Früher herrschte im Westhafen geschäftiges Treiben und es wurden die Waren gelöscht. FOTO: Institut für Stadtgeschichte
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Früher herrschte im Westhafen geschäftiges Treiben und es wurden die Waren gelöscht.

75 Jahre FNP

Stadtteilgeschichte: Frankfurter Westhafen: Statt Binnenschiffen legen jetzt Yachten an

Seit 75 Jahren gibt es die FNP - viel hat sich seitdem verändert. Deshalb drehen wir die Uhren zurück und werfen einen Blick in die Vergangenheit. Wie sah es 1946 in den Stadtteilen aus und wie an selber Stelle 2021? Heute das Gutleutviertel.

Frankfurt - Bootsanleger gibt es im Westhafen schon seit seiner Eröffnung am 16. Oktober 1886. Heute ankern dort aber keine Binnenschiffe mehr. Im Hafenbecken liegen Yachten und Motorboote, Bewohner luxuriöser Wohnungen auf der Hafenmole können von ihrem Privatsteg aus direkt einsteigen und ihrem Hobby auf dem Main nachgehen. Binnenschiffe fahren am Westhafen seit Jahren schon vorbei und legen in Sichtweite nur dann an, wenn sie Kohlenachschub für das Heizkraftwerk West des Stromversorgers Mainova liefern.

Das Westhafengebiet im Jahr 1946 und heute sind zwei komplett unterschiedliche Welten. Auf den beiden Fotografien oben ist das eindrucksvoll zu sehen. Statt Blaumänner tragen die Menschen heute feine Anzüge. Statt mächtiger Speicher und Lagerhallen stehen jetzt Bürogebäude oder mehrstöckige Wohngebäude im Hafengebiet. 1993 war mit einem Stadtverordnetenbeschluss der Weg frei gemacht worden für das neue Stadtquartier im Gutleutviertel. Heute haben links und rechts des 560 Meter langen und 75 Meter breiten Hafenbeckens, das durch die Mole vom Main getrennt ist, etwa 2000 Menschen eine Heimat gefunden. In den Bürogebäuden entstanden außerdem rund 3000 moderne Arbeitsplätze. Das auffälligste Gebäude ist sicher der Westhafen-Tower des Architekturbüros Schneider + Schumacher. Das kreisrunde, 109 Meter hohe Gebäude ist weithin sichtbar und wird wegen seiner auffälligen rautenförmigen Glasfassade auch "Geripptes" genannt. 2003 war das Hochhaus als eines der ersten Gebäude fertiggestellt worden. Die Hafenmole erreicht man über zwei Brücken, eine für Autos und eine für Fußgänger. Ein beliebter Treffpunkt ist mittlerweile der kleine Park an der westlichen Molenspitze. Hier ist ein guter Platz, um den Sonnenuntergang zu genießen oder vorbeifahrenden Schiffen nachzuschauen. So beschaulich war es mehr als ein Jahrhundert natürlich nicht immer zugegangen im Gutleutviertel. Auch 1946 war es laut und schmutzig. Und der Umgangston war meist ruppig und bestimmt, aber dafür ehrlich. Nach drei Jahren Bauzeit war der Westhafen eröffnet worden - und zwar genau an der Stelle, an der in den Jahren zuvor verschiedenste Schiffe im Winter ankerten, um vor mächtigen Eisschollen geschützt zu sein. Das letzte historische Gebäude der ehemaligen Hafenanlagen ist übrigens das denkmalgeschützte Druckwasserwerk, in dem heute ein Restaurant betrieben wird. Matthias Bittner

Heute stehen im Westhafen Wohnblöcke und Bürogebäude. Im Westhafen-Gebiet legen Binnenschiffe nur noch an, wenn sie Kohle für das Heizkraftwerk West bringen.

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