Rozbeh Rasapour, Betriebsleiter des "Café Tachelesz" an der Paulskirche hat auf seinem Tablett neben der Matcha-Latte auch noch einen Corona-Schnelltest liegen. Den können Gäste zum Selbstkostenpreis im Café erwerben, an Ort und Stelle durchführen und bei negativem Ergebnis dann die Bestellung aufgeben. Das erspart den Termin im Testzentrum.
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Rozbeh Rasapour, Betriebsleiter des "Café Tachelesz" an der Paulskirche hat auf seinem Tablett neben der Matcha-Latte auch noch einen Corona-Schnelltest liegen. Den können Gäste zum Selbstkostenpreis im Café erwerben, an Ort und Stelle durchführen und bei negativem Ergebnis dann die Bestellung aufgeben. Das erspart den Termin im Testzentrum.

Corona-Lockerungen

Frankfurt: Außengastronomie öffnet – „Wie eine Neueröffnung“

  • vonMichelle Spillner
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Gutes Wetter pünktlich zum Wochenende: Viele Lokale in Frankfurt öffnen. Nach langer Durststrecke erwacht die Außengastronomie zu neuem Leben.

Frankfurt – Ungewohnte Geräusche am Lohrberg. Ins Zwitschern der Vögel mischt sich um sieben Uhr gestern Morgen das Klappern von Tellern aus der Küche der Lohrberg-Schänke. Chef Christian Dressler kehrt aus der Großmarkthalle zurück. "Wir haben ja nichts mehr da", sagt er. Bis Donnerstag bot die Schänke nur eine Art reduzierten "Kioskbetrieb" bei schönem Wetter. Jetzt endlich wird die Küche wieder angeworfen. Klar, er hätte nach den Inzidenzzahlen schon am Montag die Terrasse öffnen können. Aber dann hätte es den Gästen in die Suppe geregnet und sie hätten nicht ins Haus gedurft.

Aber jetzt kommt die Sonne. Das mache Hoffnung und eröffne Perspektiven. "Ich bin total happy. Wieder hier sitzen und einen Äppler trinken - ich bin glücklich", strahlt Dressler. Wer wohl am ersten Terrassenöffnungstag kommen wird?

Außengastronomie in Frankfurt: Wie eine Neueröffnung

Derweil hat Farhang Morshedi vom Café Karin eine kurze Nacht hinter sich, bis Mitternacht hat er gearbeitet, war um 7 Uhr wieder da, um punkt 9 Uhr zu öffnen. "Es ist wie eine Neueröffnung", sagt der Chef. Alle Geräte überprüft er auf ihre Funktionsfähigkeit, alles wird gewienert. Auf fünf Tischen am Großen Hirschgraben stehen Reservierungskärtchen für diejenigen, die zum Frühstück kommen wollen. "Man darf sich nicht unterkriegen lassen", sagt Morshedi. Vor allem er nicht, hat er doch das Café Karin, das es seit 1993 gibt, erst im Januar 2020 übernommen. Und dann kam Corona. "Ich hatte mehr geschlossen als geöffnet."

Ein solcher Start könne einem schon schlaflose Nächte bereiten. Sieben Monate war komplett zu - das Café und auch die Tequila-Bar ein paar Meter weiter, die er gemeinsam mit seiner Geschäftspartnerin Marianne Mavros betreibt. Die macht um 17 Uhr auf. "Die Leute kommen nur mit Reservierung zu uns", sagt er. Hygienemaßnahmen, Registrierung, Testung der Mitarbeiter - alles selbstverständlich. Aber eine Sache ist anders an diesem Morgen. Morshedi und seine Geschäftspartnerin nehmen ausnahmsweise selbst Platz und lassen sich Cappuccino bringen. Sie sind ihre ersten Gäste. Das gäbe es sonst nicht. "Normalerweise ist hier um diese Zeit alles gerappelt voll und zu tun."

Frankfurt: Außengastronomie öffnet trotz niedrigen Erwartungen

Doch es läuft verhalten an. Testung und Nachweise, Reservieren - das scheint vielen zu aufwändig zu sein. Nein, verdienen würden sie mit dem Außenbetrieb bei reduzierter Gästezahl und gleichzeitig höherem Aufwand nicht viel. "Aber wir wollen ein Zeichen setzen. Wir haben auch Verantwortung, für unsere Partner, die Lieferanten und unsere Mitarbeiter. Die wollen alle arbeiten." Damit gehört Morshedi zu den ersten, die öffnen. Viele gastronomischen Betriebe starten erst in der kommenden Woche durch. Es gibt viel zu tun, wenn man so lange geschlossen hatte.

An der Paulskirche haben Isabella Sztulman und ihre Mitarbeiter vom Café Tachelesz sämtliche Angebotstafeln neu geschrieben und hängen sie zwischen den 90 Plätzen auf. Der Nachbargastronom befreit gerade die Tische und Stühle von ihren Stahlketten. Der Tachelesz-Koch präsentiert den ersten Tafelspitz seit Monaten. Seit Februar bot das "Tachelesz" nur Dinge zum Mitnehmen. Seit Montag gab es im Sommergarten ausgewählte Kleinigkeiten zu essen. Jetzt gibt es wieder die ganze Karte inklusive grüner Soße und Tagliatelle. Ein Stammgast hat sein altes Ritual sofort wieder aufgegriffen: Morgenkaffee und Zeitungslektüre vor dem Tachelesz.

Der erste Tafelspitz seit Monaten: Große Freude über Öffnung der Außengastronomie in Frankfurt

Jetzt beobachtet er die Passanten auf der Neuen Kräme. Die Stadt ist längst nicht so voll wie in Vor-Corona-Zeit. Und die Touristen fehlen. Isabella Sztulman kann nur schwer einschätzen, wie viele Gäste sie haben wird. Personalplanung und Wareneinkauf nach Bauchgefühl. Vielleicht wird am Sonntagmittag schon alles aufgegessen sein. Vielleicht bleibt sie auf Frischwaren sitzen? "Ich führe eine Liste über alles, was ich wegwerfen muss." Den Besuchern macht sie die Einkehr im Freien so einfach wie möglich und hält - wie die Lohrberg-Schänke auch - Corona-Selbsttests zum Selbstkostenpreis bereit.

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Auf dem Lohrberg ist inzwischen klar, wer kommt. Alte Bekannte. "Ein sechser Äppler und eine Flasche Wasser?", ruft die Bedienung ihnen entgegen. Seit Herbst ist nicht vergessen gegangen, was diese beiden Männer immer ordern, und auch nicht wie sie aussehen - oder aussahen: "Seid ihr schwanger?", grinst die Servicekraft. Wiedersehensfreude! Michael Degen und Laurence Hotz starten immer freitags nach Feierabend in der Lohrberg-Schänke ins Wochenende. Freitag ist Backfischtag: "Endlich wieder."

Die ersten Teller sind leergegessen. "War die Suppe gut?", fragt die Bedienung die vier Rentner beim Abräumen. Die Gäste sind begeistert. Der Chef witzelt: "Die Suppe ist sieben Monate alt." Es klappert aus der Küche. Die Spülmaschine wird angeworfen. Läuft! Wieder. Die Maschine - und der Neustart der Außengastronomie. (Michelle Spillner)

Seit Montag dürfen die Gastronomen in Frankfurt zumindest draußen wieder öffnen.

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