Mit vereinten Kräften stellten die Kerbeborschen den Baum auf. foto: Maik Reuss
+
Mit vereinten Kräften stellten die Kerbeborschen den Baum auf. foto: Maik Reuss

Brauchtum

Sossenheim: Kerbeborschen bäumen sich gegen die Pandemie auf

  • vonAlexandra Flieth
    schließen

Erfolgreicher Einsatz für die Traditionspflege

Zwar ist die Sossenheimer Kerb, die eigentlich am vergangenen Wochenende gefeiert werden sollte, wegen der Corona-Pandemie abgesagt worden. Die im Stadtteil liebgewonnene Tradition des Aufstellens eines Kerbebaumes wollten sich die Sossenheimer Kerbeburschen aber nicht nehmen lassen. "Uns war dies sehr wichtig - und wir möchten damit in Zeiten der Pandemie auch ein sichtbares Zeichen für die Bürger im Stadtteil setzen, dass die Tradition trotzdem weitergeht", erklärte Michael Schneider der Vorsitzende der Sossenheimer Kerbeburschen.

Rund 25 Meter hoch ist die Strobe, eine nordamerikanische Kiefernart, die zum diesjährigen Kerbebaum geschmückt wurde. Die Strobe stammt aus dem Schwanheimer Wald und wurde von der dortigen Revierförsterei zur Verfügung gestellt. "Sie unterstützen damit die Brauchtumspflege", sagte Schneider.

Aufgestellt wurde der Baum wie immer von den amtierenden Kerbeburschen am Parkplatz Alt-Sossenheim / Ecke Wiesenfeldstraße. Das erforderte Kraft, Geschicklichkeit - und auch einen Turmdrehkran, der den Kerbeburschen von der BKL Baukran Logistik aus Höchst für die Aktion zur Verfügung gestellt wurde.

Gelbe und blaue Bänder

Trotzdem dauerte das Aufstellen seine Zeit, bis der Kerbebaum in die richtige Position gebracht wurde. Gelbe und blaue Bänder schmücken die grünen Zweige. Ein Kürbis unterhalb der Krone steht symbolisch für die Erntedankzeit. Und natürlich gibt es in diesem Jahr auch wieder eine Kerbepuppe. "Wir benennen sie immer nach einer Person, die den Kerbeburschen nahesteht", erklärte Schneider. In diesem Jahr sei die Kerbepuppe nach Norbert Kuhnke benannt, der vor wenigen Wochen im Alter von 59 Jahren viel zu früh verstorben sei. "Er war Mitglied bei den Kerbeburschen und hat immer den Traktor gefahren, wenn wir den Kerbebaum gestellt haben", würdigte Schneider das Engagement des Verstorbenen.

Auch eine weitere Tradition soll in diesem Jahr aufrechterhalten werden: Die sogenannte Kerbebeerdigung, ein Symbol für das Ende der jährlichen Sossenheimer Kerbezeit. Dafür wird die Kerbepuppe verbrannt. "Das ist eine Woche später und nur mit dem engsten Kreis der amtierenden Kerbeburschen geplant", sagte Schneider auf Nachfrage.

Auf die traditionellen Hausbesuche bei ihren Unterstützern, verzichteten die Kerbeburschen in diesem Jahr komplett. "Wir möchten nicht als Hotspot für Corona fungieren", betonte Schneider.

Verzichtet haben sie aber nicht auf die Teilnahme am gestrigen Kirchweihgottesdienst in der Kirche St. Michael der katholischen Pfarrei Sankt Margareta mit ebenfalls traditioneller Fahnenabordnung der Vereine. Wegen Corona war die Teilnehmerzahl jedoch begrenzt.

Die Sossenheimer Kerbeburschen haben derzeit 110 Mitglieder, aufgeteilt in drei Abteilungen: Jugend, Veteranen und amtierende Kerbeburschen, darunter auch Kerbemädels.

"Sie versuchen im Rahmen ihrer Möglichkeiten das Kerbegefühl aufrechtzuerhalten und das finde ich unterstützenswert", sagte Ortsvorsteherin Susanne Serke (CDU), die dieses Engagement privat mit einer kleinen Spende gefördert hat. alexandra flieth

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare