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Wohin geht die Reise der SPD? Die Sozialdemokraten Turgut Yüksel (links) und Mike Josef blicken auf den Bildschirm ? der ihnen keine Antwort gibt.

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Sozialdemokraten hadern mit ihrem Ergebnis und schimpfen auf die Grünen

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Die Sozialdemokraten sind enttäuscht mit dem Wahlergebnis ihrer Partei, hatten sich ob der schlechten Prognosen im Vorfeld aber innerlich schon darauf eingestellt. Schuld daran geben sie den Streitigkeiten innerhalb der großen Koalition in Berlin.

Wer Mike Josef, Frankfurts SPD-Chef, gestern Abend durch die Hallen im Römer laufen sah, der hätte auf den ersten Blick denken können, die Sozialdemokraten hätten ein sensationelles Wahlergebnis eingefahren. Stets hatte er ein Lächeln auf dem Gesicht. Er machte Scherze mit CDU-Chef Jan Schneider und dem FDP-Stadtverordneten Stefan von Wangenheim, lachte viel und laut. Doch angesprochen auf das Landesergebnis der SPD wurde er ganz ruhig, immerhin haben die Sozialdemokraten fast 11 Prozentpunkte im Vergleich zur Wahl vor fünf Jahren verloren.

„Das Ergebnis will und kann ich nicht schön reden“, sagte Josef ruhig und ernst. „Aus Frankfurter Sicht kann ich sagen: Der Frankfurter Weg hat sich für uns bewährt. Den müssen wir weitergehen, mit Demut, aber trotzdem selbstbewusst.“ Die SPD müsse eigene Themen in der politischen Mitte setzen. Bezahlbaren Wohnraum würden alle Parteien fordern. „Für die SPD gilt: In Gefahr und großer Not, ist der Mittelweg der Tod. Aber: Lebbe geht weider“, zitierte er dann noch Eintracht-Legende Dragoslav „Stepi“ Stepanovic.

Im Gegensatz zu Mike Josef sah man der Frankfurter SPD-Bundestagsabgeordneten Ulli Nissen ihren Frust an. In ihr brodelte es. „Das Ergebnis ist eine Ohrfeige für die SPD“, sagte Nissen. Die Schuld dafür gibt sie der schwarz-roten Bundesregierung. „Das Bild, das wir in Berlin abgeliefert haben, ist peinlich. Die Streitereien haben all das, was wir Gutes erreicht haben, überschattet. Dafür wurden wir jetzt bestraft. Wir haben die Wähler einfach nicht erreicht.“ Besonders ärgert sich Nissen aber über das gute Ergebnis der Grünen. „Die haben nichts gemacht und die Menschen im Stich gelassen.“

Ganz so drastisch würde dies die SPD-Fraktionsvorsitzende Ursula Busch nicht ausdrücken, aber auch sie zeigte sich erstaunt über das Ergebnis der Grünen: „Sie haben ihre großen Themen wie Umwelt nicht in Bewegung gebracht. Aber offenbar konnten sie ihre Themen besser vermitteln“, so Busch. „Wir haben es nicht geschafft, den Menschen zu versichern, dass wir ihre Sorgen und Nöte vertreten.“

Auch Stefanie Then, Landtagskandidatin im Wahlkreis 37 (Frankfurter Süden), sah man ihre Enttäuschung an. „Das Ergebnis ist erbärmlich“, sagte sie denn auch. „Wir sind die mitgliederstärkste Partei Deutschlands, wir sind inhaltlich gut aufgestellt, aber wir werden für das, was im Bund schiefläuft, abgestraft.“ Sie sei traurig, dass es in Hessen keine neue Landesregierung geben wird. „Die Wahl zeigt, dass man mit Nichtstun gewinnen kann. Das ist schade und eine verpasste Chance für Hessen.“

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