Rettungspaket für Lufthansa-Tochter AUA

Staat als Spieler und Schiedsrichter

  • Panagiotis Koutoumanos
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Das Rettungspaket für die Lufthansa-Tochter AUA

Österreichs Regierung greift der Lufthansa-Tochter Austrian Airlines (AUA) mit 600 Millionen Euro unter die Flügel - und beschließt zugleich, dass in der Alpen-Republik künftig keine Flugtickets unter 40 Euro angeboten werden dürfen. Ein Schelm der Böses dabei denkt? Ganz sicher, nicht.

Denn dieses Gesetz, das unter dem hehren Deckmantel des Klimaschutzes daherkommt, ist nichts anderes als schnöde staatliche Protektion vor der Konkurrenz der AUA. Kein Österreicher wird auf seinen Flug verzichten, weil das Ticket 40 statt 30 oder 20 Euro kostet. Aber so mancher Österreicher wird künftig mit der AUA fliegen statt mit der Ryanair-Tochter Lauda oder der ungarischen Wizz Air. Die beiden Billigfluggesellschaften haben sich am Flughafen Wien bislang einen erbitterten Preiskampf mit der AUA geliefert und kommen dort mittlerweile auf einen Marktanteil von fast 31 Prozent. Dieser Höhenflug der Billig-Airlines dürfte nun mit der ersten staatlichen Preisfestlegung in Europas Luftfahrt beendet sein. Die Lufthansa-Billigtochter Eurowings ist indes nicht betroffen - sie hat sich de facto schon aus Wien zurückgezogen.

Hier zeigt sich, warum der Staat nicht Investor eines großen Markt-Players werden sollte: weil er auch Gesetzgeber ist und in dieser Rolle allzu leicht der Versuchung erliegen kann, den Wettbewerb zu verzerren und damit zulasten der Verbraucher die freie Marktwirtschaft zu schädigen. Die Rolle des Spielers ist mit der Rolle des Schiedsrichters nun mal nicht vereinbar.

Aber so kann Lufthansa-Konzernchef Carsten Spohr auch diese Staatshilfe als Erfolg verbuchen. Er hatte den Österreichern mit der Insolvenz der ertragsarmen AUA gedroht - was wohl keine leere Drohung war. Denn von bayerischer Seite steht Spohr unter Druck, möglichst viel aus München heraus zu fliegen und entsprechend weniger aus Wien, das als internationale Drehscheibe für den Konzern verzichtbar wäre. Fragt sich nun, ob Brüssel bei dieser Rettungsaktion ebenfalls Auflagen fordert und ob Brüssel auch die 150 Millionen Euro unter die Lupe nimmt, die der Lufthansa-Konzern zur Rettung der AUA beisteuert. Schließlich hat die Lufthansa ja kürzlich von Deutschland Staatshilfe in Höhe von neun Milliarden Euro erhalten - was laut Spohr mehr ist, als die Lufthansa zur Rettung benötigt. Aber das Geld war sicherlich nicht für Österreich gedacht

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