Händeschütteln zum Führungswechsel: Carsten Baumann ist Nachfolger von Sigrid Bender und leitet nun die Geschicke der Bahnhofsmission.
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Händeschütteln zum Führungswechsel: Carsten Baumann ist Nachfolger von Sigrid Bender und leitet nun die Geschicke der Bahnhofsmission.

Bahnhofsmission Frankfurt

Stabwechsel in der Bahnhofsmission

  • Matthias Bittner
    vonMatthias Bittner
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Sechs Jahre hat Sigrid Bender die Bahnhofsmission Frankfurt geleitet. Jetzt wurde sie verabschiedet und zugleich Carsten Baumann als ihr Nachfolger vorgestellt.

Für Carsten Baumann ist es eine, vielleicht sogar die größte Herausforderung in seinem bisherigen Leben. Gestern ist der 47-Jährige offiziell als Leiter der Bahnhofsmission Frankfurt vorgestellt worden. „Ich kannte die Bahnhofsmission vorher nur schemenhaft und habe eigentlich auch keinen neuen Job gesucht“, sagt er. Doch als er im Urlaub bei der Zeitungslektüre zufällig auf die Stellenanzeige gestoßen sei, habe er sich beworben.

Wie so viele andere habe auch er sich die alles entscheidende Frage gestellt: „Mache ich mit knapp 50 noch etwas Neues oder bleibe ich bei Altbewährtem?“ Er wählte die Herausforderung, auch wenn der Abschied schwer gefallen sei. Bei seiner Biografie ist das aber gut nachvollziehbar.

Baumann ist Diakon und Heilerzieher. In den vergangenen 28 Jahren war er bei der Stiftung Kreuznacher Diakonie beschäftigt. Nach seiner Ausbildung war er zunächst Teamleiter einer Einrichtung für Behinderte in Bad Sobernheim, dann leitetet er 15 Jahre lang das Bodelschwingzentrum mit 400 Bewohnern in Meisenheim. In dieser Funktion sei er zuletzt aber vorzugsweise in Verwaltungs- und Personalangelegenheiten gefordert gewesen. Den direkten Kontakt zu Menschen, die soziale und seelsorgerische Komponente habe er in dieser Funktion vermisst. Das soll sich jetzt in seiner neuen Rolle ändern.

Während der vergangenen vier Wochen hat Baumann bei einer Art „Praktikum“ in alle Aufgabengebiete der Bahnhofsmission reingeschnuppert. Seine Vorgängerin hat ihn quasi eingearbeitet. „Ich habe Fahrkarten für Flüchtlinge zur Erstaufnahmestelle in Gießen gelöst, habe Getränke ausgeschenkt und Menschen zum Zug begleitet.“ Er habe diese Tätigkeiten als sehr erfüllend empfunden.

In erster Linie wird sich Baumann aber auch bei der Bahnhofsmission um die Verwaltung kümmern müssen. Oberste Priorität genießen die Finanzen, damit die Einrichtung, wie bislang, rund um die Uhr geöffnet bleiben kann. Caritas und Diakonie betreiben die Bahnhofsmission gemeinsam, geben ebenso wie die Stadt Frankfurt und der Landeswohlfahrtsverband Geld. Die Bahn stellt die Räume am Gleis 1 kostenlos zur Verfügung. Doch Baumann weiß, dass die Einrichtung auch auf Spenden angewiesen ist. Und so wird er auch

Klinken putzen

müssen. „Frau Bender war hier sehr erfolgreich und das Gesicht der Bahnhofsmission. Für mich wird das eine Herausforderung“, sagt er.

Grundsätzlich will Baumann Bewährtes wie die Kinderlounge, Kids on Tour – ein Begleitservice für alleine reisende Kinder – oder seelsorgerische Gespräche mit Menschen in Notsituationen, die Hilfe benötigen und an die richtigen Ansprechpartner weiter vermittelt werden, fortführen. Er will die Mission aber auch für die Zukunft rüsten. Er denkt an moderne Technik, die die Kommunikation mit den 20 hauptamtlichen und 80 ehrenamtlichen Mitarbeitern, erleichtern. Vor allem aber will er versuchen, dass Kirche im Hauptbahnhof noch präsenter als bisher wird.

Sigrid Bender hatte vor sechs Jahren zunächst kommissarisch die Leitung der Bahnhofsmission übernommen, weil ihre Vorgängerin in Elternzeit ging. Da sie aber nicht mehr zurück an ihren Arbeitsplatz kam, wurde Bender mit der Leitung beauftragt. Kürzlich hat sie den Ruhestand angetreten.

Mit dem Amtsantritt von Baumann wechselt nun auch die Leitungsfunktion wieder von der Caritas zur Diakonie. Die beiden kirchlichen Institutionen haben immer im Wechsel die Leitung der Bahnhofsmission inne. Scheidet Baumann aus, sitzt wieder die Caritas am Ruder. Das wird aber nicht so schnell passieren, schließlich will Baumann bis zur Rente bleiben.

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