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Palmengartens Nummer eins Hugo Dellien, in der Weltrangliste auf Position 120 geführt, zeigte im Spitzenduell gegen Eintrachtler Gleb Sakharov Tennis auf Topniveau.

Tennis-Hessenliga

Spiele auf hohem Niveau am Riederwald

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Ein Festtag in der Hessenliga: Erstklassigen Sport bot das spannende Stadtduell um Platz eins vor 300 Zuschauern. Am Ende siegte der FTC Palmengarten 6:3.

Angesichts solcher Begegnungen kann man verstehen, warum einige hessische Tennis-Vereine wenig Interesse am Aufstieg in die Regionalliga haben. „Wir haben fünf Jahre lang Regionalliga Südwest gespielt. Die ersten Jahre lockte der Reiz des Neuen, dann nahm das Fan-Interesse rapide ab. Die Gegner brachten keine Zuschauer mit zu uns, unsere Fans fuhren kaum noch zu den Auswärtsspielen mit. Und unsere Talente hatten weniger Spielgelegenheit als in der Hessenliga“, erklärt Eintracht-Sportdirektor Carsten Müller.

Die einzige Mannschaft, die in dieser Saison als Ziel den Aufstieg nannte, war der FTC Palmengarten. Der Traditionsverein, der einst sogar in der Bundesliga spielte, verfolgt seine Vorgabe konsequent. Drei Durchgänge vor Schluss ist die Mannschaft nach dem 6:3 bei Eintracht Frankfurt als einzige in der Hessenliga noch ungeschlagen.

Das Topspiel der in der Liga bis dahin noch unbesiegten Teams erfüllte die Erwartungen voll und ganz. Die Anhängerschaft rund um die Plätze am Riederwald war ausgewogen, die Kräfteverhältnisse auf den Courts waren es ebenfalls. Die begeisterten Zuschauer bekamen drei gute Hessenliga-Einzel und drei Einzel auf ATP-Niveau zu sehen. Was von den Akteuren an den Positionen eins bis drei geboten wurde, sieht man sonst nur bei den Weltranglistenturnieren. Um einen Vergleich wie den zwischen den beiden ranghöchsten Akteure der Liga live zu sehen, müsste man ansonsten Eintritt zahlen. Am Riederwald gab es diesen Leckerbissen umsonst. Vor drei Wochen spielten der Franzose Gleb Sakharov (in der Weltrangliste auf Platz 230 geführt) und Palmengartens Hugo Dellien (120) noch die Qualifikation in Wimbledon, jetzt lieferten sie sich ein packendes Duell mit viel Power. Eintrachtler Sakharov spielte spektakulärer, schlug besser auf, hatte eine unglaubliche Länge in seinen Schlägen. Doch der Bolivianer strahlte die größere Ruhe aus und machte kaum einen Fehler. Man merkte ihm die Selbstsicherheit an, die ihm die bessere Weltranglistenposition verlieh.

Sein Sieg bedeutete eine 4:0-Führung für die Gäste. An Position zwei gab Sebastian Fanselow kämpferisch alles, musste in einer gutklassigen Partie die spielerische Überlegenheit des Hessenmeisters Benjamin Hassan aber anerkennen. „Er schlug sehr gut auf, spielte variabel, streute immer wieder Stopps ein, ließ mich nie meinen Spielrhythmus finden“, beschrieb das Match der unterlegene Eintrachtler.

Für den ersten Punkt der Gäste sorgte Jannis Köke, der Lukas Storck deklassierte. „Wir haben schon oft gegeneinander gespielt. Lukas liegt mir“, meinte Köke. Die größte Überraschung war der Sieg des erst 18 Jahre jungen Oliver Tobisch gegen Björn Petersen. „Ich habe viel Druck von hinten ausgeübt, er hat besser aufgeschlagen. In der entscheidenden Phase habe ich weniger Fehler gemacht“, erklärte Tobisch. Palmengartens Clubmanager und Chefcoach Jürgen Hackauff führt dies auf den Zusammenhalt und das Training zurück. „Die Mannschaft trainiert jeden Tag zwei Stunden gemeinsam, isst gemeinsam auch zu Mittag. Oli profitiert vom Training mit unseren Spitzenspielern enorm, er wird immer besser.“

Der Zusammenhalt ist auch bei den Adlerträgern groß. Am Wochenende waren alle vier verpflichteten Ausländer auf der Anlage, Trainer Eike Matthies konnte an beiden Tagen variabel aufstellen. Nachdem Jan-Sören Hain für die Eintracht gepunktet hatte, sorgte Hugo Nys mit dem Dreisatzsieg über den Argentinier Franco Agamenone dafür, dass den Doppeln noch Bedeutung zukam. Das Duell der exzellenten Doppelspieler begeisterte. Beide suchten ständig den Weg ans Netz und variierten ihre Schläge. Letztlich entschied die größere Sicherheit und Geduld des Franzosen die Partie.

Beide Teams brachten im Doppel ausgeruhte Spezialisten. Die Eintracht war an einer Wende dran. Alle drei Paare der Adlerträger gewannen den ersten Satz. Doch das bessere Ende hatte dann doch der FTC Palmengarten für sich.

Die Spiele, Einzel: Gleb Sakharov/Frankreich – Hugo Dellien/Bolivien 1:6, 3:6, Sebastian Fanselow – Benjamin Hassan 4:6, 3:6, Hugo Nys/Frankreich – Franco Agamenone/Argentinien 4:6, 6:0, 6:3, Björn Petersen – Oliver Tobisch 4:6, 6:7, Jan-Sören Hain – Calvin Müller 1:6, 6:2, 6:3, Lukas Storck – Jannis Köke 0:6, 2:6.

Doppel: Sakharov/Storck – Dellien/Philipp Marx 6:4, 2:6, 6:10, Fanselow/Mortier – Hassan/Agamenone 6:4, 5:7, 5:10, Nys/Lorenz Heide – Niklas Zielen/Magnus Müller 6:4, 6:2.

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