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Autos müssen draußen bleiben: Der Mainkai ist für sie gesperrt.

Verkehrsexperiment

Sperrung des Mainkais bringt Bürger in Fahrt

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Besonders zwei Themen beschäftigten die Frankfurter im Jahr 2019: Ein umstrittenes Verkehrsexperiment und Mietärger mit der Vonovia. Ausgang: offen.

Zwei Themen bestimmten im Jahr 2019 das Geschehen im Ortsbeirat 1 ganz besonders: Die probeweise Sperrung des Mainkais und die Situation der Mieter in den Vonovia-Wohnblöcken in der Knorr- und der Wallauer Straße.

Ortsvorsteher Oliver Strank (SPD) ist nach wie vor überzeugt, dass die Verkehrswende zugunsten von mehr Rad- und Fußgängerverkehr eine große Chance für die gesamte Stadt und die probeweise Mainkaisperrung nur ein erster Schritt auf dem weiteren Weg dahin ist - und dass man nicht gleich bei den ersten Beschwerden über zu viel Verkehr in anderen Straßen einknicken sollte. "Aber man muss das Thema mit viel Fingerspitzengefühl anfassen", lautet seine Devise.

Und zum Jahreswechsel könne man erst mal innehalten und sich über die Eisbahn am Mainkai freuen.

Frankfurt: Ausweitung der Sperrung abgesagt

Noch zu Jahresbeginn versuchte der Ortsbeirat 1 die Sperrung probeweise sogar auf einen ganzen Stadtteil auszudehnen: Denn für einen autofreien Sonntag, wahlweise zur langen Bahnhofsviertelnacht, sollte gleich das gesamte Bahnhofsviertel für den Verkehr gesperrt werden.

Das Stadtteilparlament winkte den Beschluss durch, doch Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) und Sicherheitsdezernent Markus Frank (CDU) erteilten der Idee eine Absage: Wegen der Terrorgefahr und notwendiger Rettungswege sei es zu riskant, großflächig zentral gelegene Stadtteile zu sperren.

"Wir sollten zunächst damit anfangen, probeweise nur einzelne Straßen zu sperren, etwa den Abschnitt der Kaiserstraße im Bahnhofsviertel für einzelne Tage", beharrt Strank. Natürlich in Abstimmung mit Verkehrsalternativen zum abgesperrten Mainkai. Denn dort bewahrheiteten sich seit dem Frühjahr die Befürchtungen vieler Frankfurter, die Autofahrer könnten die Einladung von Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) allzu wörtlich nehmen und sich ihre eigenen Wege suchen - was sie dann wie befürchtet in Sachsenhausen auch taten.

Frankfurt: Mainkaisperrung weiter umstritten

Strank suchte den kurzen Dienstweg im Verkehrsdezernat, regte an, den Verkehrsfluss attraktiver durch flexible Abbiegeregelungen und Ampelschaltungen an der Kurt-Schuhmacher-Straße und der Untermainbrücke zu gestalten. "Doch die Zusammenhänge der Verkehrsregelungen im Straßenverkehrsnetz sind sehr komplex", räumt er ein. Nachdem sich die Bürger für Frankfurt mit einem Antrag, die Mainkaisperrung vorzeitig abzubrechen, nicht durchsetzen konnte, punkteten die Grünen mit einem Vorstoß, den Verkehr über die Kurt-Schumacher-Straße die Ausfahrt Am Pfarrturm einspurig einzurichten. Ein Antrag der Linken, dem unberechtigten Abbiegen an der Schönen Aussicht auf die Alte Brücke mit einem Blitzer entgegenzuwirken, scheiterte jedoch.

Strank gründete mit Unterstützung der Sankt Paulsgemeinde, des ADFC, des BUND und 600 Einzelpersonen eine Bürgerinitiative (BI) Pro Mainkaisperrung. Im Ortsbeirat beschlossen wurden die Verlegung des Sachsenhäuser Flohmarkts mit möglichst vielen Ständen sowie der von der FDP und den Grünen favorisierte Nachtmarkt. Über die Eisbahn kann sich derzeit nur die SPD so richtig freuen - denn Grüne und CDU finden das zu aufwändig: die Grünen wegen der dazu benötigten Energie, die CDU, weil sie kaum an eine Verlängerung der Sperrung nach der Probezeit denkt.

Frankfurt: Mieter beklagen Missstände bei Vonovia

Pünktlich zur ersten Sitzung im Januar 2019 standen auch die Vonovia-Mieter der Knorrstraße und der Wallauer Straße wieder auf der Matte und klagten, die Vonovia würde ihnen eine Mitschuld an den ständigen Bauverzögerungen und somit an den anhaltenden hygienischen und gebäudetechnischen Mängeln jahrelang verschleppter Sanierungsarbeiten geben.

Nach mehreren Anläufen konnten die Mieter endlich ihren Wunsch nach einer Sondersitzung durchsetzen. Dort versprach ihnen die Vonovia einmal mehr, einige der wiederholt genannten Mängel endlich zu beheben und die Kommunikation deutlich zu verbessern.

Zwar scheiterte die PARTEI mit einem Antrag, die Liegenschaften in der Knorr- und Wallauer Straße zu enteignen, die Linke konnte sich mit einer Anfrage an den Magistrat durchsetzen, ob in der Wallauer Straße unrechtmäßige Baumaßnahmen genehmigt wurden.

"Immerhin hat die Vonovia inzwischen die Mietersprechstunde wieder eingeführt", freut sich Strank und wirbt zudem auf die Stabsstelle Mieterschutz, die bei Problemen zwischen Mietern und Wohnbaugesellschaften vermitteln soll.

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