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Stadt Frankfurt sucht Parkplätze fürs Carsharing

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Von: Dennis Pfeiffer-Goldmann

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Kleine Flitzer mieten: Statt ein Auto zu besitzen, sollen Frankfurter Bewohner stärker Carsharing nutzen. Auch die Parkraumbewirtschaftung wurde zu diesem Zweck eingeführt und soll weiter ausgebaut werden.
Kleine Flitzer mieten: Statt ein Auto zu besitzen, sollen Frankfurter Bewohner stärker Carsharing nutzen. Auch die Parkraumbewirtschaftung wurde zu diesem Zweck eingeführt und soll weiter ausgebaut werden. © Holger Menzel

Innenstadtbewohnern eine Alternative zum Autobesitz bieten

Frankfurt -Weitere Parkplätze für Carsharing-Autos will die Stadt Frankfurt im Laufe dieses Jahres ausweisen. Damit solle mehr Bewohnern in der Stadt eine wohnortnahe Alternative zum eigenen Fahrzeug geboten werden, erklärt Wolfgang Siefert, persönlicher Referent von Mobilitätsdezernent Stefan Majer (Grüne). Doch wann die neue Regelung genau kommt und wie sie aussieht, ist noch offen.

Einen Vorschlag hat Majer bereits im Januar den Stadtverordneten der Koalitionsfraktionen von Grünen, SPD, FDP und Volt vorgelegt. "Wir wollen das umsetzen und reden darüber, in welcher Form", so Siefert. Es gehe darum, weitere Stellplätze für stationsbasierte Fahrzeuge auszuweisen - erstmals im öffentlichen Straßenraum. Bisher durften sie nur auf Privatgrund liegen.

Ein Beitrag zur

Verkehrswende

Mehrere Anbieter offerieren Carsharing-Autos in Frankfurt: Der Branchenpionier Stadtmobil, ein vor 23 Jahren gegründeter Verbund aus Unternehmen. Die Flotte umfasst nach eigenen Angaben aktuell 3600 Fahrzeuge in 180 Städten. Zum anderen ist die Stadt selbst indirekt aktiv mit dem Anbieter Book-n-drive, der zu je einem Drittel dem Energieversorger Mainova und der Wohnungsbaugesellschaft ABG gehört. Book-n-drive bietet seinen etwa 65 000 Kunden an 508 Stationen im Rhein-Main-Gebiet 1109 Fahrzeuge an. Von denen sind 730 auf festen Stellplätzen stationiert, etwa an Wohnanlagen der ABG. Die übrigen Fahrzeuge haben keine festen Stationen, sondern können auf normalen Parkplätzen im Geschäftsgebiet angemietet und abgestellt werden. Dafür wird aber eine Extra-Gebühr fällig.

Solche "free floating" Carsharing-Autos sind auch das Geschäftsmodell von Share Now. Die Tochter von BMW und Daimler betreibt 300 Autos in Frankfurt. Zwischenzeitlich hatten auch die Anbieter der stationslosen Wagen Probleme: Da die Stadt nach und nach in immer mehr Stadtteilen Anwohnerparken einführt, fielen damit auch diese Bereiche als Carsharing-Parkplätze weg.

Zwar bot die Stadt den Anbietern pauschale Parkgenehmigungen an, diese waren aber mit 900 Euro pro Fahrzeug zu teuer, um die Autos wirtschaftlich zu betreiben, hatten beide Anbieter betont. Zumindest Share Now hat das Problem inzwischen vorübergehend gelöst: Die Fahrzeuge wurden mit Technik ausgestattet, so dass sie nun automatisch Parktickets fürs Handyparken lösen.

Zugleich kommt aber der Ausbau des Carsharings mit festen Stellplätzen nicht voran - eben weil Stellflächen fehlen. Da dies ein weit verbreitetes Problem ist, reagierte der Landtag vorigen September: Er erlaubte Kommunen, Carsharing-Parkplätze nun auch im öffentlichen Straßenraum zuzulassen. "Wir erleichtern damit die Stationierung solcher Fahrzeuge auch in Ortszentren, wo die Stellplätze knapp sind", erläuterte Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne). Carsharing sei "ein Anreiz, aufs eigene Auto zu verzichten und Autos in Zukunft vermehrt zu teilen und nicht mehr besitzen zu müssen", betont der Minister. "Damit ist es ein Beitrag, den Parkdruck in den Innenstädten zu vermindern."

Deshalb lobt auch die Frankfurter Industrie- und Handelskammer (IHK) die neue Option. Carsharing führe dazu, "dass insgesamt weniger Autos in den Städten der Metropolregion unterwegs sind und damit langfristig die angespannte Parkplatzsituation entlastet wird", sagt IHK-Präsident Ulrich Caspar. "Davon können auch die Wirtschaftsverkehre wie zum Beispiel Lieferdienste profitieren, die Platz für die Andienung benötigen."

Wie das konkret umgesetzt wird, ist in Frankfurt allerdings noch nicht entschieden. Es werde "im Rahmen der Parkraumbewirtschaftung" geregelt, sagt Siefert. Für die Nutzung der Parkplätze sollten Anbieter "eine relativ kleine Pauschale" zahlen. Dazu sei die Stadt "in konstruktiven Gesprächen" mit den Firmen. Er betont, dass die neuen Carsharing-Parkplätze wichtig seien. "Alles, was dazu führt, dass jemand kein eigenes Auto mehr besitzen muss, ist ein Beitrag zu Verkehrswende." Es besäßen noch sehr viele Menschen auch in der Innenstadt ein Auto, das sie aber fast nie benutzten, oft lange unbenutzt am Straßenrand parke und damit öffentliche Fläche unnötig verbrauche, erinnert Siefert. Sharing-Angebote wie Autos, Fahrräder und E-Scooter seien hingegen eine gute Alternative zum Autobesitz.

Dennis Pfeiffer-Goldmann

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