Virus-Pandemie

Stadt Frankfurt will schnellstmöglich wieder öffnen – und gibt Corona-Ziele vor

  • vonSylvia Amanda Menzdorf
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Frankfurt will in der Corona-Pandemie schnell zum Alltag zurückkehren. Dafür braucht es mehr Personal für das Gesundheitsamt und besseren Schutz von Risikogruppen.

  • Der Magistrat will in Frankfurt schnell wieder zu einem normalen Alltag in der Corona-Pandemie zurückkehren.
  • Die allgemeine Maskenpflicht steht ganz oben auf dem Sechs-Punkte-Papier aus dem Römer.
  • Doch auch die Solidarität der Bürgerinnen und Bürger soll geweckt werden.

Frankfurt – Frankfurt soll wieder öffnen: Kultur, Vereinsleben, Sport und Gastronomie. „Schnellstmöglich“, wie es aus dem Römer heißt. Voraussetzung dafür sei allerdings, die hohen Infektionszahlen in der Stadt zu senken und „alles zu unternehmen, dass wir bald wieder so viel Normalität wie möglich bei gleichzeitigem größtmöglichen Infektionsschutz zulassen können“, heißt es in einem zweieinhalb Seiten umfassenden Positionspapier aus dem Büro von Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), das laut dessen Sprecher den Konsens des Magistrats abbilde und den Stadtverordneten vorgelegt werden soll zur Beratung in der Sitzung am Donnerstag (05.11.2020).

Maskenpflicht ist in Frankfurt nur ein Weg, wie man der Corona-Pandemie Herr werden will.

Motto zur Bekämpfung von Corona: „Frankfurt trägt Maske“

Bevor die Stadt nach Ende des laufenden Mini-Shutdown Lockerungen realistisch erwägen kann, dürfte es noch ein weiter Weg sein. Die Sieben-Tage-Inzidenz beträgt, Stichtag 4. November, 235,9 Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner. Vereinbart zwischen Bund und Ländern ist als Höchstgrenze 50, weil die Gesundheitsämter Infektionsketten sonst nicht mehr nachverfolgen können.

Für die nächsten Wochen und Monate hat Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) das Motto ausgegeben „Frankfurt trägt Maske“. Das, so Majer, sei „der Schlüssel zurück in unser gewohntes und freies Leben“. Die allgemeine Pflicht zum Tragen einer Maske steht ganz oben auf dem Sechs-Punkte-Papier aus dem Römer. Erreicht werden soll die Bereitschaft zum selbstverständlichen Tragen und zur konsequenten Einhaltung von Hygiene- und Abstandsregeln durch Aufklärung und Überzeugung. Das erläuterte auf Nachfrage eine Sprecherin des Gesundheitsdezernenten. Auf Frankfurts Straßen sollen eigens geschulte sogenannte Aha-Scouts eingesetzt werden. Sie sollen, wo die Maske fehlt oder der Abstand nicht eingehalten wird, die Bürger freundlich erinnern und erklären. „Mit Bestrafung und Bußgeld kann Eigenverantwortung nicht geweckt werden“, erklärt die Sprecherin die strategische Linie. Es gehe darum, die Bereitschaft zu solidarischem Handeln zu wecken und zu stärken. Die Stadt suche noch Kräften, die nach einer Schulung als Scouts auf die Straße gingen, um dort Überzeugungsarbeit zu leisten.

Corona: Mehr Ressourcen für das Gesundheitsamt in Frankfurt

Im zweiten Punkt des Römer-Papiers geht es um die Stärkung des Gesundheitsamts. „Die Stadt wird dafür sorgen, dass dem Gesundheitsamt die erforderlichen Ressourcen zur Verfügung gestellt werden.“ Die erwähnten „Ressourcen“ sind 30 neue Stellen für Ärzte und weiteres medizinisches Fachpersonal, die in Kürze besetzt werden sollen. Der Magistratsbeschluss, der städtischen Bediensteten den Wechsel ins Gesundheitsamt ermöglicht, sei bislang von zehn Beschäftigten genutzt worden, so die Sprecherin des Gesundheitsdezernenten. Außerdem seien 15 städtische Kita-Mitarbeiterinnen, die als Zugehörige der „Risikogruppe“ nicht in den Einrichtungen arbeiten könnten, nun als Nachverfolgungs-Scouts im Amt tätig, um den Kontakten positiv auf Corona Getesteter nachzugehen – so wie 60 Bundeswehrsoldaten und zehn bis 15 Medizinstudenten.

Die Strategie der Eindämmung will der Magistrat ergänzt sehen durch den besonderen Schutz für vulnerable Gruppen. So sollen vor allem, solange die Infektionszahlen rasant ansteigen oder konstant hoch sind, bevorzugt die Kontakte von solchen Infizierten nachverfolgt werden, die selbst oder in ihrem direkten Umfeld Kontakt zu chronisch Kranken und anderen besonders Gefährdeten haben. Ziel bleibe es aber, dass die Infektionszahlen so weit sinken, dass die Kontaktnachverfolgung jedes Einzelfalles wieder möglich sei.

Pflegeeinrichtungen sollen in Frankfurt trotz Corona geöffnet bleiben

Besuche in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen sowie sozialen Einrichtungen mit Risikogruppen sollen in Frankfurt möglichst lange erlaubt bleiben, jedoch ausschließlich mit einem zertifizierten chirurgischen Mund-Nasenschutz. Die Realität sieht derzeit anders aus. Ein allgemeines Besuchsverbot war die erste Maßnahme in einem Seniorenheim der Arbeiterwohlfahrt (Awo), als kürzlich ein Corona-Ausbruch festgestellt wurde. Obwohl die positiv Getesteten in ihren Zimmern isoliert werden, wenn sie nicht ohnehin in die Klinik kommen. Man arbeite in enger Abstimmung mit dem Gesundheitsamt an neuen Wegen, um den Bewohnern gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen, sagte ein Sprecher auf Anfrage. Dazu gehöre auch das Angebot, mit Schnelltests Mitarbeiter und Besucher vor Betreten der Einrichtung zu testen.

Der Magistrat will die nächsten vier Wochen nutzen, um genau nachzuschauen und nachzuschärfen, wo und wie es in den vergangenen Monaten zu Übertragungen gekommen ist. Das ist ein ambitionierter Ansatz. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) können derzeit 75 Prozent der Infektionsquellen gar nicht identifiziert werden.

Corona in Frankfurt: Mehr Unterstützung für Sammelunterkünfte gefordert

Jedes Dezernat in Frankfurt soll nun überprüfen, wo es noch Handlungsspielräume und Präzisierungsmöglichkeiten gibt, um der Virusverbreitung in den Boden zu entziehen und eine weitere "Welle" zu vermeiden. Das dürfte, vom Gesundheitsdezernat abgesehen, vor allem an das Bildungs- und das Sozialdezernat adressiert sein.

Das Sozialdezernat spricht auch Yanki Pürsün, der gesundheitspolitische Sprecher der FDP im Römer, an. Eine besondere Gefahrenquelle für eine unkontrollierte Virusausbreitung macht er in den Sammelunterkünften aus. Für Frauenhäuser und andere Gemeinschafts- sowie Übergangsunterkünfte, in denen Geflüchtete und Obdachlose untergebracht sind, fordert er „mehr finanzielle, organisatorische und personelle Unterstützung“ von der Stadt. Außerdem müssten die Informationen rund um das Thema Corona, die Hygiene- und Schutzmaßnahmen auch wirklich bei den Bewohnern ankommen. (Sylvia A. Menzdorf)

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa

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