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Mühlgraben bleibt Sorgenkind – Überschwemmungsgebiet am Urselbach wächst

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Von: Brigitte Degelmann

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Erst im vergangenen Jahr, Ende August, stand die Spielsgasse in Frankfurt-Niederursel wieder unter Wasser.
Erst im vergangenen Jahr, Ende August, stand die Spielsgasse in Frankfurt-Niederursel wieder unter Wasser. © Hamerski

In Frankfurt-Niederursel beschäftigt der Zustand des Mühlgrabens die Bürgerschaft. Und die Stadt stellt klar: Die Überschwemmungsgebiete am Urselbach wachsen.

Niederursel – Einst war er ein hübsches Bächlein, heute ist sein Zustand für viele Anwohner ein Ärgernis: der Mühlgraben in Niederursel. Wo er vom Urselbach abzweigt, verhindert seit einiger Zeit ein Schieber den Wasserdurchfluss, um die Standsicherheit des Mühlengebäudes zu gewährleisten. Nur ein kleines Rinnsal zwängt sich dort noch hindurch.

Die Folge: Oberhalb der Mühle ist es nun meist trocken, unterhalb von ihr bildet sich jedoch vor allem in wärmeren Jahreszeiten eine schlammige Pfütze – "ein stinkender Mückenpfuhl", wie eine Anwohnerin am Donnerstag in der Sitzung des Ortsbeirats 8 (Heddernheim, Niederursel, Nordweststadt) kritisierte. Dort stellten sich fünf Mitarbeiterinnen von der Stadtentwässerung (SEF) und der Unteren Wasserbehörde den Fragen des Gremiums und der Bürger.

Frankfurt-Niederursel: Mühlgraben trägt kaum zum Hochwasserschutz bei

Unter anderem Stefanie Toth von der SEF, die den Mühlgraben als "Sorgenkind" bezeichnete. Auch wegen der schwierigen Eigentumsverhältnisse: Von der Abzweigung bis zur Obermühlgasse ist das Areal in Privathand, der Rest ist in städtischem Besitz. Jahrelang habe sich die Stadt um die Unterhaltungsarbeiten gekümmert, sagte Toth. Vor allem im oberen Bereich seien Mäharbeiten jedoch problematisch, weshalb man sich dazu entschlossen habe, diese nicht mehr zu übernehmen.

Auch deshalb, weil der Mühlgraben kaum zum Hochwasserschutz beitrage. Laut Berechnungen könne er nur zwei Prozent des Gesamtabflusses aus dem Urselbach sicher aufnehmen, erklärte die SEF-Mitarbeiterin. Eine geringe Menge, die aber eine entscheidende Rolle spielen könnte, mutmaßte Oliver Schulte (CDU). Denn: "Die praktische Erfahrung zeigt, dass das Wasser häufiger in der Spielsgasse steht, seit das Schott geschlossen ist."

Auch aus diesem Grund forderten mehrere Redner nachdrücklich, dass wieder Wasser durch den Mühlgraben fließt. Er sei "extrem wichtig für den Ortsbezirk", betonte Ortsvorsteherin Katja Klenner (CDU). Sie regte einen runden Tisch an, um eine Lösung zu finden.

Frankfurt-Niederursel: Urselbach tritt bei Starkregen immer wieder über die Ufer

Der Urselbach selbst bereitet Bürgern und Behörden ebenfalls Schwierigkeiten. Vor allem dann, wenn er nach starken Regenfällen über die Ufer tritt, etwa im alten Ortskern von Niederursel oder in Heddernheim. Das Problem: Bei sämtlichen Bächen aus dem Taunus seien die Vorwarnzeiten "unglaublich gering", wie es Stefanie Toth formulierte: "Es regnet - und das Wasser ist praktisch schon in Frankfurt." Hinzu kommt die zunehmende Versiegelung von Böden.

In diesem Zusammenhang kritisierte Stefan Ziegler, stellvertretender Vorsitzender der SPD in Niederursel, vor allem die Stadt Oberursel: "Die haben uns den Mist eingeschenkt." Er erinnerte an die Planungen für zwei Rückhaltebecken mit einem Fassungsvermögen von 190.000 beziehungsweise 265.000 Kubikmetern aus den 1970er-Jahren: "Die würden schnelles Hochwasser auffangen, da bräuchten wir dann keine größeren Umbaumaßnahmen mehr."

Diese Vorhaben seien damals nicht umgesetzt worden, weil man nicht an die dafür nötigen Grundstücke herangekommen sei, erläuterte die SEF-Mitarbeiterin. Heute seien solche Großprojekte nicht mehr zeitgemäß. Stattdessen überlege man andere Lösungen. Etwa "Geländemodellierungen", die Überschwemmungen im Dorfwiesenweg verhindern sollen. Oder die Beseitigung kleiner Stege in der Nähe der Spielsgasse sowie die Ertüchtigung der Ufermauer.

Frankfurt-Niederursel: Überschwemmungsgebiete am Urselbach wachsen weiter

Simone Mödinger von der Unteren Wasserbehörde informierte darüber hinaus über die Neuberechnung der Überschwemmungsgebiete am Urselbach. Die nun ermittelte Gefahrenzone reiche deutlich über die bisher geltende hinaus. "Es sind Teile von möglichem Hochwasser betroffen, die es nach altem Kenntnisstand nicht waren", sagte Mödinger. Ihre Kollegin Linda Malessa verwies außerdem auf spezielle Karten, die über die Gefahren durch Starkregen informieren und vor einigen Monaten im Frankfurter Geoportal veröffentlicht wurden. (Brigitte Degelmann)

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