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Für von Obdachlosigkeit Bedrohte gibt es zu wenig Notunterkünfte, wie die im Ostpark.

Wohnungspolitik

Stadt: Nur in Notfällen werden Hotels angemietet

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Die Vorwürfe eines Beitrags der HR-Redaktion defacto will die Stadt nicht unwidersprochen lassen. Darin werden die teils schlechten Zustände und hohen Kosten für Räume angeprangert, in denen die Stadt Menschen unterbringt, die von Obdachlosigkeit bedroht sind.

Nach Angaben von Manuela Skotnik, Sprecherin des Sozialdezernats, koste es die Stadt durchschnittlich 29,70 Euro pro Person und Nacht, wenn sie Menschen, die von Obdachlosigkeit bedroht sind, in Hotels, Pensionen oder privaten Wohnheimen unterbringt. Viel Geld für die Betreiber solcher Einrichtungen. Das dachte auch das Team der Redaktion defacto des Hessischen Rundfunks (HR), das in seiner Sendung am vergangenen Montag nicht nur die immensen Kosten anprangerte, sondern auch die Zustände in den Einrichtungen zum Thema hatte wie Schimmel in den sanitären Anlagen. Moniert wurden außerdem die schlechten Bedingungen für Familien oder die unzureichenden Möglichkeiten zum Kochen. Was sagt das Sozialdezernat zu den Vorwürfen?

„Die Unterbringungssituation in Frankfurt ist, wie auch in anderen Metropolen, sehr schwierig“, betont Skotnik. Derzeit lebten von den 7800 Menschen, die durch die Stadt untergebracht sind, 5300 Personen in Wohnungen, von freien Trägern der Wohlfahrtspflege betreuten Wohnheimen und Unterkünften für Geflüchtete. Rund 2500 seien in Hotels, Pensionen und privaten Wohnheimen untergebracht – ein Rückgriff hierauf sei das letzte Mittel. Trotzdem sei es auch schwierig, überhaupt Räume zu finden. „Wir haben zuletzt im August eine Anzeige geschaltet und noch kein einziges Angebot erhalten“, sagt sie weiter.

„Natürlich verschärft fehlender sozial geförderter Wohnraum die Situation“, sagt Skotnik. Doch man müsse auch unterscheiden. „Ist ein Mensch akut bedroht, obdachlos zu werden und auf der Straße zu landen, muss vonseiten der Stadt schnell reagiert werden können.“ Die Vergabe einer sozial geförderten Wohnung folge aber nach einem festgelegten Kriterienkatalog und laufe über das Amt für Wohnungswesen. Derzeit seien dort rund 10 000 Haushalte registriert.

Im Beitrag des HR wurde argumentiert, dass, statt hohe Kosten für die Unterbringung in privaten Wohnheimen, Hotels und Pensionen mit teils schlechten Zuständen zu bezahlen, das Geld lieber in sozial geförderten Wohnraum investiert werden solle. Für Skotnik ist dies kein unmittelbar verknüpfbares Argument, da die Unterbringung in diesen Einrichtungen immer eine akute Notsituation darstelle und fehlende Sozialwohnungen nicht auf die Schnelle gebaut werden könnten. Konkret nachprüfbaren Vorwürfen aus dem Beitrag werde man nachgehen. Eine Verpflichtung der Betreiber, Küchen zur Verfügung zustellen, bestehe nicht. „Wir versuchen aber immer darauf hinzuwirken.“

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