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Biologielehrerin Christine Pfeffer und Ulrich Nothwang haben sich eines brachliegenden Grundstücks angenommen und dort ein Wildbienen-Projekt aufgebaut, etwa mit diesen Bienen-Hotels. Dafür wird das Projekt "Bee Sossenheim" jetzt ausgezeichnet.

Frankfurt: Naturschutz im Stadtteil

Sossenheim: Auf dieses Projekt fliegen nicht nur Bienen

Private Nachbarschaftsinitiative erhält einen Umweltpreis der UN

Christine Pfeffer steht im Garten hinter ihrem Haus an der Kreissäge und schneidet Holzbretter zurecht. Heute soll der Komposthaufen ausgebessert werden. Sie und Ulrich Nothwang lieben ihren naturnahen Garten - eine grüne Idylle mit sehr viel Platz für die unterschiedlichsten Tier- und Pflanzenarten. Die beiden studierten Biologen haben deshalb schon einmal den zweiten Platz im Gartenwettbewerb "Frankfurt summt" gewonnen. Das hat sie angespornt, sich 2018 des brachliegenden Nachbargrundstücks anzunehmen, das an ihren Garten angrenzt.

Dieses 4 000 Quadratmeter große Grundstück, das als Frischluftschneise nicht bebaut werden darf und das zwischen der Westerbachsiedlung und dem Industriekomplex in der Westerbachstraße 162-166 liegt, war teils mit einer Brombeerhecke überwachsen. "Da lag sehr viel Müll", berichtet Christine Pfeffer über die Zeit, als sie und ihr Mann eine Patenschaft in Kooperation mit der Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES) für das Gelände übernommen haben. Mit Handschuhen, Kneifzangen und Mülltüten ausgestattet, haben sie regelmäßig dort aufgeräumt.

Selbst ein Fernseher lag im Gestrüpp

"Wir haben täglich 10 bis 20 Kippen gefunden", berichtet sie. Von Lebensmittelverpackungen bis hin zu einem alten Röhrenfernseher hat die Nachbarschaftsinitiative den unterschiedlichsten Abfall entsorgt. "In letzter Zeit ist es aber sehr viel besser geworden", sagt Christine Pfeffer. Ob das daran liegt, dass das Gelände nun von den beiden Biologen und der Initiative betreut wird, sei schwer zu sagen.

"Bee Sossenheim" setzt sich dort für die biologische Artenvielfalt und im Besonderen für die Wildbienen ein. Letztere leben gerne in "Nisthölzern" oder sogenannten "Insektenhotels", erklärt Christine Pfeffer. Deshalb wurde das Gelände nach Abschluss eines Vertrages mit der Stadt Frankfurt umgestaltet. Nichtheimische Baumarten wurden entfernt und die Brombeerhecke gerodet. So entstand viel Platz für mehrere Blumenwiesen mit heimischen Pflanzenarten, einem Insektenhotel und Nisthilfen für die Wildbienen. "Es wird sehr gut angenommen", sagt Christine Pfeffer und freut sich, "jedes Jahr kommen da neue Insekten, die du noch nie zuvor gesehen hast."

Bei der Wohnungssuche für Insekten blieb es jedoch nicht. Mittlerweile steht auf dem Gelände zusätzlich eine Mauer aus Sandstein - als Rückzugs- und Sonnenbadeort für die auf dem Gelände lebenden Eidechsen.

Das ganze Projekt ist mit viel Geld, Zeit und Arbeit verbunden. Aber auf dem Grundstück ist jetzt schon eine Menge passiert. Zehn neue Nistkästen wurden aufgehängt, und das Ehepaar hat unter anderem eine Sand-Magerwiese angelegt.

Hotel ist gut belegt

"Je magerer, desto mehr Arten fühlen sich wohl", weiß Christine Pfeffer, die Biologie und Geschichte unterrichtet. Den Wildbienen jedenfalls gefällt es auf dem Grundstück in der Nähe des Industriegebietes und der Autobahn A 5. Das selbst gebaute Wildbienenhotel ist größtenteils belegt, und in den Nistkammern wachsen die Bienenlarven bis zum Anbruch des nächsten Frühlings heran. Fertig sind Christine Pfeffer und Uli Nothwang mit ihrem bienenfreundlichen Gelände aber noch lange nicht. In naher Zukunft wird noch ein alter Kaugummi-Automat aufgestellt, aus dem sich Passanten "Samenbomben von heimischen Pflanzenarten für den Garten" ziehen können, um selbst etwas zur biologischen Vielfalt beizutragen. Weil ihr Projekt jetzt schon für mehr Diversität in Sossenheim sorgt, haben die beiden sich bei den Vereinten Nationen für die Auszeichnung "UN-Dekade Biologische Vielfalt" beworben und werden am kommenden Samstag ausgezeichnet. Klar, darüber freuen sich die beiden. Aber "es macht auch einfach Spaß", antwortet sie auf die Frage, warum sie das alles tun. "Wir möchten, dass es hier schön wird für alle. Für Menschen, Tiere und Pflanzen." Weitere Informationen zu dem Projekt und Infos darüber, wie man spenden oder Obstbaumpate werden kann, gibt es unter: http://bee-sossenheim.de. von Rebecca Herrnbrodt

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