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Zum ?Brutalismus? gehört architektonisch die Gehry-Siedlung.

Wohnungsmarkt

Schwanheim ist der Stadtteil mit den meisten neuen Wohnungen

Laut Statistik rangiert Schwanheim in Frankfurt im Spitzenbereich, was Zuwächse auf dem Wohnungsmarkt betrifft. Im Zentrum des Stadtteils merkt man davon jedoch nichts.

Einen Augenblick lang ist Ilona Klimroth verdutzt. Dass Schwanheim auf Platz eins liegt, was die Zahl der Wohnungen betrifft, die durch Baugenehmigungen im Jahr 2017 entstehen, das kann sich die CDU-Vertreterin im Ortsbeirat 6 (Frankfurter Westen) im ersten Moment nicht erklären. Doch dann fällt der Ur-Schwanheimerin, wie sie sich selbst bezeichnet, die Bürostadt Niederrad ein, die zum Teil auf Schwanheimer Gemarkung liegt. Dort wird seit mehreren Jahren kräftig gebaut, und es entstehen zahlreiche neue Wohnungen.

Das dürfte auch der Grund dafür sein, dass das Statistischen Jahrbuch der Stadt Frankfurt, das kürzlich veröffentlicht wurde, für Schwanheim 808 neue Wohnungen angibt, die dank der 22 Baugenehmigungen, die im Jahr 2017 erteilt wurden, gebaut werden. Kein anderer Frankfurter Stadtteil kann einen derartigen Zuwachs auf dem Wohnungsmarkt vorweisen. Auch mit den 396 Wohnungen, die im Jahr 2017 fertiggestellt wurden, liegt der Stadtteil laut Statistik in der Spitzengruppe. Aber wohl nicht mehr lange. Schließlich hat die Stadtverordnetenversammlung im vergangenen März einen neuen Zuschnitt der Stadtbezirke beschlossen. Demnach gehört der Stadtbezirk Goldstein Ost / Bürostadt Niederrad künftig nicht mehr zu Schwanheim, sondern zu Niederrad und trägt die Bezeichnung „Niederrad West“.

Mit Schwanheim selbst habe der Wohnungs-Boom, den die Statistiker für das Viertel ausweisen, „eigentlich nichts zu tun“, sagt Ilona Klimroth. Denn im Kernbereich des Stadtviertels geschehe in Sachen Wohnungsbau relativ wenig – aus Platzgründen. Obwohl Schwanheim mit einer Fläche von 1771,6 Hektar hinter Sachsenhausen der zweitgrößte Stadtteil Frankfurts ist. Doch im Süden und Westen setzen landwirtschaftliche Flächen und Naturschutzgebiete wie die Schwanheimer Düne Grenzen, im Norden der Main. Und im Osten wächst eben die Bürostadt Niederrad mit zahlreichen neuen Wohnungen. „Aber wenn man in Schwanheim selbst eine Wohnung sucht, tut man sich schwer“, sagt die Ortsbeirätin.

Geringer Zuwachs

Vielleicht ein Grund dafür, dass das Bevölkerungswachstum unter dem Frankfurter Durchschnitt liegt. Um 6,5 Prozent ist die Einwohnerzahl in Schwanheim zwischen den Jahren 2007 und 2017 gewachsen, auf 21 332 Menschen. Für ganz Frankfurt registrierte man für diesen Zeitraum eine Steigerung um satte 16,4 Prozent.

In einem anderen Bereich rangiert Schwanheim hingegen an der Spitze: Der Stadtteil kann mit 268,6 Hektar die meisten Industrie- und Gewerbeflächen in Frankfurt vorweisen. Die Stadt rechnet übrigens Goldstein zu Schwanheim; was der Ortsbeirat als eigenen Stadtteil betrachtet (und die Goldsteiner erst recht), ist eigentlich „nur“ eine Schwanheimer Siedlung. Nach Angaben den Statistischen Jahrbuchs waren im Jahr 2015 insgesamt 1004 Betriebe mit 17 854 Beschäftigten in Schwanheim registriert. Als Branchenschwerpunkt gilt der Großhandel mit 72 Betrieben und 2504 Beschäftigten.

Auffällig ist eine weitere Zahl: Von den 7872 in Schwanheim lebenden sozialversicherungspflichtig Beschäftigten haben 1165 einen Hochschulabschluss, das entspricht einem Anteil von rund 15 Prozent. In ganz Frankfurt haben hingegen 32 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten einen Hochschulabschluss in der Tasche. Auch das Durchschnittseinkommen in Schwanheim ist deutlich niedriger als in vielen anderen Stadtteilen. 3387 Euro verdienen sozialversicherungspflichtige Vollzeitbeschäftigte, die in Schwanheim leben, im Schnitt. Das liegt knapp 500 Euro unter dem Frankfurter Mittelwert.

Große Kontraste

Auch die Arbeitslosendichte ist mit 5,5 Prozent höher als im Frankfurter Durchschnitt, wo sie bei 4,3 Prozent liegt. 759 Schwanheimer beziehen nach Angaben der Statistiker Arbeitslosengeld II. Mehr Empfänger von ALG II gibt es nur noch in Fechenheim, Höchst, Oberrad und Seckbach. In diesem Zusammenhang verweist Ilona Klimroth auf die sozialen Brennpunkte in dem Stadtteil: „Das hat mit Goldstein-Süd zu tun und mit dem Heisenrath.“ Die Siedlungen dort bilden harte Kontraste zum eher beschaulichen Stadtteil.

Deutlich unter dem Durchschnitt rangiert die Zahl der Vertragsärzte in Schwanheim. Zehn niedergelassene Mediziner registrierten die Statistiker für Ende 2017 in dem Stadtteil, das entspricht 4,7 Ärzten pro 10.000 Einwohnern – gerade mal ein Drittel des Mittelwerts für ganz Frankfurt. Nicht schlimm, findet die Ortsbeirätin: „Die Schwanheimer gehen oft nach Höchst oder nach Griesheim, wenn sie zu Fachärzten müssen. Das ist für sie nicht unbedingt problematisch.“

von BRIGITTE DEGELMANN

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