Das Wasserhäuschen Nox in der Holbeinstraße: Jagoda Oechsler, Schwiegermutter der Betreiberin Rebecca Fohl, hilft öfters aus.
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Das Wasserhäuschen Nox in der Holbeinstraße: Jagoda Oechsler, Schwiegermutter der Betreiberin Rebecca Fohl, hilft öfters aus.

Büdchen

Stadt übernimmt 34 Wasserhäuschen

  • Thomas J. Schmidt
    VonThomas J. Schmidt
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Betreiber sind gespannt, was auf sie zukommt

Frankfurt -Die Stadt übernimmt die Wasserhäuschen der Radeberger-Gruppe (Binding, Henninger). 34 Pachtverträge wurden deshalb gekündigt, sagte Liegenschaftsdezernent Jan Schneider (CDU) gestern. "An die Pächter, die bislang Verträge mit der Radeberger haben, ist deshalb ein Schreiben versendet worden." Niemand müsse sich Sorgen machen, alle Pachtverträge sollen von der Stadt übernommen, die Pachten nicht erhöht werden.

Rebecca Fohl, die das Wasserhäuschen Nox in der Holbeinstraße in Sachsenhausen vor zwei Jahren übernommen hat, traut dem noch nicht recht: "Wir warten auf die Gespräche mit der Stadt. Ich bin gespannt, was auf uns zukommt." Manchmal hilft ihre Schwiegermutter Jagoda Oechsler am Kiosk mit aus. Sie berichtet: "Wir haben hier schon ein kleines Gästeklo für Kunden."

Das könnte künftig größer werden: Die Stadt kann jetzt, da sie selbst bald Pachtpartner ist, zusätzliche öffentliche Toiletten neben den Wasserhäuschen errichten. "Ein Problem solcher Toiletten ist die mangelnde öffentliche Kontrolle. Das wäre an Standorten mit Wasserhäuschen besser", glaubt Schneider. Für die Kiosk-Betreiber Frankfurts könnte sich das Zusatzgeschäft durchaus rechnen: Als Toilettenwächter wären sie für die Reinigung öffentlicher WCs zuständig und würden dafür von der Stadt auch vergütet. Damit - und mit der höheren Frequenz am Wasserhäuschen - könnte den Kioskbetreibern unter dem Strich ein Zusatzgeschäft entstehen.

Trotzdem stößt das nicht überall auf Zustimmung: Liatif Fazlijevik, der seit 13 Jahren das Kiosk Limes in der Franz-Rücker-Allee in Bockenheim betreibt, war gestern nicht sonderlich begeistert. "Manchmal kommen die Drogensüchtigen aus dem Bahnhofsviertel hierher. Ich habe den Ärger, wenn sie sich auf der Toilette die Spritzen setzen", sagte er. Schneider versicherte: "Wir werden uns jeden Standort anschauen und das Für und Wider abwägen."

Zunächst einmal müssten die Kioske an die Stadt übertragen werden - ein Vorgang, der sich abhängig von den jeweiligen Kündigungsfristen der Radeberger noch bis 2022 hinziehen wird. Dann ist es an der künftigen Stadtregierung und der künftigen Stadtverordnetenversammlung zu entscheiden, wo wirklich Toilettenhäuschen gebaut werden.

Öffentliche Toiletten

neben Kiosken geplant

Die Stadt jedenfalls prüft (noch immer) den Bedarf solcher Örtlichkeiten, nachdem Infrastrukturdezernent Jan Schneider (CDU) schon 2016 eine Umfrage gestartet hatte. 232 Vorschläge haben die Frankfurter damals gemacht.

Fest scheint aber zu stehen, dass zumindest einige der neuen WCs - in Frankfurt gibt es bislang etwa 40, etwa halb so viele wie in Städten wie Düsseldorf oder Stuttgart - neben Wasserhäuschen entstehen sollen. Schneiders Dezernat hat deswegen nach erfolglosen Verhandlungen mit der Brauerei Radeberger 34 bislang gültige Pachtverträge gekündigt. Radeberger hatte die Flächen gepachtet, Wasserhäuschen errichtet und diese dann an Betreiber weiterverpachtet. Durch den nun bald möglichen direkten Zugriff auf die Flächen könnte die Stadt die zusätzlichen Toiletten dort errichten.

Wichtig ist, wie Schneider vor einigen Wochen in einem Brief an die Pächter geschrieben hat, dass sie alle in ihren Wasserhäuschen bleiben können, zu gleichen Bedingungen. "Es ist", wie Schneider gestern noch einmal versicherte, "nicht die Absicht, den Pachtzins zu erhöhen." Die Büdchen selbst, zum Teil von der Radeberger errichtet, zum Teil von vorigen Pächtern gekauft, wird die Stadt kostenfrei übernehmen können. Wie viele der 34 Standorte letztlich Toiletten bekommen, darüber ist vom scheidenden Liegenschaftsdezernenten keine Entscheidung mehr zu erwarten. Er sprach gestern von einer "niedrigen zweistelligen Zahl" an Toiletten - vorbehaltlich der Entscheidung des künftigen Magistrats. Denn es hängt am Geld und wie viel die künftige Stadtregierung auszugeben bereit ist.

Vorbild könnte die Lohrbergschänke sein. Günter Murr, Sprecher des Dezernenten, sprach von 300 000 Euro, die dort ein städtisches Toilettenhäuschen gekostet hat. "Im Rahmen der Reinigung des Restaurants wird jetzt auch die Toilettenanlage mit gereinigt und das bekommen die Betreiber ersetzt." Zusätzlich Kosten für Papier, Seife etc. natürlich auch.

Mit Übernahme der Pachtverhältnisse der Wasserhäuschen durch die Stadt sei es Schneider zufolge auch leichter, bei Lärmbelästigung oder ähnlichem dazwischenzugehen. Bislang kannte die Stadt die Pächter nicht einmal, weil die Radeberger die Namen aus Datenschutzgründen nicht weitergeben konnte. tjs

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