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Aretha Franklin bei einem Auftritt in New York 2017.

Nachruf

Die Soul-Legende Aretha Franklin ist gestorben

Sie war eine der erfolgreichsten Musikerinnen überhaupt – und stand auch für die Emanzipation der Frauen und der Schwarzen in den USA. Jetzt starb Aretha Franklin an Krebs.

Als Aretha Franklin im vergangenen Jahr ankündigte, nicht mehr auftreten zu wollen, war das für ihre Fans ein Schock: „Ich werde weiterhin Aufnahmen machen, doch es wird das letzte Jahr sein, in dem ich Konzerte gebe – das war’s“, sagte sie dem Radiosender WDIV Local 4 in Detroit. Damals arbeitete sie mit Stevie Wonder an einem neuen Album. Wonder und der Bürgerrechtler Jesse Jackson waren es nun, die Aretha Franklin jüngst in ihrem Haus in Detroit noch einmal besuchten. „Sie ist ernsthaft krank“, zitierten amerikanische Medien den Sänger und Musiker Wonder vor wenigen Tagen. Mit 76 Jahren ist Aretha Franklin einem Krebsleiden erlegen.

Wie keine andere verkörperte Franklin die Verbindung zwischen afrikanisch-amerikanischen Spirituals – den christlichen Liedern aus der Sklavenzeit – und dem Blues, R&B und Rock ’n’ Roll. Wenn Aretha singe, breite sich die ganze amerikanische Geschichte aus, schwärmte der frühere US-Präsident Barack Obama. Bei seiner ersten Amtseinführung 2009 zeigte Aretha Franklin, dass sie noch immer die „Queen of Soul“ war.

Die stimmgewaltige Diva gehört mit 18 Grammys und 73 Hits in den amerikanischen Charts zu den erfolgreichsten Frauen der Musikgeschichte. Sie war die erste Frau, die in die Hall of Fame des Rock ’n' Roll aufgenommen wurde. Das Magazin „Rolling Stone“ kürte sie 2010 unter 100 Anwärtern zur „größten Sängerin aller Zeiten“.

Stücke wie „Respect“ und „Think“ machten sie in den 60er Jahren nicht nur zum Superstar der Soul-Musik. Aretha Franklin, die mit Martin Luther King befreundet war, steht auch für den Kampf für die Bürgerrechte und für die Emanzipation von Frauen.

Dabei war der Song „Respect“ von Otis Redding ursprünglich die Klage eines Mannes, der nach einem langen Arbeitstag zu Hause von seiner Frau mehr Respekt verlangte. Bei Aretha Franklin verwandelte sich das Lied in eine Hymne der Bürgerrechtsbewegung. In einer von ihr hinzugefügten Strophe buchstabierte sie selbstbewusst die Botschaft des Songs: „R-E-S-P-E-C-T – Finde heraus, was das für mich heißt!“ Sie habe „aus Reddings herausgebrüllter Ehe-Posse ein politisches Statement und einen Welthit gemacht“, schrieb „Die Zeit“.

Franklins Spektrum reichte von Gospel über Jazz und Soul bis zu Pop und Rock ’n’ Roll. Sie sang Welthits mit George Michael („I Knew You Were Waiting For Me“), Annie Lennox von den Eurythmics („Sisters Are Doing It For Themselves“) und Elton John („Through The Storm“). In den Filmen „Blues Brothers“ (1980) und „Blues Brothers 2000“ (1998) begeisterte sie mit ihren Auftritten weltweit das Kinopublikum.

Geboren wurde Aretha Franklin 1942 in Memphis als zweitjüngstes von fünf Kindern eines Baptistenpredigers. Schon als Kind sang sie zusammen mit zwei ihrer Schwestern im Chor der „New Bethel Baptist Church“ ihres Vaters. Mit 14 Jahren nahm sie dort live ihre erste Schallplatte „Songs Of Faith“ (1956) mit Gospelstücken auf. Gut 30 Jahre später sang sie in der gleichen Kirche das gefeierte Gospel-Album „One Lord One Faith One Baptism“ ein.

Mit 18 Jahren hatte sie bereits ihren ersten Plattenvertrag bei Columbia in der Tasche. Sie sei „die beste Stimme, die ich seit Billie Holiday gehört habe“, erklärte der Produzent John Hammond, der auch Billie Holiday, Bob Dylan und Bruce Springsteen entdeckte.

Zum Weltstar wurde sie allerdings erst mit ihrem Wechsel zu Atlantic Records 1967. Bereits ihre erste Single „I Never Loved A Man (The Way I Do)“ verkaufte sich über eine Million mal. „Alles was ich singe, ist sehr persönlich für mich“, erklärte Aretha Franklin einmal ihr Erfolgsrezept. „Ich lege in jeden Song alles, was ich zu geben habe. Anders kann ich nicht singen.“

Die Hingabe, mit der Aretha den Blues sang, bewies, dass sie auch die Schattenseiten des Lebens kannte. Die Mutter verließ die Familie, als Aretha sechs Jahre alt war, und starb vier Jahre später. Mit 14 Jahren wurde Aretha Franklin selbst Mutter und brach die Schule ab. Ein weiteres Kind bekam sie mit 16. Über die Väter äußerte sie sich nicht. Ihren ersten Sohn nannte sie Clarence Franklin, nach ihrem eigenen Vater.

Ihr erster Ehemann gängelte sie und soll sie geschlagen haben. Ihren Schmerz linderte sie mit Essen und mit Alkohol. Aretha sei jedoch eine Überlebenskünstlerin, schrieb der Musikjournalist Mark Bego in der Biografie „Aretha Franklin – Queen of Soul“: „Es gelang ihr jedes Mal, den Schmerz ihrer persönlichen Tragödien in kreative Energie umzuwandeln.“

Mit ihrer Vorliebe für Limousinen und teure Pelze galt sie als eine der letzten großen Soul-Diven. In den vergangenen Jahren lebte sie zurückgezogen in Detroit, ihr Privatleben schirmte sie strikt ab, nur selten gab sie noch Interviews.

Ihren Abtritt von der Bühne sah sie ohne Wehmut: „Ich bin mit mir zufrieden und im Einklang mit Blick auf meine Karriere, und dort, wo ich jetzt als Sängerin stehe“, hatte sie zum Abschied verkündet.

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