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Auf dieser Freifläche neben der Wiener Straße 130-136 errichtet die Stadt eine Flüchtlingsunterkunft.

Sozialpolitik

Stadt baut Flüchtlings-Unterkunft in Oberrad

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Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU) sucht händeringend nach Unterkünften für Flüchtlinge, wird aber nicht fündig. Die Nachricht überrascht, kommen doch immer weniger Asylsuchende nach Deutschland. Doch Frankfurt hat eine Besonderheit: der angespannte Wohnungsmarkt.

Gestern Vormittag stand das Telefon in der Stabsstelle Flüchtlingsmanagement und im Sozialdezernat nicht mehr still. Zuvor waren die Mieter in einem Wohnhaus in der Wiener Straße in Oberrad darüber informiert worden, dass dort eine Flüchtlingsunterkunft hinkommt. Doch das war ein Irrtum. Die Asylsuchenden werden nämlich in einem noch zu errichtende Gebäude neben dem Wohnhaus mit der Nummer 130-136 unterkommen. „Das hat zu großer Verunsicherung geführt. Die Mieter hatten Angst, dass sie ausziehen müssen. Das tut uns leid“, sagt die Sprecherin von Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU), Manuela Skotnik.

Die Nachricht über eine neue Flüchtlingsunterkunft in Frankfurt überrascht, kommen doch immer weniger Asylsuchende nach Deutschland und Hessen. Wurden laut des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge in Deutschland im Jahr 2016 noch 745 545 Asylanträge (Hessen: 65 520) gestellt, waren es im vergangenen Jahr nur noch 222 683 (Hessen: 14 676). Vielerorts werden Erstaufnahmeeinrichtungen sogar wieder geschlossen. In Frankfurt ist die Situation aber eine andere. „

Gegen den Trend

haben wir einen steigenden Bedarf“, sagt Skotnik. „Wir brauchen dringend weitere Unterkünfte.“ Doch die Suche für geeignete Flächen oder Gebäude gestaltet sich schwierig.

„Das liegt am angespannten Wohnungsmarkt“, so Skotnik. Dieser ist im Umkehrschluss aber auch dafür verantwortlich, dass die Flüchtlinge länger in den Unterkünften bleiben, weil sie keine bezahlbare Wohnung finden. 10 000 Haushalte stehen beim Amt für Wohnungswesen auf der Liste für eine Sozialwohnung. Im vergangenen Jahr konnten aber nur 1700 Bleiben vermittelt werden. „Aus einer Sozialwohnung zieht keiner mehr aus, weil man sonst nichts günstiges mehr auf dem Markt findet“, sagt Skotnik. „Dadurch steigt der Druck natürlich.“

Aktuell gibt es in den Unterkünften im Durchschnitt 45 Auszüge im Monat. Allerdings stehen dem 80 Neuzugänge – durch Zuweisungen, Familiennachzug oder Geburten – gegenüber. Zudem stehen Unterkünfte teilweise nur befristet, so dass permanent Plätze kompensiert werden müssen.

Derzeit kommen wöchentlich zehn neue Asylsuchende an den Main. Sie werden Frankfurt vom Land Hessen zugewiesen. „Eigentlich wären es sogar 15 Menschen, aber wir konnten beim Land erwirken, dass es weniger sind.“ Dafür müsse man im kommenden Jahr entsprechend mehr Asylbewerber aufnehmen. „Der Bedarf steigt also weiter“, sagt Skotnik.

Immerhin: Derzeit sind drei Flüchtlingsunterkünfte im Bau. Schon im Dezember soll ein Projekt in Goldstein in der Straße „Zum Eiskeller“ fertig sein. Es folgen Unterkünfte in Harheim und Berkersheim. Hinzu kommt eben der Neubau eines Gebäudes in Oberrad. Im Herbst sollen dort die Bagger rollen. Die Wohnheim GmbH wird das Haus errichten. Ab Frühjahr 2020 soll es dort Platz für 140 Flüchtlinge geben. Éinziehen werden überwiegend Familien. Eine weitere Unterkunft soll noch folgen. Der Labsaal und die Sport- und Kulturhalle in Unterliederbach wurden bereits vor einigen Wochen als Notunterkünfte reaktiviert.

Seit 2014 hat die Stadt 7300 Asylsuchende aufgenommen. Davon sind noch 4900 Menschen auf die Unterbringung durch die Stadt angewiesen. Die Stabsstelle Flüchtlingsmanagement hat 40 Projekte mit 3300 Plätzen realisiert. Darüber hinaus wurden 266 Standorte geprüft. „Wir haben sogar Anzeigen in den Tageszeitungen geschaltet, um Flächen zu finden. Das hat aber keine Resonanz gebracht“, sagt Skotnik. „Wir suchen weiter.“

Info für Anwohner

Das Sozialdezernat lädt die Oberräder zu einer Infoveranstaltung am Dienstag, 4. September, im Depot Oberrad, Offenbacher Landstraße 357, ein. Es soll um die Pläne der neuen Flüchtlingsunterkunft in dem Stadtteil gehen. Los geht’s um 19 Uhr.

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