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Kindergruppen besuchen in Frankfurt regelmäßig Moscheen, um mehr über den Islam zu erfahren.

Online keinen Hinweis mehr auf das umstrittene Gebetshaus

Stadt löscht die Bilal-Moschee von Webseite

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Dass Hass-Prediger in der Griesheimer Bilal-Moschee ein- und ausgehen, ist schon lange bekannt. Nach der jüngsten Großrazzia hat die Stadt Frankfurt reagiert und den Hinweis auf die Moschee von ihrer Internetseite entfernt, ebenso wie den Link zur As-Salam Moschee in der Nordweststadt. Aus Sicht von Kritikern kommt das viel zu spät.

Heute noch die Kindergartenkinder, morgen schon die Polizisten und Staatsanwälte: Kurz vor der Großrazzia in der Griesheimer Bilal-Moschee tummelten sich dort noch Kindergartenkinder aus Niederrad. Fotos der lachenden Knirpse veröffentlichte der Moschee-Verein nach dem Besuch auf seiner Facebook-Seite. Dass die Niederräder Kinder ausgerechnet in der Bilal-Moschee gelandet sind – aus Sicht der Islamismus-Expertin Sigrid Herrmann-Marschall trägt das Amt für Multikulturelle Angelegenheiten (Amka) daran eine Mitschuld, weil es sich in der Vergangenheit nicht von der Moschee distanzierte, obwohl seit Jahren hinlänglich bekannt ist, dass dort die islamistische Szene ein- und ausgeht.

So fand sich bis gestern Morgen noch ein Hinweis mit Adresse und Kontaktdaten der Moschee auf der städtischen Internetseite. Mittlerweile ist dieser Hinweis verschwunden, auch von der Amka-Seite. Gleiches gilt für den Link zur As-Salam Moschee in der Nordweststadt. Zwei weitere Gebetshäuser würden noch geprüft, erklärt Jan Pasternack, Grundsatzreferent Integration im zuständigen Dezernat von Stadträtin Sylvia Weber (SPD). Um welche Moscheen es sich dabei handelt, dazu wollte er sich nicht äußern. „Wir gehen da abgestimmt mit den Sicherheitsbehörden vor.“

Aus Sicht Herrmann-Marschalls kommt die Reaktion viel zu spät. „Die Bilal-Moschee ist schon seit Jahren Problemzone.“ Vor sieben Jahren etwa stand dort regelmäßig Abdellatif Rouali, auf dem Minbar – so heißt die Kanzel in muslimischen Gebetshäusern. Der extremistische Prediger war Kopf des mittlerweile verbotenen salafistischen Netzwerks „DawaFfm“. Auch der Hass-Prediger Abu Walaa war dort schon zu Gast. Er wurde im November verhaftet und gilt als einer der wichtigsten Anwerber des „Islamischen Staats“ (IS) in Deutschland.

„Die Bürger gehen davon aus, dass eine Moschee, die derart problematisch ist, nicht auf der Internetseite der Stadt Frankfurt zu finden ist“, betont Herrmann-Marschall. Tun sie es doch, passierten Dinge wie der Kindergartenbesuch einer Moschee, die aus Sicht von Verfassungsschützern „Anlaufstelle für Teile der salafistischen Szene“ ist. „Hier trägt das Amka die Verantwortung“, kritisiert Herrmann-Marschall, dass Erzieher, die mit ihrer Kindergartengruppe eine Moschee besuchen wollten, von den Behörden alleine gelassen würden.

Dem widerspricht Integrationsreferent Pasternack: In Frankfurt gebe es mehr als 700 Kinderbetreuungseinrichtungen. „Auf die haben wir keinen Zugriff. Aber wir sind jederzeit ansprechbar. Hätte man uns gefragt, hätten wir dezent, aber bestimmt von einem Besuch der Bilal-Moschee abgeraten.“

Auch die aus Sicht Herrmann-Marschalls viel zu späte Löschung der Internethinweise verteidigt Pasternack: „Wenn wir die Religionsfreiheit wahren wollen, können wir nicht auf Verdachtsmomente reagieren“, betont er, dass der Verfassungsschutz erst jetzt die Bilal-Moschee öffentlich als „islamistisch beeinflusst“ eingestuft habe. „Solange wir keine gesicherten Informationen haben, können wir nicht reagieren“, betont Pasternack, dass der Großteil der 1000 Gläubigen, die regelmäßig die Bilal-Moschee besuchten, „unbescholtene Bürger“ seien. „Wir müssen da schon vorsichtig sein, dass wir nicht eine ganze Religion unter Generalverdacht stellen, so wie es derzeit unter der Trump-Regierung in den USA geschieht.“

Stattdessen setzt das Amka auf einen „robusten Dialog“ mit den Verantwortlichen in mutmaßlich islamistischen Moschee-Vereinen. In diesem „robusten Dialog“ mache man deutlich, „dass gewisse Dinge nicht verhandelbar sind“. Chance auf Projektförderung, die Teilnahme an Veranstaltungen oder Grußworte könne sich nur ausrechnen, wer auch die freiheitlich-demokratische Grundordnung akzeptiere, sagt Pasternack. „Es gibt derzeit keinerlei Förderung von Projekten in Moschee-Vereinen in Frankfurt.“

Mohammed El Bojaddayni, Vorsitzender des Marokkanisch-Islamischen Kulturvereins, der Trägerverein der Bilal-Moschee, zeigte sich auf Anfrage enttäuscht über die Entscheidung des Amkas. „Es ist sehr schade, was da passiert wegen einer einzelnen Person. Unsere Moschee wurde beschmutzt.“ Das Gebetshaus sei offen für alle, betont El Bojaddayni, dass niemand einen Überblick über die Gläubigen habe, die dort ein- und ausgehen. „Wir machen das alle ehrenamtlich. Für uns ist das alles sehr enttäuschend.“

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