Die Hauptwache 1946. 1944 war das Gebäude bei Luftangriffen zerstört worden. 	Foto: Institut für Stadtgeschichte
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Die Hauptwache 1946. 1944 war das Gebäude bei Luftangriffen zerstört worden. Foto: Institut für Stadtgeschichte

75 Jahre FNP

Stadtteilgeschichte: Zehn Jahre ruhte der Cafebetrieb in der Frankfurter Hauptwache

  • Matthias Bittner
    VonMatthias Bittner
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Seit 75 Jahren gibt es die FNP – viel hat sich seitdem verändert. Deshalb drehen wir die Uhren zurück und werfen einen Blick in die Vergangenheit. Wie sah es 1946 in den Stadtteilen aus und wie an selber Stelle 2021? Heute: das Café Hauptwache.

Frankfurt - „Jugend arbeite mit den Kommunisten für den Neuaufbau unserer Stadt Frankfurt!“ Das war einer der Slogans, mit dem die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) 1946 bei den ersten Kommunalwahlen nach dem Zweiten Weltkrieg um Stimmen warb. Die Plakate hingen auch an der Hauptwache (Foto oben links von Fred Kochmann) im Herzen der Stadt.

Ein Neuaufbau war auch dringend nötig, die Luftangriffe der alliierten Streitkräfte hatten Frankfurt hässliche Narben und große Wohnungsnot zugefügt. Die Beseitigung sollte Jahre dauern, die letzten Wunden waren erst Mitte der 1950er Jahre verheilt. Auf dem Bild ist die Hauptwache im Vergleich zu heute (rechtes Bild) kaum wiederzuerkennen. 1944 war das Gebäude nach schweren Luftangriffen völlig niedergebrannt. Der seit 1905 laufende Cafébetrieb startete erst 1954 im vereinfacht aufgebauten Gebäude wieder. 1967 wurde die Hauptwache im Zuge des U-Bahn-Baus abgebaut, eingelagert und ein Jahr später über dem U-Bahnhof wiederaufgebaut. Aktuell ruht der Cafébetrieb, der Magistrat will einen Neuanfang und sucht einen neuen Cafébetreiber, die Ausschreibung soll demnächst erfolgen.

Zur vergnüglichen Freizeitgestaltung beim Caféplausch war die Hauptwache allerdings ursprünglich nicht errichtet worden. Sie war Sitz der Stadtwehr. Im Gebäude gab es auch ein Gefängnis. Die Hauptwache war 1729 bis 1730 von Stadtbaumeister Johann Jakob Samhaimer erbaut worden. Ein Neubau musste errichtet werden, weil das seit 1671 an dieser Stelle befindliche Wachlokal baufällig war. Prominentester Insasse war übrigens Johannes Bückler. Dem als „Schinderhannes“ zu zweifelhafter Berühmtheit gelangten Räuber wurden mindestens 211 Straftaten wie Diebstähle, Erpressungen und Raubüberfälle, aber auch Raubmord und Mord nachgewiesen.

Die Hauptwache, wie sie heute aussieht. Foto: Leonhard Hamerski

Die Aufbruchstimmung konnte die KPD 1946 im Nachkriegs-Frankfurt übrigens nicht nutzen. Das Wahlergebnis der Partei fiel unter Sonstige und damit auch nicht weiter ins Gewicht, stärkste Kraft wurden die während der Nazi-Zeit verbotenen Sozialdemokraten mit 41 Prozent. Was für ein Ergebnis – davon können die Genossen 75 Jahre später in Frankfurt und bundesweit nur noch träumen. Matthias Bittner

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