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Sonnenblumen für den Schulstart

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Von: Julia Lorenz

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Große Aufregung in Sachsenhausen: Am Montag wurde dort das neue Gymnasium Süd eröffnet. Die Fünftklässler bekamen zur Begrüßung alle eine Sonnenblume überreicht.
Große Aufregung in Sachsenhausen: Am Montag wurde dort das neue Gymnasium Süd eröffnet. Die Fünftklässler bekamen zur Begrüßung alle eine Sonnenblume überreicht. © christoph boeckheler*

Am Montag wurde Frankfurts jüngstes Gymnasium in Sachsenhausen eröffnet - 63 Kinder wurden zugewiesen

Charlize (10) rutscht aufgeregt auf ihrem Stuhl hin und her, zupft an ihrem weißen Kleid, schaut sich um. Das Mädchen sitzt am Montagmorgen zusammen mit weiteren 151 Kindern, die mindestens ebenso nervös sind wie sie selbst, in der mit Luftballons und Girlanden geschmückten Turnhalle des neuen Gymnasiums Süd in Sachsenhausen. Die Schule wurde gestern eröffnet.

„233 Tage ist es her, dass das neue Gymnasium Süd auf einer Pressekonferenz vorgestellt wurde und wir die Örtlichkeit hier begehen konnten“, erzählt Thomas Strauch, kommissarischer Schulleiter, den Fünftklässlern, ihren Eltern und Geschwistern. „Spannende Wochen und Monate liegen hinter allen Beteiligten.“

Ein Standort mit Tradition

Mit der neuen Bildungsstätte im Süden hat Frankfurt nach dem Gymnasium Römerhof, das 2018 an den Start ging, ein weiteres Gymnasium hinzugewonnen. Nicht ohne Grund: Der Trend zum Gymnasium ist ungebrochen. Die Übergangsquote betrug in diesem Jahr 56,5 Prozent. „Der Bedarf an gymnasialen Plätzen ist weiterhin groß“, sagt so auch Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) bei der Eröffnungsfeier in der Turnhalle.

Das neue, sechszügige Gymnasium ist jetzt erst einmal in den Räumen der ehemaligen Wallschule in der Nähe des Schweizer Platzes beheimatet - ein Standort mit Tradition. In dem Gebäude wird seit 1870 unterrichtet. Eine Million Euro wurden investiert, „um die Schule so herzustellen, dass sie für das Jahr 2022 tauglich ist“, sagt Weber. Der endgültige Standort der Schule ist das ehemalige Behördenzentrum an der Seehofstraße/Gerbermühlstraße, wo einst das Stadtschulamt und das Amt für Bau und Immobilien untergebracht waren. Der Umzug ist für 2024 geplant.

In ihrer Rede zählt Weber den Schülern und ihren Eltern noch einmal die Vorzüge der neuen Schule auf: fächerübergreifendes Lernen, MINT-Profil, Bilingualität, Medienbildung. Zudem wirbt sie für Schulen im Aufbau: „Ihr solltet euch einbringen und mitbestimmen, was hier in den nächsten neun Jahren passiert“, so Sylvia Weber.

Während die Bildungsdezernentin spricht, hört Charlize gespannt zu. Eigentlich hätte die Fünftklässlerin an diesem Tag lieber in einer anderen Turnhalle, in einer anderen Schule gesessen. Auf dem Formular für den Übergang von der vierten in die fünfte Klasse hatte sie zwei andere Wunschschulen angegeben, wurde aber dem Gymnasium Süd zugewiesen - so wie 62 andere Kinder. 89 Familien hingegen hatten sich die Schule gewünscht.

Mit der 18 quer durch die Stadt

„Wir wohnen am Frankfurter Bogen und waren zunächst nicht begeistert von der Zuweisung“, erzählt Vater Jakob Gerspach. Sachsenhausen ist nicht um die Ecke, weshalb die Schülerin künftig jeden Morgen und Nachmittag mit der Straßenbahn 18 quer durch die Stadt und über den Main hinüber zur Schule fahren muss. Aber das Konzept des Gymnasiums überzeugt die Eltern. Ihnen war es wichtig, dass die Tochter als zweite Fremdsprache Spanisch wählen kann. Auch das junge, engagierte Kollegium der Schule gefällt der Familie. „Und vielleicht ist es auch ein Vorteil, wenn Charlize nicht in eine Schule geht, wo es Hunderte große Kinder gibt“, sagt Vater Gerspach. Am Gymnasium Süd könne sie mitwachsen, mitgestalten und gehöre immer zu den ältesten Schülern. „Wir sind überzeugt davon, dass unsere Tochter hier eine tolle Zeit haben wird.“

Davon geht auch Evelin Spyra, Leiterin des Staatlichen Schulamts, aus. Sie erzählt den Kindern und ihren Eltern von Schriftsteller Mark Twain, der einmal gesagt haben soll: „Für mich gibt es Wichtigeres im Leben als Schule.“ Für Spyra jedoch ist klar, dass Bildung Selbstbewusstsein stärkt, Kreativität fördert und Spaß macht. Auch sie ruft die Schüler und ihre Eltern auf, sich in den Entwicklungsprozess der Schule einzubringen. „Machen Sie das Gymnasium Süd zu einem Leuchtturm der Bildungslandschaft“, so Spyra. „Damit die Schulgemeinde irgendwann mit Stolz sagen kann: ,Für mich gibt es kaum etwas Wichtigeres als Schule.‘“

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