In Griesheim ist der gesammelte Müll vor dem Bürgerhaus zusammengetragen worden. Friederike Weyh, Ursula Kunzler, Bernhard Kröhan, Roland Kuntze sowie Stadtumbau-Managerin Julia Wahl und Regionalrats-Vorsitzende Ursula Schmidt freut die Beteiligung.
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In Griesheim ist der gesammelte Müll vor dem Bürgerhaus zusammengetragen worden. Friederike Weyh, Ursula Kunzler, Bernhard Kröhan, Roland Kuntze sowie Stadtumbau-Managerin Julia Wahl und Regionalrats-Vorsitzende Ursula Schmidt freut die Beteiligung.

Frankfurter Westen: Reinemachen

Die Stadtteile putzen sich raus

  • Holger Vonhof
    vonHolger Vonhof
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  • Sabine Schramek
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In vielen Stadtteilen fanden sich die Helfer zusammen.

Am Ende gab es Kaffee, selbst gebackenen Kuchen, Butterbrezeln und zufriedene erschöpfte Gesichter im Stadtteilbüro "Eiche" in der Eichenstraße in Griesheim. "Die Äpfel im Kuchen sind aus der ersten Apfelernte im Eichengarten", verrät Ursula Schmidt, die fleißig Kaffee und Wasser ausschenkt. Sie ist die Vorsitzende des Vereinsrings Griesheim, des Regionalrats Griesheim und des Förderkreises "Kultur und Freizeit" Griesheim. Fünf Stunden lang haben Anwohner, ausgerüstet von der Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES) mit Handschuhen, Müllzangen, Müllbeuteln und Schubkarren, die Straßen von Unrat befreit. "Sauber Saturday" haben die Initiatoren ihr Mitwirken am weltweiten "Clean Up Day" getauft.

in Griesheim-Mitte hat mit der Unterstützung des Stadtumbaumanagements und des Quartiersmanagements aus dem Frankfurter Programm "Aktive Nachbarschaft" alles gegeben. "Sogar Planungsdezernent Mike Josef war schon ganz am Anfang da", erzählt Stadtumbau-Managerin Julia Wahl stolz. "Eine Stunde lang war er voll bei der Sache und hat Müll aufgesammelt". Julia Wahl möchte die Bürger mit einbinden. Als Stadtumbau-Managerin ist sie mit der Entwicklung des Stadtteils befasst: "Sensibilisieren ist wichtig", sagt sie und blickt stolz in die Runde.

Die meisten haben schon ihre gefüllten Müllsäcke vor dem Bürgerhaus am Schwarzerlenweg abgestellt, damit alles später von der FES eingesammelt werden kann. Doreen (26) und Lukas (27) engagieren sich seit einem Jahr ehrenamtlich. "Wir haben den Aufruf gesehen und waren sofort mit dabei", sagt der junge Mann. "Jetzt, während Corona, ist es noch wichtiger, sich einzusetzen", findet Doreen.

Müll liegt überall: "Wir haben Schulranzen gefunden, ein total zerfleddertes 1000-Teile-Puzzle und vor allem jede Menge Kippen", erzählen sie. "An jeder Ampel, in den Bordsteinrinnen, überall Zigarettenstummel". Es sei schwierig und anstrengend gewesen, sie mit den langen Greifzangen einzeln aus den Fugen herauszupulen. "Kein Wunder, dass Kehrmaschinen sie deshalb oft nicht erwischen können." Doreen und Lukas waren drei Stunden lang in der Lärchenstraße unterwegs.

Vor dem Bürgerhaus stapeln sich die Müllsäcke, gefüllt mit Pappbechern vom beliebten "Coffee to go", Verpackungen aller Art, Plastikteilen, Glasflaschen und undefinierbarem Abfall. "Es war schon mehr Müll hier in den Straßen", sagen die Teilnehmer. "Die richtig großen Sachen konnten wir ja auch nicht mitnehmen", kontert Wahl. Sie meint vor allem abgemeldete Autos, die in der Gegend herumstehen, sowie Baustoffe.

