eit gestern gibt es auf dem Adlhochplatz vor dem alten Depot wieder eine Bank. Aufgestellt von einer privaten Initiative. Man darf gespannt sein, wie lange sie dort steht.
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eit gestern gibt es auf dem Adlhochplatz vor dem alten Depot wieder eine Bank. Aufgestellt von einer privaten Initiative. Man darf gespannt sein, wie lange sie dort steht.

Sachsenhausen: Stadtgestaltung

Spontaner Applaus für neue Architekten-Bank

  • vonSabine Schramek
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Bürgerinitiative holt nach zwei Jahren ein Stück Lebensqualität zurück

Am 20. März 2019 wurden die Bänke auf dem Adlhochplatz wegen Bewohner-Beschwerden abmontiert. Probeweise. Noch am Vorabend hatten rund 100 Bürger vergeblich dagegen protestiert. Nach zwei Jahren Leere hat eine Bürgerinitiative aus Architekten und Stadtplanern jetzt wieder einen Sitzplatz geschaffen.

Helles Fichtenholz, eine bequeme Rückenlehne und feste Streben schmücken wie von Geisterhand geschaffen seit Freitag früh den Adlhochplatz. Ein junger Mann mit pink Käppi sitzt darauf und blinzelt in die Sonne. Die meisten Passanten lächeln im zu und heben den Daumen, bis er jäh durch zornige Worte aus seiner Pause gerissen wird. „Eine Unverschämtheit! Was soll das?“ ruft ein Mann im Anzug. „Hier muss Ruhe herrschen“, fügt er hinzu. „Es gibt Anwohner und ein Pflegeheim“, schimpft er weiter. Der junge Mann guckt irritiert und schüttelt den Kopf, während quietschend eine Straßenbahn um die Kurve fährt.

Nach zwei Jahren erbittertem Streit hat eine Bürgerinitiative eine sichere Bank auf den Platz gestellt, auf dem sich bis zur Demontage der Sitzbänke jeden Tag Jung und Alt, Passanten und Bewohner trafen. "Vom Obdachlosen bis zum Polohemdträger kamen hier alle zusammen. Der Adlhochplatz war ein wirkliches Spiegelbild der Stadt", sagt einer der Initiatoren, der namentlich nicht genannt werden möchte. Es sind Architekten und Stadtplaner, die sich dafür einsetzen, dass wieder Leben auf den Platz kommt. "Probeweise sollten die Bänke weg, seither sitzen Leute auf dem Boden, wenn sie den Platz nutzen wollen. Das kann es nicht sein." Aus Fichtenholz haben die Macher die Bank stabil und sicher gebaut und in die früheren Verankerungen montiert. Der Platz, der noch tags zuvor nichts weiter als wenige Bäume, fünf Mülleimer und fünf Laternen mit insgesamt 20 Wahlplakaten bot, ist plötzlich belebt.

Ziviler Ungehorsam

Knut Doerfel (Die Linke) vom Ortsbeirat 5 unterstützt die Initiative und hat spontan eine Kundgebung für alle angemeldet und auch den gesamten Ortsbeirat eingeladen. "Junge Menschen aus der Zivilgesellschaft sind aktiv geworden, haben in ihre Taschen gegriffen und tun etwas für alle", sagt er. "Die Initiatoren wollen sich nicht in den Vordergrund drängen, sie wollen mit zivilem Ungehorsam die Lebensqualität für alle erhöhen".

Gut 40 Leute sind auf dem Platz und klatschen Beifall. Viele erinnern sich. "Früher war hier immer etwas los. Wenn man etwas gebraucht hat, hat man jederzeit Hilfe gefunden", sagt eine Frau. "Das ist definitiv die schönste Bank in Frankfurt", kommentiert ein Mann wohlwollend. "Vor allem alte Leute und Einsame brauchen Plätze, um sich hinzusetzen und in Kontakt zu kommen", stimmt ein Paar mit ein.

Ein Saxophonist und ein Rapper stimmen mit sanfter Melodie ein Lied an. „Hibdebach hat Banken, wir wollen Bänke. Wir wollen uns treffen und hinsetzen, während wie über die SGE schwätzen. Wir wollen Bänke und Ebbelweingetränke. Zu Ostern brauchen wir sonst keine Geschenke. Ohne Bänke kommt es nicht dazu, dafür haben Nachbarn ihre Ruh", klingt es über den Platz. In den Fenstern und auf den Balkonen des Altenheims stehen Bewohner, winken und klatschen. Sie wirken begeistert über die Abwechslung. Anjulie und Christian wohnen Jahren direkt am Adlhochplatz und halten Kaffeetassen in den Hand. "Wir haben den Platz mit Bänken erlebt und es war toll, wie sich Jung und Alt zusammen gefunden haben. Es war urbanes Lebensgefühl, wie es sonst auf der ganzen Welt ist. Seit die Bänke weg sind, sitzen wir auf dem Boden. Die alten Leute können das nicht mehr und das ist schade". Die Macher wollen auf die "Unwirtlichkeit des Städte" hinweisen und etwas dagegen tun. Frei nach dem Psychoanalytiker Alexander Mitscherlich. Die Leute auf dem Adlhochplatz unterhalten sich mit Abstand und Maske über Beton und Lebensgefühl. Und über Urlaub. "Jeder, der in den Süden fährt, liebt die Piazzas. Die Plätze, an denen man alle Generationen trifft, um einfach gemeinsam eine gute Zeit zu haben. Es gibt sie überall. Nur in Frankfurt wird die Lebensqualität für alle an öffentlichen Plätzen zugunsten weniger vergessen." SABINE SCHRAMEK

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