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Spedition Fermont verlässt das Gelände: Wohnungen am Industriehof geplant

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Von: Thomas J. Schmidt

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Ein Traditionsunternehmen weicht der Wohnbebauung: Die Spedition Fermont, seit 125 Jahren in Frankfurt und seit 60 Jahren am Industriehof angesiedelt, verlässt ihr Areal spätestens in vier Jahren. Das Grundstück ist verkauft.

2500 Wohnungen könnten südlich der Rödelheimer Landstraße entstehen. Diese Art der Bebauung ist schon lange im Gespräch. Nachdem der Schleifmittelhersteller „Burka Kosmos“ das Gebiet bereits verlassen hat, hat jetzt auch die Spedition H. & C. Fermont GmbH & Co. KG ihr Grundstück verkauft. Dies gaben die Geschäftsführerin Susanne Freifrau von Verschuer-Bär sowie die Immobilienunternehmen Nassauische Heimstätte und Instone Real Estate gestern bekannt. Fermont will das 10 800 Quadratmeter große Grundstück spätestens Ende 2021 übergeben.

Für Mark Gellert, Sprecher von Planungsdezernent Mike Josef (SPD), ergeben sich jetzt neue Chancen. „Wir sind mit dem Bebauungsplan sehr weit, stehen kurz vor der Offenlegung.“ Die Bebauung auf jetzt ohnehin brachliegenden Flächen könne etwa in einem Jahr beginnen, vielleicht noch 2018, spätestens 2019. Auch wenn es bis zum Umzug von Fermont noch vier Jahre dauert.

Die Gesamtfläche des Gebietes ist mit 28,49 Hektar veranschlagt, dort gibt es Gewerbe, Mischbebauung und Wohnen. „Mit dem Verkauf von Fermont verändert sich die Gewichtung hin zum Wohnen“, sagte Gellert. Es sei, weil die Verkaufspläne bekannt waren, eine „Plan B“ ausgearbeitet, der jetzt in den Bebauungsplanentwurf mit eingearbeitet werde. Daher erfolge die Offenlegung bereits „in Kürze“.

15 Jahre Diskussion

Dass die Wohnbebauung kommt, stand schon länger fest. Seit dem Jahr 2003 gibt es dazu Diskussionen im Stadtplanungsamt. Susanne von Verschuer sagte, die Verhandlungen mit den Immobilienunternehmen liefen bereits seit einigen Jahren. Das zweite große Unternehmen in dem Gebiet südlich der Rödelheimer Landstraße im Industriehof, das der Wohnbebauung entgegenstand, „Burka Kosmos“, ist bereits nach Rödelheim weggezogen. Gellert hätte ansonsten Geruchsbelästigungen befürchtet, stellt diese Firma doch Schleifmittel her. Die Firma hat jetzt südlich der Westerbacher Straße ihr Domizil.

„Die Nassauische Heimstätte und Instone Real Estate sind die großen Eigentümer auf der Fläche, aber nicht die einzige“, sagte Gellert. Für die Nassauische sagte Sprecher Frederik Lang, dass sein Unternehmen gemeinsam mit Instone 2015 rund elf Hektar im Osten des Areals von Siemens erworben habe und nunmehr noch 1,1 Hektar hinzu gekommen sind. Genaue Pläne, welches der beiden Unternehmen welches Baufeld erschließt und es wie bebaut, gebe es noch nicht. „Das ist zu früh, erst einmal muss der Bebauungsplan verabschiedet sein“, so Lang. Instone wollte sich wegen des frühen Planungsstandes nicht äußern.

Der Bebauungsplanentwurf sieht überwiegend eine fünfstöckige Wohnbebauung vor. In dem Quartier sind eine neue Grundschule und – im Sinne der doppelten Innenentwicklung – auch ein Grünzug vorgesehen. Es soll ein Mix aus geförderten Wohnungen, frei finanzierten Mietwohnungen sowie Eigentumswohnungen entstehen.

Schwerer Abschied

Susanne von Verschuer wird der Abschied nicht leicht fallen. „Ich war mein ganzes Leben hier“, sagt die 48-Jährige. Auch ihre Mutter, Sigrid Bär, der das Grundstück gehört, hat sich mit der Entscheidung „sehr schwergetan, schließlich ist das Betriebsgelände vor fast 60 Jahren von meinem verstorbenen Mann und seiner Schwester wegen des idealen Standortes gekauft worden.“ Die Seniorin weicht auch, weil sie den Bedarf der Stadt sieht, den Mangel an Wohnraum abzustellen.

Fest steht: Das Unternehmen Fermont mit seinen 100 Arbeitsplätzen wird in Frankfurt weiterbestehen. „Ich bin Frankfurterin“, sagt Susanne von Verschuer. Jetzt sucht sie ein geeignetes Grundstück. Viele Möglichkeiten gebe es aber nicht in Frankfurt, jedenfalls nicht mit geeigneter Verkehrsanbindung. Dennoch habe sie einige Flächen im Auge, sagte Verschuer, könne aber noch nicht sagen, wo. Die Verhandlungen laufen.

Die Zeit drängt – vier Jahre vom Erwerb eines Grundstücks über die Bebauung bis zum Bezug ist nicht wirklich viel. Von Verschuer hofft auf die Hilfe der Stadt bei der Suche nach einer Betriebsfläche. Dem Wirtschaftsdezernenten Markus Frank (CDU) sind diese Wünsche bekannt. „Logistik ist sehr flächenintensiv“, sagte seine Referentin Andrea Brandl. „Wir sind in Gesprächen.“ Natürlich tue man alles, um Gewerbeunternehmen, Industrie und Logistik in der Stadt zu halten.

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