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Stelldichein der Automobilgeschichte und viel Besuch beim Saisonauftakt im Hof der Klassikstadt. Fotos: Chris Christes

Klassikstadt in Fechenheim

Sommerparade aus Chrom und Lack

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Bei herrlichem Sommerwetter begann in der Klassikstadt die Saison für alle Freunde automobiler Kleinode. Zum ersten Mal wurde auch das schönste Motorrad ausgezeichnet.

Dicht an dicht rollen die Autos auf den Hof der Klassikstadt. Schon um 10 Uhr, als der Saisonauftakt in Frankfurts Zentrum für Liebhaber klassischer Automobile offiziell beginnt, ist der Innenhof voll mit seltenen Luxuslimousinen, klassischen Cabrios, amerikanischen Muscle Cars und italienischen Sportwagen, aber auch kleinen Familienautos für den schmalen Geldbeutel. „Wir haben jedes Jahr das Glück, dass unser Saisonauftakt auf eines der ersten schönen Wochenenden fällt, an dem die Leute ihre Schätze aus der Garage holen“, freut sich Klassikstadt-Geschäftsführer Marco Wimmer.

Von den Autos begeistert ist auch Bernd Schultz, der bei allen großen Veranstaltungen der Klassikstadt die ankommenden Fahrzeuge als Moderator vorstellt. „Das spannende ist, dass auch wir nie vorher wissen, wer den Weg hierher findet. Manche sind zum ersten Mal hier, andere sind alte Bekannte. Einige Fahrzeuge sind restauriert oder seit dem letzten Besuch hier in den Originalzustand zurückversetzt worden. Es macht kolossal Spaß.“

Um mehr Zweirad-Fans anzulocken, vergab die Klassikstadt erstmals einen Preis für das schönste Motorrad. Bernd Rüegg (59) ist mit einem Wehrmachts-Gespann der ersten Bauserie, einer BMW mit Seitenwagen, gekommen. „Es ist der Konstruktionsstandard von 1937/1938, das Motorrad entstand aber wohl erst 1959.“ Der Beiwagen kommt von Dnjepr aus der ehemaligen Sowjetunion, der Motor von Chiang Jang in China. „Als Hitler und Stalin 1939 Polen aufteilten, schlossen sie einen Technologie-Pakt. So kamen die Pläne der BMW-Motorräder nach Russland.“ Die Chinesen bekamen die Pläne, als sich Stalin und Chinas Herrscher Mao Tse Dong annäherten. So komme es, dass die Teile der drei Motorräder austauschbar sind, sagt Rüegg.

Die Schlange der Besucher-Autos reichte bis zum Mainkur-Kreisel an der Hanauer Landstraße. Vor der Einfahrt zum Gelände tummeln sich junge Autonarren mit ihren Kameras. „Die meisten von uns stehen auf Sportwagen und Luxuslimousinen. Toll wäre heute ein MaclLaren P1 oder ein Lamborghini Aventador“, sagt Silvan Ernsti. In Internet-Foren erden die Fotos ausgetauscht und die gezeigten Fahrzeuge diskutiert. Mit einem aus einem VW-Käfer gebauten Buggy ist Thomas Höhl (52) angereist. Schon 1971 sei der 1969 gebaute Käfer in Amerika in diesen „Baja“ umgewandelt worden. Seinen heutigen Zustand erhielt er 1983.

Der Gegenpart steht direkt daneben: Mit über fünf Meter Länge ist der Ford Fairlane 500 Galaxy Skyliner von Franz Hofmann (67) ein echter Straßenkreuzer. „Es gibt nicht viele der ’59er Baureihe. In Belgien wurde er zum schönsten Auto der Welt gekürt.“ Ausgestattet sei er mit einem 300-PS-Acht-Zylinder-Motor mit 5,8 Litern Hubraum. Selten sei damals das komplett versenkbare, feste Dach gewesen.

Zu den Stammgästen in der Klassikstadt gehört Familie Hagenguth. Rolf-Dieter Hagenguth (70) und seine Tochter, Yvonne Hagenguth-Dörhöfer (49), sind fasziniert von der englischen Marke Jensen Motors, die von 1935 bis 1976 in West Bromwich sportliche Limousinen fertigte. Während Hagenguth mit einem roten Jenson 541DL unterwegs ist, fährt Tochter Yvonne einen C-V8, der früher bei Scotland Yard im Einsatz war. Schwiegersohn Stefan Dörhöfer (48) hingegen mag es klein und gemächlich. Nicht irgendeine „Ente“, sondern einen seltenen Combi, einen Citroen 2CV „AZU“, hat er zum rollenden Café umgebaut. „Ein 2CV ist auf Oldtimertreffen ein Hingucker. Schenkt man dann noch Café aus, kommen die Leute erst recht.“

„Von nun an findet an fast jedem Wochenende etwas statt“, sagt Wimmer. Am kommenden Sonntag etwa laden Rhein-Main-Media, „Die Automeile Deutschlands“ und die Wirtschaftsförderung zur Automobil-Ausstellung mit 35 Marken. Eine Woche später werden bei der Classicbid-Auktion mehr als 30 Old- und Youngtimer versteigert. Am zweiten Sonntag jedes Monats gibt es einen großen Sonntagstreff.

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