+
Anlauf nehmen und abziehen: Bei dieser Station lernten die Nachwuchsspielerinnen die richtige Schusstechnik. Auf jeden Fall waren die Mädchen mit voller Konzentration dabei.

Veranstaltung am Stadion teil

Soccer-Festival ist ein Volltreffer

  • schließen

Mit seinen 600 Teilnehmerinnen gehört das „Girls Wanted“-Soccerfestival zu den größten Veranstaltungen im Mädchenfußball.

Für Leonie und Alexandra ist das Zielschießen an Station zehn die letzte Trainingseinheit, bevor es zum verdienten Mittagessen geht. Seit 10 Uhr stehen die beiden Neunjährigen hier auf einem der vier Trainingsplätze vor dem Stadion, wo sonst die Profis der Eintracht ihre Einheiten absolvieren. „Wir haben hier mit den Mädels Torschüsse geübt, sind gesprintet und bereiten sie immer wieder auf verschiedene Spielzüge vor. Auch ein Duell eins gegen eins hat es an einer Station gegeben“, sagt Elena Bläser vom Zweitligisten TSV Schott Mainz, die den ganzen Vormittag nur fürs Zielschießen zuständig ist.

Die 20-Jährige ist eine von 60 Spielerinnen von Erst- und Zweitligamannschaften, die an diesem Tag für das „Girls Wanted“-Soccerfestival im Einsatz sind und die Kinder am Vormittag auf ein kleines „Weltmeisterschaftsturnier“ am Nachmittag vorbereiten. „Nach der Mittagspause werden die Mannschaften noch einmal neu durchmischt und dann Länder gezogen, die gegeneinander antreten“, erklärte Louise Hansen das Prinzip des Festivals, das inzwischen bereits im siebten Jahr in Folge stattfindet und diesmal bereits nach drei Tagen ausgebucht war.

Dabei ist die Veranstaltung nur eine der Aktionen die Hansen und ihr Team seit knapp 15 Jahren für den Mädchenfußball auf die Beine stellen: „Wir machen Fußballcamps in den Ferien, gehen mit anderen Programmen in Schulen und vermitteln unseren Interessentinnen dann auch Vereine, in denen der Mädchenfußball gefördert wird“, erklärt die ehemalige dänische Nationalspielerin, die daher auch auf ein großes Netzwerk aus prominenten Vorbildern und Trainerinnen zurückgreifen kann.

Der wohl bekannteste Gast beim Soccerfestival ist mit Silvia Neid die Trainerin der deutschen Frauen-Nationalmannschaft. Sie engagiert sich seit rund zehn Jahren als Schirmherrin von Hansens Initiative und ist von den Resultaten und der Begeisterung der Mädchen immer wieder beeindruckt: „Uns ging es dabei von Anfang an darum, den Spaß am Sport zu vermitteln und den Mädchen eine Chance zu bieten, auch abseits vom längst schon etablierten Jungenfußball zu trainieren“, sagt Silvia Neid. „Dass sich das auszahlt, sieht man an der Beliebtheit, die der Sport auch bei Mädchen und Frauen gewinnt. Fußball hat sich inzwischen auch bei ihnen zur Nummer Eins entwickelt.“

Dabei loben die beiden Frauen vor allem die Sponsoren, wie die Commerzbank, die Stadtwerke der Stadt Frankfurt oder die Verkehrsgesellschaft, die durch ihre Unterstützung dafür sorgen, dass das Festival für die Teilnehmerinnen kostenlos ist. „Bei der Anmeldung verlangen wir lediglich eine Teilnahmekaution von 30 Euro, die die Mädchen am Morgen des Festivals wieder ausbezahlt bekommen“, erklärt Hansen. Diese Vorgehensweise sei einfach nur eine Sicherheitsmaßnahme, dass nicht die Hälfte bei schlechtem Wetter abspringt und das Programm mit zu wenigen Teilnehmerinnen nicht mehr funktioniert.

Denn der Aufwand, der für die vier nach Alter sortierten Spielfelder getroffen wird, ist immens. Für jeden der Plätze gibt es allein verschiedenfarbige Trikots, die Alter und Gruppe der Kandidatinnen anzeigen. Weiß für die Kleinsten zwischen acht und neun, dann folgen gelb und orange für die nächsthöheren Altersklassen und blau für die Teenager zwischen 13 und 16.

Die blauen Trikots tragen Virginia, Helen und Mira vom TSV Oberensingen heute mit Stolz, auch wenn die drei Mädchen schon sehr lang auf den Beinen sind. „Wir sind mit über 50 Mädels aus der C-, D- und E-Jugend schon um 5 Uhr mit dem Bus aus Oberensingen bei Stuttgart losgefahren. Heute Abend geht es dann wieder zurück“, erzählt Helen. Dass sich der Stress für sie gelohnt hat, haben aber bereits die ersten Stunden auf dem Platz bewiesen: „Es macht großen Spaß und wir haben eine Menge gelernt. Und die Möglichkeit, die Nationaltrainerin live zu sehen, bekommt man ja auch nicht jeden Tag.“

Neid hat inzwischen auf der Bühne Platz genommen und beantwortet etliche Fragen zur Arbeit in der Nationalmannschaft und ihrem Engagement für „Girls Wanted“. Kurze Zeit vor ihrem Auftritt zeigte eine Tanzgruppe ihr Können, nach den Gesprächen hat auch noch Noah Levi, Gewinner der Castingshow „The Voice Kids“ seinen Auftritt angekündigt. Langweilig wird es vor der Commerzbank-Arena an diesem Tag wirklich niemandem, auch weil etliche Spielestände links und rechts des Weges zum Mitmachen einladen. Und das auch dann noch, wenn die 600 Mädchen wieder zurück auf ihre Spielfelder müssen. Denn auch wenn es nur ein kleines Turnier der Nationen wird: Die Nachwuchskickerinnen sind ehrgeizig und wollen viele Erinnerungen mit nach Hause nehmen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare