Das Neckermann-Areal an der Hanauer Landstraße.

Firmengelände

Stadt Frankfurt will sich Vorkaufsrecht für Neckermann-Areal sichern

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Wechselt das ehemalige Neckermann-Gelände an der Hanauer Landstraße bald wieder den Besitzer? Offenbar scharren Investoren mit den Hufen. Die Stadt reagiert deshalb - und will sich jetzt ein Vorkaufsrecht sichern.

Frankfurt - Im Jahr sieben nach Neckermann ist viel neues Leben eingekehrt auf dem riesigen Firmengelände im Osten Frankfurts. Diverse Unternehmen, kleinere und größere, nutzen Hallen, Büros und Flächen im Fechenheimer Industriegebiet an der Hanauer Landstraße. Etwa zwei Drittel der 300 000 Quadratmeter vermietbarer Flächen seien an 180 Firmen vermietet.

Das hatte der neue Eigner zuletzt 2018 erklärt. 2015 übernahm die OSWE Real Estate, Tochter des türkischen Immobilieninvestors Sinpas Holding, das 17 Hektar große Gelände. Die Hoffnungen jedoch, die das Unternehmen in diese Investition gesetzt hatte, scheinen zu hoch gewesen zu sein. Offensichtlich bemüht sich OSWE schon länger, das Gelände oder Teile davon zu verkaufen.

Der Geschäftsführer für die Frankfurter Sinpas-Aktivitäten, Mesut Arpaci, lässt Anfragen der Redaktion dazu zwar unbeantwortet. Doch reagiert die Stadt: Sie will sich ein Vorkaufsrecht sichern. Dafür hat Planungsdezernent Mike Josef (SPD) den Stadtverordneten den Entwurf einer Vorkaufsatzung vorgelegt. Damit hätte die Stadt künftig das Recht, dem Käufer zuvorzukommen, wenn die OSWE verkaufen will - zu gleichen Bedingungen. "Wir haben dadurch einen Fuß in der Tür", erklärt Josef. "Man weiß bei dem dynamischen Markt heutzutage ja nie, wie und wann etwas verkauft wird."

Frankfurt: Nutzungsmix des Neckermann-Geländes erhalten

Vor allem wolle die Stadt sicherstellen, dass der Nutzungsmix erhalten bleibt und möglichst noch erweitert wird: "Wir wollen dort produzierendes Gewerbe", erläutert Josef, "keinen großflächigen Einzelhandel und keine Hotels". 40 oder 50 Millionen Euro soll Sinpas für das Neckermann-Gelände gezahlt haben - ein Schnäppchen. In der Branche schätzt man den Wert des Areals heute auf 100 Millionen Euro oder mehr.

Zu solchen Spekulationen will der Planungsdezernent nichts sagen. Er räumt aber ein: "Der Verkehrswert des Grundstücks dürfte den Bodenwert sicher deutlich überschritten haben." In der Zeit seit dem Kauf habe sich der Wert vergleichbarer Grundstücke verdoppelt oder verdreifacht. "Das hängt aber auch von der künftigen Nutzung ab", räumt Mike Josef ein.

Bei dieser dürften die Türken mehr im Sinn gehabt haben. Könnten Wohnhäuser gebaut werden, wäre das Areal ein Vielfaches wert. Doch die Stadt will dort keine Wohnhäuser: Um das zu verhindern, hatte sie 2014 eilig beschlossen, einen neuen Bebauungsplan aufzustellen. Den gibt es bis heute nicht. Allein das schwebende Verfahren stoppt aber die ungewollte Nutzung offenbar recht effektiv.

Wohnungen zu bauen "geht auch nicht wegen der Seveso-Vorgaben", erinnert Josef. Die Richtlinie verbietet Wohnen im Umkreis von 300 Metern um Chemiebetriebe: Östlich liegt das Allessa-Chemiewerk, westlich grenzt der Frankfurter Standort des Chemieprodukte-Lieferanten Brenntag an.

Das enge Korsett scheint das Interesse von OSWE zu fördern, das Areal weiterzuverkaufen. "Konkrete Anfragen häufen sich", hört man hinter vorgehaltener Hand aus dem Römer. Schon "die verrücktesten Ideen" habe man zu sehen bekommen, bis zum "Hochhauscluster mit Wohnungen". Mike Josef lehnt Auskünfte dazu ab, antwortet nur ausweichend: "Die Stadt sichert sich ab." Es gehe ihm mit dem Vorkaufsrecht nicht darum, Stadt-Geld in die Hand zu nehmen.

Frankfurt: Das Gespräch bestimmen

Vielmehr wolle die Stadt "das Gespräch an sich ziehen" können, um Investoren zu erklären, dass "nicht überall alles möglich ist", sagt Josef. Dass die Stadt die Entwicklung steuern will, finden die Gewerbetreibenden drumherum "positiv", erklärt Sebastian Schugar, Vorsitzender des Gewerbevereins Fechenheim. Zugleich ist er skeptisch, ob ein Vorkaufsrecht hilft: "Wir gehen nicht davon aus, dass die Stadt einen Ankauf überhaupt tätigen könnte".

Daher sei das Steuern "über baurechtliche Möglichkeiten das probatere Mittel", findet er. "Es ist wichtig, den Bebauungsplan nicht zu verändern, wir brauchen dieses Industriegebiet für die Industrie." Um Ansiedlungen zu verstärken und Firmen zu fördern, müsse die Stadt die Infrastruktur verbessern.

So müssten die sehr schlechten Straßen endlich saniert werden. Die Straßenbahn-Verbindungen in die Stadt und zur S-Bahn-Station Ostendstraße seien "fürchterlich langsam", kritisiert der Unternehmer. Es werde noch viele Jahre dauern, bis der S-Bahnhof Fechenheim nördlich der Ernst-Heinkel-Straße gebaut sei. "Die Verkehrsanbindung schnell zu verbessern", sagt Schugar, "wäre das Wichtigste."

Es bleibt also spannend, wie es weitergeht mit dem Neckermann-Areal. Dabei hat das Gelände in den letzten Jahren schon eine bewegte Geschichte gehabt.

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