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Selbst auf dem Spielplatz fehlen Angebote für Zehn- bis Zwölfjährige, bemängeln Ayse Dahlhoff (links) und Wera Eiselt.

Politiker wünschen für Preungesheim Angebote für Zehn- bis Zwölfjährige

Zu alt für den Spielplatz

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Grundschulkinder werden im Hort betreut – und für Kinder ab zwölf Jahren gibt es in Preungesheim zwei Jugendclubs. Doch für die Zehn- bis Zwölfjährigen fehlen bislang pädagogisch betreute Angebote. Dies wollen Ayse Dahlhoff (Linke) und Wera Eiselt (Grüne) ändern.

Der große Grünzug, der sich in Ost-Westrichtung durch die Karl-Kirchner-Siedlung zieht, veranschaulicht das Problem: Neben dem alten hölzernen Unterstand stehen stabile, farbige Fitnessgeräte, vor allem gedacht für ältere Jugendliche. Es schließt sich eine Wiese an, und jenseits davon, vielleicht 30 Meter entfernt, liegt ein Spielplatz. Ein pyramidenförmiges Klettergerüst steht hier, eine kleine Rutsche, Schaukel und Vogelnestschaukel – ein Kinderspielplatz, nichts für Jugendliche. „In Preungesheim fehlen Angebote für die Zehn- bis Zwölfjährigen“, sagt Ortsbeirätin Ayse Dahlhoff (Linke) – und die Kinderbeauftragte und Fraktionsvorsitzende der Grünen im Ortsbeirat, Wera Eiselt, stimmt ihr zu.

„Für Grundschulkinder gibt es eine Hortbetreuung und für die Älteren, ab zwölf Jahren, gibt es die beiden Jugendclubs im Alfred-Marchand-Haus und neben der Liesel-Oestreicher-Schule. Aber für die Kinder dazwischen gibt es keine pädagogisch begleiteten Angebote“, sagt Dahlhoff. Dabei sei dies ein besonders kritisches Alter, sagt Eiselt. „Sie gehen nun auf eine weiterführende Schule, müssen sich hier neu orientieren.“ Sie setzen sich von den „Kleineren“, den Grundschülern, ab – und schauen zu den „Größeren“, ihren neuen Mitschülern, auf. „Sie sitzen irgendwie zwischen den Stühlen.“

Ausgerechnet in dieser Zeit seien sie alleingelassen, erlebten quasi „absolute Freiheit“, ohne dass ihnen jemand reinrede, sagt Eiselt. „Es ist ja nicht so, dass sie nicht auf der Straße spielen sollen, das ist gut. Aber auch sie benötigen ein pädagogisches Angebot“, sagt Dahlhoff. Auch weil Eltern aus Angst, als schlechte Eltern zu gelten, oft zu wenige

Grenzen setzen

. „Oder sie sehen, was andere haben, für das sie selbst oder ihre Eltern vielleicht kein Geld haben – und kommen auf dumme Gedanken“, ergänzt Eiselt.

Hier könne institutionelle Jugendarbeit korrigierend einwirken, sind sich die beiden Preungesheimerinnen einig. „Die Pädagogen können

Grenzen setzen

. Etwa weil in einer Einrichtung bestimmte Regeln gelten, an die sich die Jugendlichen halten müssen“, sagt Eiselt. Regeln, vor allem solche im Umgang miteinander, seien nun mal Teil der Gesellschaft. „Nach zwei Jahren Freiheit, ohne Regeln, fällt es schwerer, die dann Zwölfjährigen wieder für den Besuch eines Jugendclubs mit seinen Regeln zu begeistern.“

Zwar gebe es einzelne Angebote auch für Zehn- bis Zwölfjährige, etwa das im Sommerhalbjahr monatlich stattfindende Bolzplatzturnier, den Halloween-Parcours und Ähnliches. „Aber das sind punktuelle und keine täglich stattfindenden Angebote“, sagt Dahlhoff.

Als Kritik an den bestehenden Einrichtungen wollen Dahlhoff und Eiselt ihre Forderung nach zusätzlicher pädagogischer Begleitung ausdrücklich nicht verstanden wissen. „Die machen gute Arbeit. Aber sie sind nun mal nicht für diese Altersgruppe zuständig.“

Ja, es sei richtig, dass es im Stadtteil kein umfassendes Angebot für die Zehn- bis Zwölfjährigen gebe, stimmt Horst Schulmeyer, Abteilungsleiter im Jugend- und Sozialamt, den Aussagen der Ortsbeiratsmitglieder zu. „Allerdings haben wir bereits begonnen, diese Lücke zu schließen.“ Im Jugendclub des Alfred-Marchand-Hauses, Wegscheidestraße 58, gebe es zusammen mit dem Kinder- und Familienzentrum einmal pro Woche auch für unter Zwölfjährige die Möglichkeit, in den Jugendclub „reinzuschnuppern“. Der Jugendclub im der Boskopstraße 2 biete dies sogar zwei Mal pro Woche gemeinsam mit der benachbarten Liesel-Oestreicher-Schule an. Darüber hinaus biete die Carlo-Mierendorff-Schule ihren Fünft- und Sechstklässlern ein umfangreiches AG-Angebot am Nachmittag an.

„Wir setzen dabei auf den Gewöhnungsfaktor. Die Kinder sollen wissen, was sie im Jugendclub alles machen können“, sagt Schulmeyer. Mehr tun könne man sicherlich für diese Altersgruppe. „An dem Thema arbeiten wir zurzeit.“ Neues dürfe aber nicht zulasten bestehender Angebote gehen.

Im Ortsbeirat hat Dahlhoff bereits einen Antrag eingebracht, „ausreichende außerschulische Angebote für Zehn- bis Zwölfjährige“ in Preungesheim zu schaffen. Dies sei um so dringlicher, als hier überdurchschnittlich viele Kinder und Jugendliche lebten: Der Anteil betrage 21,6 Prozent, gegenüber stadtweit 15,8 Prozent.

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