50 Begehungen, die in der Regel unangekündigt sind, gab es 2021, in diesem Jahr waren es bisher gut 20.

Insgesamt wurden in Frankfurt bisher 15 Testzentren geschlossen, alleine fünf seit Jahresbeginn. "Meist wegen Hygiene- und Abstrichmängeln", sagt Reimann. Ein Testzentrum kann jedermann - mit ausreichend Geschäftssinn - eröffnen. Die Geschäftsführer der Kineo Medical GmbH etwa, die 14 Testzentren in Frankfurt haben, verkaufen eigentlich Vitamin-Präparate im Internet und veranstalten Techno-Festivals. Und der Mann, der Testzentren mit dem Namen "Safetyfirstgermany" betreibt, hat eigentlich einen Limousinen-Service. Sie alle ließen Fragen zu den Tests, die sie verwenden, unbeantwortet.

Wer wissen möchte, wie zuverlässig die Selbsttests sind, die er zu Hause benutzt, der kann dies im Internet unter www.selbsttest.de nachschauen. Welcher Antigen-Schnelltest im Testzentrum verwendet wurde, ist übrigens auf jedem Testzertifikat zu finden. *Name von der Redaktion geändert (Sarah Bernhard, Julia Lorenz und Friedrich Reinhardt)

Aufgrund der hohen Fallzahlen arbeiten Labore und Corona-Testzentren in Frankfurt derzeit am Limit.

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