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Geplante Sperrung des Mainkai: Viel Kritik aus Wirtschaft und Auto-Lobby

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Von: Dennis Pfeiffer-Goldmann

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Der für Autos gesperrte Mainkai am Ende des Verkehrsversuchs Ende August 2020: An Wochenenden, in den Ferien und nachts sollen hier bald dauerhaft keine Autos mehr fahren. Das plant die neue Römerkoalition unter grüner Führung. Dagegen wird scharfe Kritik laut - auch, weil bisher ein langfristiges Konzept fehlt.
Der für Autos gesperrte Mainkai am Ende des Verkehrsversuchs Ende August 2020: An Wochenenden, in den Ferien und nachts sollen hier bald dauerhaft keine Autos mehr fahren. Das plant die neue Römerkoalition unter grüner Führung. Dagegen wird scharfe Kritik laut - auch, weil bisher ein langfristiges Konzept fehlt. © Rolf Oeser

An der geplanten Sperrung des Mainkai für den Autoverkehr gibt es Kritik. Der Nutzen der Blockade sorgt für hitzige Diskussionen.

Frankfurt – Die geplante erneute Mainkai-Sperrung ruft laute Kritik hervor. Obwohl die Uferstraße zunächst nur zeitweise autofrei werden soll, warnen allen voran die Wirtschaft und die CDU davor. Besonders im Fokus steht dabei das Nachtfahrverbot und sein Nutzen.

Die Römer-Koalition will die Straße täglich von 19 Uhr bis sechs Uhr früh für den motorisierten Verkehr sperren. Ebenso soll der Mainkai von Alter Brücke bis Untermainbrücke an Wochenenden, Feiertagen und in den Ferien ganztags gesperrt bleiben. Grüne, SPD, FDP und Volt wollen die Fahrbahn dann für Fußgänger und Radfahrer vorbehalten und Veranstaltungen ermöglichen.

Frankfurt: Mainkai-Sperrung wochentags als ungerecht und sinnlos bezeichnet

"Welchen gesamtstädtischen Nutzen die nächtliche Sperrung unter der Woche haben soll, ist mir ein Rätsel", sagt Frank Nagel, der verkehrspolitische Sprecher der CDU im Römer. Die Sperrzeit sei zu kurz, um Veranstaltungen aufzubauen. Daher rechnet Nagel damit, dass das Asphaltband unter der Woche nachts einfach nur leer bleibt.

Das sei zwar für die Anwohner die bestmögliche Verkehrsberuhigung, "aber das geht zulasten der Anwohner anderer Straßen, die mehr Lärm ertragen müssen", mahnt Nagel. Der nächtliche Verkehr werde ja in die umliegenden Straßen - besonders wieder nach Sachsenhausen - abgedrängt, folgert der CDU-Politiker aus den Erfahrungen der testweisen Sperrung von 2019/2020. "Das ist weder gerecht, noch bringt die nächtliche Sperrung wochentags einen Nutzen im Sinne von Urbanität."

Mainkai in Frankfurt: Lokale Wirtschaft leidet laut IHK-Präsident unter der Sperrung

Ulrich Caspar, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK), findet es nach den negativen Erfahrungen "schwer nachvollziehbar", die Straße erneut zu sperren. Er erinnert an die Verkehrsprobleme in der Innenstadt und Sachsenhausen, die die 13-monatige Sperrung verursacht hatte: Autos und Lastwagen wichen aus, Staus und Lärm nervten andere Anwohner zusätzlich. Die Umwege hätten auch noch "zu einem spürbar höherem Treibstoffverbrauch geführt", kritisiert Caspar.

Nun werde aufgrund der Zunahme von Bevölkerung und Arbeitsplätzen in der Zeit nach Corona mit einer Zunahme des Verkehrs gerechnet. "Die wichtigen West-Ost-Achsen der Stadt werden umso mehr von den Unternehmen, deren Fachkräften, Lieferanten und Kunden benötigt", mahnt Caspar. Vor Corona seien bereits täglich etwa 20 000 Fahrzeuge auf der nördlichen Uferstraße unterwegs gewesen. Da die Römer-Politik die Fahrspuren auf der parallelen Berliner Straße reduzieren wolle, gebe es keine Spielräume für ein weiteres Verknappen des Verkehrsraums.

Frankfurt: AvD fordert vor der Sperrung ein Konzept

Es sei bisher kein Konzept für den Verkehr in Frankfurt und der Region erkennbar, sagt Handwerkskammer-Präsidentin Susanne Haus. Der Mainkai sei dabei "nur ein Teil eines großen Ganzen". Handwerker, Unternehmer und Arbeitnehmer müssten liefern und parken können, Geschäfte erreichbar bleiben, mahnt Haus.

Als "sinnlose Einzelmaßnahme" kritisiert der Automobilclub von Deutschland (AvD) die temporäre Mainkai-Sperrung. Die Stadtpolitik dürfe "nicht mit Schnellschüssen auf die Herausforderungen einer modernen Verkehrs- und Mobilitätspolitik reagieren", sagt AvD-Generalsekretär Lutz Leif Linden. "Statt autistisch untaugliche Einzelmaßnahmen zu propagieren", müssen alle Vorhaben auf ihre Folgen analysiert werden.

Mainkai-Sperrung in Frankfurt: Masterplan soll bis Jahresende stehen

Das dürfe nicht wieder "am lebenden Objekt", also zulasten vieler Bürger geschehen, fordert Linden. Wichtig sei, erst den Masterplan Mobilität zu erarbeiten, der alle Auswirkungen der Planungen auf Pendler, Wirtschaft und Bewohner bis ins Umland erfasst. "Zu skandieren, der Autoverkehr sei in Frankfurt unerwünscht, und mit der heißen Nadel unausgegorene Veränderungen zu beschließen, wäre ein Kardinalsfehler", warnt der AvD-Generalsekretär.

Der Masterplan wird seit kurzem erarbeitet und soll bis Jahresende fertig sein. Schon zuvor will die Römer-Koalition aber die temporären Mainkai-Sperrungen umsetzen, wohl ab dem Sommer. Immerhin: Ein Umleitungskonzept soll die Regierung zuvor vorlegen, will die Koalition diesen Donnerstag im Parlament beschließen. (Dennis Pfeiffer-Goldmann)

Insbesondere für Radfahrer soll der Mainkai in Frankfurt künftig sicherer werden.

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