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Spvgg Oberrad 05: Praktikum zwischen Elfmeterpunkt und Kindertraining

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Von: Katja Sturm

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Auch wenn sie ausgewiesene Eintracht-Fans sind: Bei dem nur sechs Jahre später (1905) gegründeten Traditionsverein mit seiner Grie-Soß-Arena am Scheerwald absolvierten Theo (l.) und Kumpel Valentin gerne ihr zweiwöchiges Praktikum. FOTO:
Auch wenn sie ausgewiesene Eintracht-Fans sind: Bei dem nur sechs Jahre später (1905) gegründeten Traditionsverein mit seiner Grie-Soß-Arena am Scheerwald absolvierten Theo (l.) und Kumpel Valentin gerne ihr zweiwöchiges Praktikum. FOTO: © sauda

Zwei junge Gymnasiasten absolvieren ihr obligatorisches Praktikum bei der Spvgg Oberrad 05 und erleben Vereinsarbeit hautnah.

Scannen, kopieren und Kaffee kochen - so wollte sich Valentin das obligatorische zweiwöchige Praktikum in der neunten Klasse in seinem Fall nicht vorstellen. Der Schüler des Heinrich-von-Gagern-Gymnasiums im Ostend hatte Lust, etwas zu tun, was aus seiner Sicht sinnvoller ist. Und das möglichst an der frischen Luft und nicht in einem Büro.

Sachsenhäuser hat von sich aus beim Verein angefragt

Also ergriff der Sachsenhäuser die Initiative. "Ich war gerade im Fußballfieber", erzählt der 15-Jährige, der bis zu einem Kreuzbandriss im vergangenen Jahr selbst kickte. Es lief die Europameisterschaft. Da erinnerte Valentin sich daran, wo er als kleiner Junge seine ersten Schritte auf dem Rasen gemacht hatte. Er fragte bei Stefan Uhl, dem Vorsitzenden der Spielvereinigung Oberrad 05, an, ob diese ihm eine Möglichkeit bieten könnte. "Ich bin zwar riesiger Eintracht-Fan", sagt Valentin. Aber in einem kleineren Club sah er bessere Chancen, selbst etwas bewirken zu können.

Jetzt, ein Jahr später, die Praktikumszeit war Pandemie-bedingt vom Frühjahr in den Sommer verschoben worden, ist das Engagement des freiwilligen Helfers und seines Klassenkollegen Theo, der mit seinem Freund mitzog, gerade zu Ende gegangen. Es war eine lehrreiche und spannende Phase, darin sind sich die beiden Jugendlichen einig. Vor allem die Stunden am Nachmittag, in denen sie beim Nachwuchstraining mithelfen konnten, haben ihnen Spaß gemacht. Der Oberräder Theo, der lange bei Vorwärts Frankfurt in Rödelheim Hockey spielte, brachte bereits Erfahrung als Betreuer von Sechs- bis Neunjährigen mit. "Ich wollte mal sehen, wie das beim Fußball ist", sagt er.

Frankfurter Gymnasiasten wollen Vorbilder sein

Ihrer Rolle als Vorbilder waren sich die beiden bewusst. Aber auch des Vorteils, den es birgt, wenn man altersmäßig noch nicht so weit entfernt von den Kindern ist. "Ich sehe, wenn einer Probleme mit einer Übung hat", sagt Valentin. Dann könne er Tipps geben, die die Jüngeren von den Größeren gerne annähmen. Wenn's dann besser klappt, gibt's einen Faustcheck oder andere "kleine Gesten", sagt Theo. Man baue mit dem Mini-Kicker eine Beziehung auf, und der findet es "cool".

Die beiden Schüler versuchten aber auch Werte zu vermitteln in einer Zeit, in der laut Valentin durch die Sozialen Medien "viele nicht mehr wissen, wo Grenzen sind". Wo der richtige Ton oft nicht mehr getroffen, "im Internet viel beleidigt" wird. Beide können sich vorstellen, später selbst eine Trainingsgruppe zu übernehmen. Theo, der früher kein Honorar dafür bekam, würde sich jetzt jedoch eine finanzielle Anerkennung dafür wünschen. Der Aufwand sei groß, und man habe eigene Bedürfnisse. "Ich will mir gerne mal selbst ein T-Shirt kaufen können, das mir gefällt", sagt er.

Abends wissen, man hat Nützliches getan

Vor dem Vergnügen auf dem Rasen stand meist Arbeit an, die Platzwart Fabian Knapp den beiden in der vereinseigenen Grie-Soß-Arena vorgab. Tornetze ausbessern, Müll wegräumen, den Sandboden rechen oder die Pflege der Felder gehörten zu den geforderten Tätigkeiten. "Viele Leute lassen einfach ihre Zigarette fallen, ohne darüber nachzudenken, wer sie wegmacht", sagt Valentin. Ihm selbst sei bewusster geworden, dass das für jemand anderen Arbeit bedeutet.

Es sei ein schönes Gefühl, abends ins Bett zu gehen in dem Wissen, dass man etwas Nützliches getan hat. Dass "man ein Tornetz repariert hat, und die Kinder so wieder schöner Fußball spielen können", sagt Valentin.

In die Organisation des Ligenbetriebs schnupperten er und Theo ebenfalls hinein. Sie waren bei einer Vorrundenbesprechung dabei, in der es um Regeln, Spielverschiebungen oder Schiedsrichter ging. Uhl hatte vor dem Praktikum, das auch für den Verein eine Premiere darstellte, einen genauen Plan entworfen, was die beiden in dieser Phase alles mitbekommen sollten.

Dass ihre Arbeitszeit am frühen Nachmittag erst anfing, wenn die Klassenkameraden bereits fertig waren, und bis 18, 19 Uhr reichte, störte die fleißigen Helfer nicht. "Wir sind ja in einem Alter, in dem man sich auch mal später mit Freunden treffen kann", sagt Theo. Zumal sie morgens länger schlafen durften.

Kein Bezug zum Berufswunsch

Was ihre spätere berufliche Zukunft angeht, sehen die beiden sich nicht in einer ähnlichen Sparte. "Ich weiß noch gar nicht, was ich machen will", sagt Valentin. "Es ging erst mal darum, überhaupt einen Arbeitsalltag zu erleben", fügt Theo hinzu. In der Oberstufe gebe es ein weiteres Praktikum, dann könne man sich mehr in die Richtung orientieren, in die man gehen will. Sie nähmen aber einiges mit. "Wir haben wirklich viel erlebt und auch eine Menge Leute kennengelernt."

Einen Bericht, wie sonst üblich, mussten sie wegen der Verlegung des Praktikums kurz vor die Sommerferien nicht schreiben. Ursprünglich war diese Pflicht eine Motivation für Valentin gewesen, sich anders als die meisten anderen Schüler zu orientieren. "Ich wollte etwas machen, bei dem man einiges zu schreiben hat", sagt er. Bei einfachen Büroarbeiten wäre das schnell langweilig geworden.

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