+
Amtsleiter Wolfgang Kreher (rechts) führte gestern Minister Alexander Lorz durch sein Amt.

Bildung

40 Sozialpädagogen als Verstärkung für 63 Grundschulen

  • schließen

In Sachen Schule ist Frankfurt unersättlich: Die Stadt braucht immer mehr Schulhäuser, mehr Lehrer und bald auch ein größeres Amt. Das Gebäude des Staatlichen Schulamtes platzt aus allen Nähten.

Gut gelaunt gab sich Kultusminister Alexander Lorz gestern beim Besuch des Staatlichen Schulamtes in Frankfurt. Der CDU-Politiker hat sich einen guten Zeitpunkt ausgesucht: Im Amt sind die schlimmsten Zeiten vorbei, die meisten Stellen wurden nach teilweise monatelangen Vakanzen besetzt und zusätzliche Mitarbeiter eingestellt. Auch an den Schulen sind die meisten Löcher gestopft.

Obendrauf legte der Minister noch eine Art Geschenk: 63 Frankfurter Grundschulen können ihre Teams durch einen Sozialpädagogen oder Erzieher verstärken, knapp 40 von landesweit vorerst 400 neuen Stellen für „sozialpädagogische Fachkräfte“ gehen an die Mainmetropole. Zum Beginn des nächsten Schuljahres werden hier noch einmal rund 30 Stellen für solche Fachkräfte an weiterführenden Schulen geschaffen.

Damit sollen vor allem die Schulen entlastet werden, die inklusiv arbeiten, also Kinder mit Handicaps in ihren Klassen haben. Die Aufgabe der neuen Kollegen werde es vorrangig sein, zusätzliche Lern- und Betreuungsangebote einzubringen, Schüler zu begleiten, Beratungsgespräche zu führen oder auch den Kontakt zu den Schulsozialarbeitern und anderen Stellen zu halten. „Lehrer haben einen Bildungs- und Erziehungsauftrag, die neuen Fachkräfte sollen sie vor allem bei den Erziehungsaufgaben entlasten“, erklärte Lorz. Immer wieder sei von den Grundschulen in der Vergangenheit das Signal gekommen, „dass sie diese Unterstützung noch viel dringender bräuchten als zusätzliche Lehrkräfte.“

Aber natürlich werden auch Lehrer weiterhin händeringend gesucht. „Jeder, der in Frankfurt als Grundschullehrer arbeiten möchte, wurde von uns eingestellt“, sagte Wolfgang Kreher, Leiter des Staatlichen Schulamtes in Frankfurt. Damit sei es gelungen, die geplante Stellenzahl abzudecken, wobei es in der Praxis trotzdem einige Grundschulen gebe, denen Pädagogen fehlen. „Aber im Schnitt erreichen wir eine Lehrerabdeckung von 104 Prozent.“

Weniger gut sehe es an Berufsschulen aus, wo vor allem für Ausbildungen im Metall- und Elektrohandwerk entsprechende Pädagogen fehlten. Ebenso wie für Grundschullehrer bietet das Land deshalb Weiterbildungsprogramme an, um neue Fachkräfte zu gewinnen. Noch größer ist der Bedarf an Förderschulpädagogen, 15 Stellen für sie sind aktuell unbesetzt.

Neue Arbeitsverträge wurden in den vergangenen Monaten auch häufig für das Staatliche Schulamt selbst gemacht. Dessen Mitarbeiter sind natürlich umso stärker gefordert, je größer die Zahl der Frankfurter Schüler wird: Die Neugründung von Schulen, die Suche nach Pädagogen, die Veränderungen in Sachen Inklusion und Ganztag, Weiterbildung, Krankheitsvertretung, die Integration von Schülern ohne Deutschkenntnisse – bei allen Themen hat die Arbeit erheblich zugenommen. Erst mit Verzögerung stiegen dafür auch die Mitarbeiterzahlen. „Inzwischen können wir mit der personellen Situation aber zufrieden sein, die letzten offenen Stellen sind ausgeschrieben“, so Amtsleiter Kreher.

Doch an das gelöste habe sich ein neues Problem angeschlossen: „Unser Gebäude ist randvoll.“ Es sei so weit, dass Besprechungsräume in Gemeinschaftsbüros umgewandelt werden müssten. „Wir suchen nach Alternativen, das Amt muss umziehen“, bestätigte Minister Lorz. Die Immobiliensuche sollte relativ schnell gehen, in zweieinhalb Jahren läuft der Mietvertrag in der Stuttgarter Straße aus.

Randvoll ist eine Beschreibung, die bekanntlich auch auf die Frankfurter Schulen zutrifft. Die Stadt kommt mit dem Schulbau nicht hinterher, Zuzug und Geburtenzahl sind weiterhin hoch. Und anders als überall sonst im Land sinkt auch die Zahl der Quereinsteiger, die ohne Deutschkenntnisse ins deutsche Schulsystem starten, nicht.

Bislang wird noch jedes Kind eingeschult, und Fünftklässler kommen auf weiterführenden Schulen unter. Aber richtig schwer wird es für die, die wechseln wollen, neu in die Stadt ziehen oder aus der Intensivklasse in eine Regelschule gehen müssten. Für sie einen Platz zu finden, gelingt dem Staatlichen Schulamt nur mit Mühe. Selbst die Grundschulen seien voll, an den Hauptschulen ist kaum ein Platz zu finden. „Wir haben nur noch einen ganz kleinen Puffer“, mahnte Kreher.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare