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Stadtteilkalender kommt pünktlich zum neuen Jahr

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Von: Stefanie Wehr

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Präsentiert stolz im Heimatmuseum das neue Exemplar des Stadtteilkalenders: Guido Neumann, Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins. FOTO:
Präsentiert stolz im Heimatmuseum das neue Exemplar des Stadtteilkalenders: Guido Neumann, Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins. michael faust © Michael Faust

Das neue Werk des Heimat- und Geschichtsvereins zeigt Bilder und Fotos aus alten Zeiten

Der Kalender „Oberrad gestern“ vom Heimat- und Geschichtsverein und vom Bürgerverein kommt dieses Jahr kurz vor knapp, aber pünktlich zum Jahreswechsel und wie gewohnt mit einem Gemälde von Philippine Schulz, der Oberräder Heimatmalerin, auf dem Deckblatt. Das Werk war schon vor Wochen fertig und gedruckt, doch es waren keine Bindungen zu bekommen.

So lange der Vorrat reicht

Nun ist der Kalender für 2023 gebunden und käuflich erhältlich, so lange der Vorrat reicht. Etwa im Blumengeschäft „Oberräder Blütenzauber“ in der Mathildenstraße 12a, auf dem Wochenmarkt am Samstag am Weinstand von Rolf Müller oder per telefonischer Bestellung unter der Nummer 63 19 56 26 (dort geht ein Anrufbeantworter ran) oder per E-Mail an kalender@heimatmuseum-oberrad.de. Der Kalender kostet 15 Euro.

Zwölf Bilder wurden sorgsam ausgewählt. Federführend bei der Auswahl war Guido Neumann. Der Vereinsvorsitzende hat im ausgehenden Jahr einige Oberräder zu Hause besucht, die ihm alte Bilder vermachen wollten. „Darüber freue ich mich immer sehr. Das Praktische ist: Ich komme bei den Leuten mit einem Scanner und meinem Laptop vorbei. Dann kann ich die Fotos gleich vor Ort einscannen und nehme sie gar nicht erst mit“, erklärt Neumann. Oftmals holten die Besitzer ihre Fotoalben hervor und zeigten noch mehr Bilder. Dank des Scanners können sie im Album bleiben. „Vieles, war ich in letzter Zeit bekommen habe, stammt aus den 50ern“, sagt Neumann.

Wer schon länger in Oberrad wohnt, weiß, dass just zu jener Zeit dort, wo heute ein beliebter Treffpunkt im Sommer die Leute anzieht - im Eiscafé Dolce Vita - eine Tankstelle stand. An der Ecke Buchrainplatz/Buchrainstraße gab es ein mit Mauern eingerahmtes Areal mit Zapfsäulen, später wurden dort Autos verkauft. Der Betrieb, jahrzehntelang geführt vom Oberräder Jean Heim, lief bis in die 90er Jahre hinein. Das Foto davon, aufgenommen im Sommer 1950, ziert die September-Seite des Kalenders. Eine zweite Tankstelle wurde - ebenfalls 1950 - an der Ecke Offenbacher Landstraße/Hansenweg gebaut - zu sehen auf dem Kalenderbild vom Januar.

Vor dem zweiten Weltkrieg war der Buchrainplatz auch auf der Mitte bebaut. Auf der „Insel“ stand in den 1930er Jahren ein Haus, in dem das Kolonialwarengeschäft Schade und Füllgrabe seine Ware feilbot. Als der Buchrainplatz vor Jahren neu gemacht wurde, fanden Bauarbeiter Kellerräume unter dem Platz, erinnert sich Neumann: „Die wunderten sich, was sie da alles freilegten. Hätten die Planer mal bei uns, beim Heimat- und Geschichtsverein, nachgefragt, hätten wir ihnen sagen können, dass dort früher Häuser standen“, scherzt er. Die Keller waren nach dem Krieg, als die Häuser zerbombt waren, zugeschüttet worden. Ein sehr übliches Fotomotiv der Vorkriegszeit, die Familie vor dem Haus, oder noch besser: vor dem Familienunternehmen, ist auch diesmal wieder im Kalender vertreten: Vor dem Hofeingang zur Blumengärtnerei „Heinrich Seidel“ an der Offenbacher Landstraße 376 versammelt sich anno 1920 wie zufällig die Gärtnerfamilie. „Das Backsteingebäude steht heute noch“, weiß Neumann.

Die Feuerwehr hatte viel Zulauf

Gleich zwei Mal hat es die Oberräder Freiwillige Feuerwehr in den Kalender geschafft. Auf dem Februar-Foto steht der zahlreiche Nachwuchs in voller Montur mit Feuerwehrhelmen brav in Reih und Glied vor dem Spritzehaus in der Mathildenstraße, anno 1925. Das zweite Bild zeigt im November den Fanfarenzug der Freiwilligen Feuerwehr im Jahr 1953

Das älteste Bild im Kalender ist eine Zeichnung und zeigt die alte evangelische Kirche. Sie stammt aus dem Jahr 1854, als die Kirche an der Offenbacher Landstraße 324 neben dem Eingang zur Stern Brauerei stand. Sie wurde bis 1914 genutzt. Schildchen an den Holzbänken verweisen auf einen alten Brauch: „Früher gab es in der Kirche feste Sitzplätze“, erklärt Guido Neumann. „Jede Familie, die es sich leisten konnte, mietete ihre Plätze auf der Bank. Ergo die Namensschilder“, Andere Zeiten, andere Sitten. Was das neue Jahr bringt, wird sich erst noch weisen. Stefanie Wehr

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