Das Alte Nieder Rathaus, Sitz eines Polizeipostens, ist bis in den ersten Stock hinauf mit Farbe beschmiert. Foto: Holger Vonhof
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Das Alte Nieder Rathaus, Sitz eines Polizeipostens, ist bis in den ersten Stock hinauf mit Farbe beschmiert. Foto: Holger Vonhof

Nied: Farbanschlag auf Polizeiposten

Der Staatsschutz ermittelt

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Täter werden im "linksmotivierten Spektrum" vermutet

"Do shit - get hit", übersetzt etwa "mach Scheiße, bekomme es dafür ab" steht mit roter Farbe neben Hammer und Sichel in der rechten Ecke der Fassade des Alten Nieder Rathauses; lila Farbe, offenbar mit Eimern auf die Hausfront geschüttet, reicht bis über den Balkon hinauf in den ersten Stock. Im 1840 errichteten und 1908 umgebauten und erweiterten Rathaus an der Niddabrücke ist ein Polizeiposten eingerichtet - offensichtlich richteten sich die linken Schmierereien gegen die Staatsgewalt.

Das sieht auch die Polizei so: "Erste Ermittlungen deuten auf eine Tat aus dem linksmotivierten Spektrum hin", heißt es in einer Mitteilung der Frankfurter Polizei. Der Staatsschutz habe die Ermittlungen übernommen. Das heißt: Der Anschlag fließt ein in die Statistik der politisch motivierten Straftaten.

Auf das Haus gespritzt wurde die Farbe in der Nacht zu Montag, gegen 1 Uhr. Dass die Uhrzeit bekannt ist, deutet darauf hin, dass es Zeugen gegeben hat oder die Tat zumindest gleich bemerkt worden ist. Der Polizeiposten im Alten Rathaus ist keine reguläre Wache; er ist also nicht rund um die Uhr besetzt. Dort sind an bestimmten Tagen und zu bestimmten Uhrzeiten zwei Kontaktbeamte des 16. Polizeireviers (Gallus) anzutreffen. Die Wache im Gallus ist westlich der A 5 auch für Griesheim und Nied zuständig. Die Kontaktbeamten erreicht man unter Telefon (0 69) 755- 1 16 70 (Nied) und (069) 755-1 16 59 (Griesheim).

Das alte Nieder Rathaus - dort hatte vor der Eingemeindung Nieds bis 1928 der Dorfbürgermeister mit der Steuerkasse und seinen Gendarmen seinen Sitz - hat auch im antifaschistischen Gedenken eine Bedeutung: Es wurde im Frühjahr 1933 von Hitlers SA als Sammelort für politische Gegner genutzt, bevor diese in das von der SA in der Höchster Kaserne eingerichtete "Wilde KZ" verschleppt wurden. Die Sturmabteilung (SA) war die paramilitärische Kampforganisation der NSDAP in der Weimarer Republik und spielte als Schlägertruppe eine entscheidende Rolle beim Aufstieg der Nazis, indem sie Versammlungen politischer Gegner angriff und eigene abschirmte. Die linksgerichteten Attentäter haben damit auch eine antifaschistische Gedenkstätte besudelt. Holger Vonhof

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