Sören Pürschel mit einer seiner patentierten Deckel, die er in seiner Firma "Frankfurter Klappe" herstellt. Foto: Jülich
+
Sören Pürschel mit einer seiner patentierten Deckel, die er in seiner Firma "Frankfurter Klappe" herstellt.

Riedberg: Frankfurter Bürokratie

Stadt baut Mülltonnen ab

  • Thomas J. Schmidt
    VonThomas J. Schmidt
    schließen

Grünflächenamt beendet Initiative eines Bürgers

Er ist ein rühriger Mitbürger: Seit Monaten schon experimentiert Sören Pürschel mit Mülltonnen. "Ich habe einen Deckel entwickelt", berichtet er, "den man auf die Mülltonnen aufsetzen kann." Damit lasse sich verhindern, dass Raben den Dreck auf der Suche nach Essbarem in die Parks zurückbefördern.

"Die Deckel habe ich auf Mülltonnen hier am Riedberg angebracht, und ich kontrolliere regelmäßig, ob alles funktioniert", sagt Pürschel, der eine umfangreiche Dokumentation erstellt hat. Denn beim Grünflächenamt fürchtet man, dass die Bürger die Deckel nicht mehr akzeptieren, wenn sie verschmutzt sind. Sprich, dann lande der Dreck erst recht auf der Straße. Pürschel kann das jedoch nicht bestätigen.

Noch etwas anderes hat der Neu-Riedberger entwickelt: Einfache Müllsammelbehälter, also Tonnen, aus Sperrmüll. "Sie lassen sich für ein paar Euro herstellen", berichtet er. Er hat es getan. Etwa zehn solcher Tonnen standen lange auf den Grünflächen am Riedberg, dort, wo nach Pürschels Beobachtung viel Müll liegt, weil Eimer fehlen. "Es lag danach kein Müll mehr herum, die Leute haben meine Tonnen akzeptiert." Nicht nur die Bürger, auch die FES tat es: "Die Tonnen wurden normal geleert, es waren wieder neue Plastiksäcke darin." Also alles kein Problem.

Bis Freitag. Da hat das zuständige Grünflächenamt fast alle von Pürschels Tonnen entfernt. Den Grund erläutert eine Sprecherin des Amts: "In den Verträgen, die das Amt mit dem Müllentsorger hat, sind diese zusätzlichen Tonnen nicht inbegriffen." Es stelle sich dann auch die Frage, wer für deren Leerung zahlen soll: Die Stadt? Die FES? Pürschel?

Dieser schüttelt den Kopf über so viel Bürokratie: "Das war doch bislang kein Problem. Ein Problem ist aber, dass jetzt wieder überall der Dreck liegt, beispielsweise am Spielplatz Riedberg, wo drei meiner Tonnen standen." Sie fehlten jetzt.

Um dem Dreck Herr zu werden, hat die Stadt ein neues Konzept in Arbeit. Mit mehr und größeren Mülltonnen. Und bis dahin: mit mehr Müll auf dem Boden - nachdem die Initiative eines Bürgers von Amts wegen beendet wurde. Pürschel hofft nun aber immer noch, dass sich das Amt, das Dezernat oder das Parlament mit seinem Vorschlag befasst, alle Mülltonnen im Stadtgebiet mit seinen patentierten Deckeln zu versehen. Denn das bringe schon viel.

Die erforderliche Zahl von 200 Unterschriften hat er gesammelt. Susanne Schierwater, Sprecherin des Umweltdezernats, freut sich über "jede Anregung, die hilft, den Müll zu beseitigen, bevor er zu einem Problem wird. Deshalb finden wir Herrn Pürschels Idee interessant und beobachten seinen Versuch am Riedberg." Das Grünflächenamt habe selbst bereits ähnliche Müllkörbe mit Klappen oder Deckeln getestet, die sich aber als untauglich erwiesen hätten. thomas j. schmidt

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare