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Sichrheitsdezernent Markus Frank (CDU) und Polizeivizepräsident Walter Seubert stehen vor dem Gebäuder der ABG in der Platensiedlung.

AGB-Büro angegriffen

Stadt, ABG und Polizei lassen sich von Anschlag in der Platensiedlung nicht einschüchtern

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Einschüchtern lassen wollen sich Stadt, ABG und Polizei nicht vom Anschlag offenbar linksautonomer Täter auf ein Büro der ABG in der Stephan-Zweig-Straße. Ihr Motto: Jetzt strengen wir uns noch mehr an, um hier für Ordnung zu sorgen.

Nein, eigentlich habe er nicht vor, sich nun alle drei Wochen mit Sicherheitsdezernent Markus Frank (CDU), Planungsdezernent Mike Josef (SPD) und Polizeivizepräsident Walter Seubert in der Platensiedlung zu treffen, sagt ABG-Geschäftsführer Frank Junker. „Und wenn, dann zu erfreulicheren Anlässen.“ An diesem Freitagnachmittag aber will das Quartett „Flagge zeigen“, wie jeder von ihnen mindestens einmal betont. Sie wollen klar machen: Von dem Anschlag auf einen Büro-Container der ABG, dessen Scheiben in der Nacht auf Donnerstag zerstört und dessen Außenwand beschmiert wurde, lassen sie sich nicht unterkriegen. Im Gegenteil, „wir werden uns jetzt noch mehr anstrengen“, sagt Markus Frank, um jene zu schützen, die in der Platensiedlung „einfach in Ruhe leben wollen“.

Sicherheitsdienst unterwegs

Letztere seien die große Mehrheit, das werde in Gesprächen mit den Mietern klar, sagt Frank Junker. „Die Menschen erzählen uns, dass sie sich nun wohler und sicherer fühlen.“ Nicht nur ist die Polizei hier nach ihrer ersten großen Drogenrazzia auch weiter präsent, wie Seubert betont: Die ABG setzt einen Sicherheitsdienst ein, der patrouilliert. Nach dem Anschlag aufs ABG-Büro seien die Menschen aber „wieder etwas verunsichert“, ist Junker bewusst.

In den vergangenen Tagen habe es in der Siedlung 17 Strafanzeigen gegeben. Die Polizei fand Drogen, Messer, Baseballschläger, stellte „Verstöße gegen das Waffenkontrollgesetz“ fest, erklärt Seubert. Auch an diesem Freitagvormittag habe es eine Festnahme gegeben. „Die Beamten wollten gestohlene Handys zurückgeben. Da rochen sie in einem Haus Drogen und gingen in den Keller.“ Der Täter flüchtete, wurde aber eingeholt und festgenommen. Interessant daran sei, dass es sich um einen Beteiligten in einem jener Fälle handelt, in denen die ABG fristlos Wohnungen gekündigt hat, weil von dort aus mit Drogen gehandelt wurde. „Durch die Kündigung hat sich dieser Mann offenbar nicht von seinem kriminellen Tun abhalten lassen.“

„Organisierte Kriminalität“

Der Anschlag auf das ABG-Büro sei „schäbig“, sagt auch Stadtrat Josef. Ohne polizeiliche Maßnahmen sei die Situation in der Platensiedlung nicht in den Griff zu bekommen. „Das sind keine 15-Jährigen, die über die Stränge schlagen. Das ist organisierte Kriminalität.“ Aber es müsse „mehr als ein Mittel“ eingesetzt werden: „Wir brauchen hier auch Streetworker.“

Eine Forderung, die aus dem Stadtteil heraus, etwa vom Regionalrat und Ortsbeirat, schon länger zu hören ist. Und auf die das Sozialdezernat zum Teil bereits reagiert hat, wie dessen Sprecherin Manuela Skotnik bestätigt: Seit dem 1. November komme immer dienstags das „Orientierungsmobil“, das neben Hilfe bei Jobsuche und Bewerbung in allen Lebenslagen berät.

Seinen harten Kurs gegen die Dealer will Junker weiter verfolgen, um alle anderen Bewohner der Siedlung zu schützen. „Mitleid habe ich mit denen nicht.“ Er ist überzeugt, dass die mit den fristlosen Kündigungen befassten Gerichte im Sinne der ABG entscheiden werden. Markus Frank unterstützt ihn dabei: „Wenn Kriminelle wissen, dass sie in Frankfurt keine Wohnung finden, kann ich damit leben.“ Auch wenn die Betroffenen dann in Obdachlosenunterkünften landeten.

Kommentar von Daniel Gräber: In der Platensiedlung braut sich was zusammen

Als sich Frankfurter Autonome nach den Krawallen beim G20-Gipfel im Café Exzess trafen, schwärmte ein Teilnehmer der Runde von den „migrantischen Jugendlichen aus den Vorstädten“, die sich in Hamburg spontan radikalisiert hätten. „Wir sollten darüber nachdenken, wie wir Strukturen schaffen, um dieses Potenzial zu nutzen“, schlug er für Frankfurt vor. Erleben wir die Umsetzung dieser Strategie jetzt in der Platensiedlung?

Dass diejenigen, die den Info-Container der ABG verwüstet haben, zum Kern der Frankfurter Linksautonomen-Szene gehören, sei eher unwahrscheinlich, sagen Experten der Polizei. Das Bekennerschreiben entspreche nicht dem sonst üblichen intellektuellen Niveau. Eine gewisse Nähe der Täter zum Linksextremismus sei aber wahrscheinlich.

Ob die Attacke auf die ABG nun politisch motiviert war oder nicht: In der Platensiedlung braut sich etwas zusammen. Dort sind offenbar Leute am Werk, deren Ziel die weitere Eskalation der Gewalt ist.

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