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Der Musikwissenschaftler und Sammler Michael Günther soll seine Privatsammlung historischer Tasteninstrumente im neuen Bolongaro-Museum präsentieren können. Foto: Jochen Reichwein

Höchst: Kultur

Stadt schreibt Bolongaro-Museum aus

  • Holger Vonhof
    vonHolger Vonhof
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Die Eröffnung soll im Herbst 2023 stattfinden. 1,2 Millionen Euro veranschlagt.

Die Stadt Frankfurt hat in ihrem Amtsblatt die Gestaltung der Dauerausstellung im geplanten Bolongaro-Museum im Bolongaropalast ausgeschrieben. Dabei geht es um die "Museografie": Sie umfasst sowohl die dramaturgische Ausstellungs-Entwicklung als auch die Entwicklung der Gestaltungs-, Inszenierungs- und Umsetzungskonzepte, also auch die interaktive oder mediale Umsetzung aller didaktischen Angebote. Zuletzt hatte die Stadt Frankfurt 2013 die Gestaltung des neuen Jüdischen Museums am Schaumainkai ausgeschrieben. Betrieben werden soll das Bolongaro-Museum vom Historischen Museum Frankfurt.

Schlusstermin für die Abgabe von Angeboten ist der 12. Januar 2021. Es gibt allerdings schon ein vorbefasstes Büro, dem es ebenfalls freisteht, sich dafür zu bewerben.

Der Bolongaropalast soll im Frühsommer 2023 fertig saniert sein; er wird nicht nur barrierefrei, sondern auch für eine neue kulturelle und gastronomische Nutzung vorbereitet. Der inhaltliche Schwerpunkt des neu entstehenden Museums, so ist der Ausschreibung zu entnehmen, soll auf der Kulturgeschichte der Zeit der Familie Bolongaro liegen, also auf dem 18. und frühen 19. Jahrhundert. Exponate wie Fayencen, Höchster Porzellan, Gemälde, Mobiliar, Musikinstrumente, Kunsthandwerk aus Barock, Rokoko und Klassizismus sollen aus den Sammlungen des Historischen Museums kommen. Das Museum soll die Geschichte der namensgebenden Einwanderer- und Händlerfamilie abbilden, einen Blick auf die bedeutende Porzellanmanufaktur des 18. Jahrhunderts werfen sowie die Geschichte der Stadt Höchst von der Römerzeit bis zur Gegenwart präsentieren. Ein weiterer Schwerpunkt soll durch die Präsentation der Privatsammlung Michael Günther auf dem Thema Musikkultur in Rhein-Main um 1800 liegen.

Das neue "Höchst-Museum" soll dabei als "partizipatives Stadtmuseum", also bürgernahes Museum "zum Anfassen und Mitmachen" konzipiert werden. Das erste Konzept dafür ist vom Kultur- und Museumsverein Bolongaro erarbeitet worden (wir berichteten). Dazu heißt es in der Ausschreibung: "Es soll mit der Expertise des Historischen Museums und mit Einbeziehung der kulturell diversen Bevölkerung der westlichen Stadtteile weiterentwickelt werden. Durch diese partizipative Planung des Höchst-Museums soll der kulturellen Diversität der Bevölkerung in den westlichen Stadtteilen in besonderer Weise Rechnung getragen werden." Der Prozess der Museumsgestaltung müsse darauf Rücksicht nehmen; die Teilnehmer mehrerer Workshops der vergangenen Jahre seien einzubinden.

Der Besucherempfang, die Kasse, ein kleiner Verkaufsladen und die Garderobe sollen im Erdgeschoss des Mittelrisalits, gleich westlich des Hauptportals, platziert werden. Sie sind nicht Gegenstand der Ausschreibung. Die Museumsräume liegen im ersten Stock des Palasts.

In dem neuen Museum solle ein "kultureller Leuchtturm" im Frankfurter Westen entstehen, der sowohl Städtereisende als auch internationale Touristen, die Frankfurt durch den Flughafen und das attraktive Kulturangebot am Museumsufer besuchen, sowie regionale Besucher und die Bevölkerung der westlichen Stadtteile anzieht. Für die Schulen und Kitas in den westlichen Stadtteilen werde ein neuer außerschulischer Lernort geschaffen. Für das Projekt sind Gesamtkosten von 1,2 Millionen Euro vorgesehen.

Die Auftragsvergabe zur Planung des Museums soll im Frühjahr 2021 erfolgen; die Eröffnung des Museums ist laut Ausschreibung für Herbst 2023 vorgesehen. Die 2017 begonnene Sanierung hatte allerdings bereits mehrfach mit ihrem Zeitplan zu kämpfen. Holger Vonhof

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