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Historisches Kopfsteinpflaster, Schlaglöcher notdürftig geflickt: So präsentiert sich die Uhlfelderstraße am Rand des Osthafens.

Sanierungsstau

Stadt legt Sonderprogramm gegen Schlaglöcher auf

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Unternehmen klagen über den schlechten Zustand der Straßen in Gewerbegebieten. Mit einem 75 Millionen Euro umfassenden Sanierungsprogramm will die Stadt jetzt Abhilfe schaffen. Die Umsetzung wird aber etwa 15 Jahre dauern.

Daimlerstraße, Adam-Opel-Straße, Carl-Benz-Straße: Im Gewerbegebiet Fechenheim deuten schon die Straßennamen darauf hin, dass hier das Automobil dominiert. Die Lastwagen, die von der Hanauer Landstraße oder der Carl-Ulrich-Brücke kommend Unternehmen wie UPS oder die Glocken-Bäckerei ansteuern, reihen sich oft Stoßstange an Stoßstange. Darunter leiden die Straßen. An der Einmündung der Uhlfelder- in die Carl-Benz-Straße kommt unter dem abgeplatzten Asphalt das alte Kopfsteinpflaster zum Vorschein.

„Seit 1946 ist an diesen Straßen kaum etwas gemacht worden“, sagt Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) bei einem Ortstermin. „Wir aber haben die Aufgabe, der Industrie vernünftige Straßen zu bieten.“ Dem stimmt Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) zu. „Auch der Zustand der Straßen entscheidet darüber, ob Unternehmen investieren.“ In Fechenheim-Nord zum Beispiel, wo ein „nachhaltiges Gewerbegebiet“ entstehen soll, stehe eine Verbesserung der mit Schlaglöchern übersäten Fahrbahnen ganz oben auf der Wunschliste der Unternehmen.

Dem Straßenbauamt ist der Sanierungsstau lange bekannt. Amtsleiterin Michaela Kraft hat deshalb ein eigenes Investitionsprogramm für Straßen in Industriegebieten angeregt. Der Magistrat ist dieser Anregung gefolgt und hat jetzt insgesamt rund 75 Millionen Euro an Planungs- und Baumitteln angemeldet, um 25 Straßen (siehe Liste rechts) sanieren zu können. Der Schwerpunkt liegt in den Gewerbegebieten Fechenheim und Seckbach sowie im Osthafen. Aber auch Straßen in Nieder-Eschbach und Griesheim sind dabei. Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) hob die Höhe der geplanten Ausgaben hervor: „Wir kleckern nicht, wir klotzen.“ Die Stadt müsse für die Industrie attraktiv bleiben.

Wenn die Stadtverordneten zustimmen, kann sich das Straßenbauamt an die Planung machen. Es muss geklärt werden, wo eine Sanierung im Bestand ausreicht und wo eine grundhafte Erneuerung nötig ist. Außerdem muss der Wunsch nach zusätzlichen Trassen für Glasfaserkabel oder getrennte Brauchwasserleitungen berücksichtigt werden. Verbesserungen soll es auch für Radfahrer geben. Gedacht ist an ein Kreuz mit einer Ost-West- und einer Nord-Süd-Verbindung durch die Gewerbegebiete im Osten der Stadt. Auch Abstellanlagen sind geplant, um die Fahrt zur Arbeit mit dem Fahrrad attraktiver zu machen und auf diese Weise die Straßen zu entlasten.

Amtsleiterin Kraft will sich nicht festlegen, wie lange es dauert, alle 25 Straßen zu sanieren. Die vom Magistrat beschlossene Vorlage gibt aber einen Hinweis: So sollen von 2018 bis 2021 jeweils 1,5 Millionen Euro pro Jahr bereitgestellt werden, danach jeweils sechs Millionen Euro. Bleibt es dabei, wird es 15 Jahre dauern, bis die 75 Millionen Euro ausgegeben sind.

Vorher wird es einige Geduldsproben für die Verkehrsteilnehmer geben. „Ohne Beeinträchtigungen geht es bei den Baustellen nicht“, betonte Oesterling. Dessen ist sich auch Sebastian Schugar bewusst, der Vorsitzende des Gewerbevereins Fechenheim. Sicher werde es Unternehmen geben, die über Verkehrsbehinderungen klagen. Sein Motto aber lautet: „Lieber für eine kurze Zeit Baustelle, aber danach wieder gute Verhältnisse.“ Schließlich sei die Adam-Opel-Straße, die „Hauptschlagader“ des Fechenheimer Gewerbegebiets, heute in so schlechtem Zustand, dass viele Lkw nur Schritttempo fahren.

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