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Viel zu eng ist es in der Krankenstation des Stadttaubenprojekts. Gudrun Stürmer will daher einen Container aufstellen lassen.

Viele verletzte Vögel

Stadttaubenprojekt sucht nach finanzieller Unterstützung

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In der Vogel-Krankenstation des Stadttaubenprojekts ist viel zu wenig Platz, weil täglich teils schwer verletzte Vögel auf den Gnadenhof in Oberrad gebracht und dort wieder aufgepäppelt werden. Gründerin Gudrun Stürmer wünscht sich einen Container und sucht Unterstützer.

Curth hat viel Spaß daran, mit seinem Schnabel Schnürsenkel zu öffnen. Die junge Krähe wurde vor ein paar Wochen im Ostpark aufgegriffen und zum Gnadenhof des Stadttaubenprojekts im Speckweg 2 gebracht. Gudrun Stürmer, Gründerin des Stadttaubenprojekts, und ehrenamtliche Helfer kümmern sich seitdem um das aufgeweckte Kerlchen, das die Gesellschaft von Menschen sehr mag und liebend gerne Weintrauben nascht.

„Im Ostpark hat er auch schon versucht, die Schnürsenkel der Spaziergänger zu öffnen. Wir vermuten, dass er eine Handaufzucht ist“, erzählt Stürmer. „Vielleicht dachte der- oder diejenige, dass das Tier bereits ausgewachsen sei und hat den Vogel in den Park gebracht.“ Daran, dass Curth noch keinen Schwanz ausgebildet hat, sei jedoch zu erkennen, dass er eben noch nicht ausgewachsen ist. „Er kann nicht richtig fliegen“, fügt Stürmer hinzu.

Dass der Vogel überhaupt weiß, was seine Artgenossen sind, ist fraglich. „Er hat nämlich Angst vor den anderen Krähen“, erzählt Stürmer. Stattdessen spaziert er gerne durch den Vorraum der Vogel-Krankenstation, wo auch sein Käfig steht. Vor kurzem ist eine zweite Krähe dazugekommen, keine Handaufzucht und verletzt. Curth interessiert sich aber nicht für sie. Seine Neugierde jedoch ist riesengroß: Manchmal hüpft er bis zur Schwelle der Krankenstation und lugt in den rund neun Quadratmeter großen Raum hinein. Dort ist kaum noch Platz für die vielen verletzten Vögel, deren Leben teils auf der Kippe steht. Die meisten sind Stadt- oder Brieftauben.

„Allein am Tag zuvor wurden uns 14 verletzte Tiere gebracht“, erzählt Stürmer. „In Spitzenmonaten sind es bis zu 120 Vögel.“ Aus diesem Grund möchte das Stadttaubenprojekt eine neue Krankenstation auf dem Gelände im Speckweg errichten, das sie seit 2006 gepachtet haben. Früher hatte hier ein Kleintierzuchtverein sein Terrain. „Wir wünschen uns einen Wohn- beziehungsweise Bürocontainer, in dem wir ausreichend Platz für die verletzten Tiere haben und den wir anständig heizen können“, beschreibt Stürmer die Idee. Der Winter steht vor der Tür und in der aktuellen Situation sei es nur möglich, mit einem kleinen Gasofen Wärme in den Raum zu bringen.

Ein Container kostet Geld, mit Transport und dem Aufstellen mehrere Tausend Euro, schätzt Stürmer. Geld, das das Stadttaubenprojekt nicht zur Verfügung hat. „Wir finanzieren uns hauptsächlich über Spenden“, sagt sie. Stürmer gründete das Projekt 1982 zunächst als Initiative, seit vielen Jahren ist es ein Verein. Neben dem Gnadenhof kümmern sie sich auch um die Pflege der Taubenhäuser der Stadt, die etwa an der Hauptwache, an der Messe oder am Westbahnhof aufgebaut sind.

„Aktuell leben 682 Vögel auf dem Gelände, viele von ihnen für immer – vor allem zahlreiche alte Brieftauben“, schildert sie. Neben den Tauben gibt es auch Hühner, Fasane und Krähen. Freilebende Tauben, Spatzen und sogar ein Bussard kommen täglich vorbei, denn hier gibt es auch für sie immer etwas zum Futtern.

Jedes Tier auf der Krankenstation hat sein persönliches Drama erlebt. Trotz Fürsorge schaffen es einige Vögel nicht, versterben an ihren teils schweren Verletzungen, die oftmals durch sogenannte „Spikes“ verursacht werden. Sie werden zur Abwehr der Tauben an Häuser angebracht und sind spitz wie Nadeln. Auch an diesem Morgen hat es eine Taube nicht geschafft, die mit genau einer solchen Verletzung auf dem Gnadenhof abgegeben wurde. Aber auch Schnüre und Bänder, die achtlos auf die Straße geworfen werden, machen den Tieren das Leben schwer. Umso wichtiger ist, dass die Vögel weiterhin angemessen versorgt werden können.

Mit ihrem Projekt einer neuen Krankenstation für die Vögel auf dem Gnadenhof, beteiligt sich der Verein an der Aktion „Sparda-Vereint“ der gleichnamigen Bank. 260 Projekte haben sich beworben. Derzeit kann jeder abstimmen, welches hiervon unterstützt werden soll. Die 30 Bestplatzierten bekommen jeweils 2000 Euro. Das Projekt der neuen Krankenstation für Tauben und andere verletzte Vögel liegt aktuell auf dem 16. Rang, was reichen würde.

Wer das Projekt auf dem Gnadenhof in Oberrad unterstützen möchte, kann ihm online über seine Stimme geben. Weitere Infos zur Arbeit des Vereins gibt es unter im Internet.

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