"Hier sind große Recyclinghöfe, Müll verarbeitende Betriebe und Autohäuser. Das ist der Unterschied zu anderen Stadtteilen Frankfurts. Das können wir ja nicht einfach unter den Arm klemmen." Julia Wahl ist besorgt wegen genau diesem Müll, den die Ehrenamtlichen nicht entsorgen können.

Niklas (23) arbeitet beim Quartiersmanagement und kennt Griesheim in- und auswendig. Er macht im Frühjahr seinen Master in Bauentwicklungspolitik und hat "ein Jahr lang jedes Haus und jedes Grundstück in Griesheim kartiert. Da weiß man genau, wo was ist und wo es schwierige Ecken gibt", sagt er. Mit dem Zuspruch ist er zufrieden. "Einige sind gleich mit drei vollen Müllsäcken zurückgekommen", erzählt der junge Mann. "Auch ein Vater mit zwei kleinen Kindern war dabei. Die sind nach zwei Stunden gegangen, weil die Kleinen Mittagsschlaf machen mussten."

Auch Julia Wahl ist zufrieden mit der Aktion. "Ich denke, wir haben Leute darauf aufmerksam machen können, dass sie achtsamer mit ihrem Müll umgehen. Die Beteiligung der Bewohner für ,ihren' Stadtteil ist enorm wichtig", sagt sie. Für Ende September oder Anfang Oktober setzt sie ebenfalls auf "große bürgerschaftliche Beteiligung: Bei den Planungen für den Quartiersplatz "Neue Mitte" nördlich und südlich des Bahnhofs wird es einen Architekturwettbewerb geben. Das Management für den Wettbewerb steht bereits. "Jetzt sind die Griesheimer dran, die Aufgabenstellung für die Ausschreibung frühzeitig mitzugestalten." Bis der Stadtteil ein neues Gesicht hat, wird es dauern. "Die Weichen stellen wir gemeinsam mit allen, die sich beteiligen wollen."

Auch die Schwanheimer / Goldsteiner CDU hat sich an den Aufräum-Tagen beteiligt - unterstützt von vielen Bürgern. Für den Vorsitzenden Frank Nagel geht es aber nicht um den einmaligen Arbeitseinsatz, sondern um ein Wachrütteln: "Unsere direkte Umgebung muss uns doch am Herzen liegen". Es fange bei der weggeworfenen Kippe an, die das Trinkwasser schädigt, und höre bei illegalen Müllablagerungen auf.

Die Schwanheimer Ortsbeirätin Ilona Klimroth sieht es grundsätzlich: "Es geht nicht nur darum, den eigenen Müll auch wieder mitzunehmen, sondern auch um die Müllvermeidung". Während sich trotz der nächtlichen Feiern das Schwanheimer Mainufer mit seinem neuen Fuß- und Radweg erstaunlich sauber präsentiert, sieht es andernorts deutlich schlechter aus. "Die Sauberkeit der Parkplätze am Schwanheimer Waldspielplatz und am Goldsteiner Waldfriedhof leidet unter der Rücksichtslosigkeit", sagt Nagel. Frustrierend sei, dass in Corona-Zeiten das Naturschutzgebiet Schwanheimer Düne unter dem Andrang der Erholungssuchenden leide: Kaffeebecher, Pizzaschachteln und Grillutensilien abseits des Bohlenweges seien fast an der Tagesordnung. Aber auch zerschlagene Flaschen im Stadtwald machen die Helfer fassungslos.

In Unterliederbach war ebenfalls die lokale CDU unterwegs. Bei der von Vorstandsmitglied Tim Pfeffer organisierten Aktion taten sich Parteimitglieder mit freiwilligen Helfern zusammen und sammelten am Liederbach und in der Peter-Bied-Straße. Die Teilnehmer folgten dem Bett des ausgetrockneten Liederbachs und durchstreiften den angrenzenden Park. Gesammelt wurden etwa zehn Müllsäcke voll sowie zahlreiche größere Gegenstände wie Fahrradreifen, ein alter Klappstuhl und sogar ein Hufeisen, aber auch Hunderte Zigarettenkippen.

S. Schramek, H. Vonhof

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