An der Hanauer Landstraße (heute Nummer 509 bis 513) wurden nach dem Krieg in der Cassella-Siedlung alte Häuser für neue Wohnblöcke abgerissen. FOTOs: Alt: Institut für Stadtgeschichte/Stütz;
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An der Hanauer Landstraße (heute Nummer 509 bis 513) in Frankfurt wurden nach dem Krieg in der Cassella-Siedlung alte Häuser für neue Wohnblöcke abgerissen.

Stein und Beton sorgten für Hoffnung

Cassella-Siedlung in Frankfurt: Wie sie sich in 75 Jahren verändert hat

In Frankfurt hat sich in den vergangenen 75 Jahren viel verändert. Wir blicken zurück und verfolgen die Geschichte der Stadtteile.

Frankfurt – Seit 75 Jahren gibt es die FNP - viel hat sich seitdem verändert. Deshalb drehen wir die Uhren zurück und werfen einen Blick in die Vergangenheit. Wie sah es 1946 in den Stadtteilen aus und wie an selber Stelle 2021? Heute Cassella und die Cassella-Siedlung.

Was daraus wohl werden wird, aus den Trümmern dieser Gesellschaft? Den politischen Trümmern und den Schutthaufen, die die Bomben zurückließen? Zu Neuanfängen gehört zwar immer die Ungewissheit. Nach dem Ende des grausamen Zweiten Weltkrieges war diese aber noch größer als alles, was wir Nachgeborenen erlebt haben. In der Cassellasiedlung an der Hanauer Landstraße entstanden damals neue Wohnungen. Ein Stück Hoffnung aus Stein und Beton.

Frankfurt: Große Wohnblöcke in Hanauer Landstraße verändern Erscheinungsbild

Die großen Wohnblöcke veränderten das Erscheinungsbild an der Hanauer Landstraße grundlegend (Hausnummer 509 ist links im aktuellen Bild zu sehen). Nur das Wohnhaus im Hintergrund des alten Bildes lässt heute erkennen, wo das Foto gemacht wurde. Es steht noch immer an der Ecke Orber Straße und Steinauer Straße.

Der Wohnungsmangel in Frankfurt, verursacht vor allem durch zahlreiche Bombardierungen der Wohnhäuser, wurde noch dadurch verschärft, dass die US-amerikanischen Truppen Häuser und Wohnungen beschlagnahmten. So auch viele Werkswohnungen der Cassella-Farbwerke. Das Unternehmen, das der Cassella-Siedlung ihren Namen gab, erlebte nach dem Kriegsende einen komplizierten Neustart. Die US-Amerikaner besetzten das Werk Mainkur und planten für die Firma, die damals zum IG-Farben-Konzern gehörte, noch deutlich weitreichendere Einschnitte.

So sieht die Cassella-Siedlung heute aus.

Frankfurt: Zukunft von Cassella unklar

1946 errichtete die amerikanische Militärverwaltung das "IG Farben Control Office". Der IG-Farben-Konzern sollte zerschlagen werden. Völlig unklar war damals, ob Cassella eigenständig überleben könnte. Zu verflochten waren die Strukturen bei der Materialbeschaffung und beim Vertrieb.

1946 wurde Cassella dann jegliche Zusammenarbeite mit anderen Teilen des IG-Farben-Konzerns untersagt. Der Trennungsprozess sollte Jahre dauern - aber letztlich erfolgreich sein.

Ein Symbol des Neustarts ist der Erlenmeyerkolben im Kreis, der noch heute auf dem Dach des Cassella-Haupthauses steht. 1946 erhielt die Firma das Logo. Unter der Führung von Werner Zerweck arbeiteten damals rund 900 Mitarbeiter. Und es sollten bald mehr werden. Schon im Sommer 1948 hatte das Unternehmen eine ordentliche Produktionsauslastung erreicht. Der Neustart ins Ungewisse war ein Erfolg. (red)

Die marode Cassellabrücke in Frankfurt soll bis Juni 2022 abgerissen werden.

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