fff_Hopper_029_281020
+
m Kreis Offenbach als "Hopper" erfolgreich, für Frankfurts Stadtteile jetzt gestrichen: der per App bestellbare Rufbus.

Nahverkehr

Stadt Frankfurt verzichtet auf Millionen für die Stadtteile

  • Dennis Pfeiffer-Goldmann
    vonDennis Pfeiffer-Goldmann
    schließen

Sie sparen Geld, sind gut für die Umwelt, helfen Taxifahrern und hätten viele Bewohner der nördlichen und östlichen Stadtteile glücklich gemacht. Warum Verkehrsdezernent Klaus Oesterling die geplanten App-Rufbusse dennoch ersatzlos gestrichen hat.

Frankfurt Den geplanten Testbetrieb für per App bestellbare Rufbusse in den nördlichen und westlichen Stadtteilen wird es vorerst nicht geben. Das kündigte Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) am späten Dienstagnachmittag überraschend vor den Mitgliedern des Verkehrsausschusses im Römer an. Das spart der Stadt zwar viel Geld, sie lässt aber auch Millionen sausen.

Es wäre so schön gewesen: Wo heute abends und am Wochenende nur hin und wieder Busse durch Stadtteile wie Nieder-Erlenbach, Harheim, Zeilsheim, Sindlingen fahren, sollte ein dichtes und ständig verfügbares Nahverkehrsnetz geknüpft werden. "On demand", auf Bestellung, ganz zeitgemäß per Handy-App, hätten die Anwohner einen Kleinbus an die nächste Straßenecke ordern können, ein paar Minuten später wäre er gekommen. Auf dem Weg zur nächsten U- oder S-Bahn-Station wären weitere Fahrgäste ein- und ausgestiegen, alles ohne feste Fahrtroute und Fahrplan, rein nach Bedarf, vom Computer und via App ganz flexibel gesteuert.

Dezernent: Geld fehlt wegen Corona

"Ridepooling" heißt das Konzept: "Ride" für Fahrten, "pooling" wie zusammenfassen. In mehreren Orten in Deutschland ist die moderne Variante des Anruf-Sammeltaxis bereits Realität, wie mit dem "Hopper" im Ostkreis Offenbach. Ganz große Hoffnung hat man zum Beispiel in Nieder-Erlenbach auf dieses hochmoderne Konzept gesetzt, der Ortsbeirat 13 ist Feuer und Flamme.

Voriges Jahr hatte der Bund sein Füllhorn geöffnet und aus dem vom Klimawandel getriebenen Förderprogramm für den Nahverkehr eine siebenstellige Fördersumme in Aussicht gestellt. Diese Zahl nennt Klaus Oesterling nun - aber erst auf Nachfrage des Vorsitzenden des Verkehrsausschusses, Wolfgang Siefert (Grüne). Direkt zuvor hatte Dezernent Oesterling das zukunftsweisende Projekt noch vor dessen Abfahrt aufs Abstellgleis gelotst.

Frankfurts Stadtkämmerer Uwe Becker will sparen

Das "hätten wir gerne eingeführt für die nördlichen Stadtteile", erklärt der Stadtrat. Doch: "Es ist zurzeit nicht der Punkt, neue Angebote zu finanzieren." Stadtkämmerer Uwe Becker (CDU) fordere von allen Dezernaten Einsparungen in Millionenhöhe, weil die Steuereinnahmen der Stadt wegen der Corona-Pandemie einbrächen, begründet es Oesterling.

Allein durch die schwierige Lage von Flughafenbetreiber Fraport fehlten 37 Millionen Euro an Dividendenzahlungen in der Stadtkasse. Trotz der Millionen-Fördersumme des Bundes müsse die Stadt zusätzlich einen eigenen siebenstelligen Betrag aufwenden, wenn sie die App-Rufbusse einführen wolle, erläutert Oesterling. "Man kann das wollen, aber dann müssen wir das Geld woanders einsparen."

Mehr Nahverkehr "nicht realistisch"

Ganz grundsätzlich sei es "nicht realistisch, über eine weitere Ausdehnung des öffentlichen Nahverkehrs nachzudenken", mahnt der Verkehrsdezernent. Das gelte auch für Ideen wie ein 365-Euro-Ticket. Mit dem Zwang zum Sparen sei so etwas "derzeit nicht machbar", sagt Oesterling, wenn auch "nicht auf unbekannte Zeit versenkt". Also doch eine Chance für App-Rufbusse? Man könne "mittelfristig darüber reden".

Insgesamt ist der Dezernent höchst vorsichtig: Zwar wollten Bund und Land dem Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) die durch die Kontaktbeschränkungen vom Frühjahr verursachten Einnahmeausfälle ausgleichen. Doch könne ein erneuter Lockdown neue Löcher in den Kassen bei U-, Straßenbahnen und Bussen reißen. Es sei bisher unklar, ob das ebenso aus anderen Kassen ausgeglichen werde.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare