Aktionsgemeinschaft zeigt

Städtische Bühnen: Hier können Kosten für die Sanierung gespart werden

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Die Projektgruppe, die die Sanierung der Städtischen Bühnen untersuchen soll, existiert immer noch nicht. Indes macht eine Aktionsgemeinschaft Werbung für ihre Idee, das alte Gebäude aus dem Jahr 1902 am Willy-Brandt-Platz wiederzubeleben.

Der Schock war groß, als im Juni 2017 eine Studie zur Zukunft der maroden Städtischen Bühnen vorgestellt wurde. Die Kosten für Sanierung oder Neubau wurden auf rund 900 Millionen Euro beziffert. Vor drei Monaten kündigte Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) dann weitere, vertiefende Untersuchungen an. Dazu sollte eine Projektgruppe gegründet werden. Ihre Arbeit hat diese bis heute aber nicht aufgenommen – obwohl Hartwig „zeitnah“ die ersten Ergebnisse angekündigt hatte. „Die Gespräche zur Einrichtung der Projektgruppe laufen noch“, heißt es nur von Hartwigs Sprecherin Jana Kremin.

Während die Stadt also noch überlegt, was man nun mit den Erkenntnissen aus der Machbarkeitsstudie anfangen soll, ist ein kleine Gruppe von Frankfurter Bürgern schon einen Schritt weiter.

Vor einigen Monaten hat sich die Aktionsgemeinschaft Schauspielhaus formiert. Der Verein schlägt vor, das Gebäude des einstigen Schauspielhauses aus dem Jahr 1902 wiederherzustellen. Den sogenannten „Seeling-Bau“ gibt es nämlich noch, zumindest in Teilen, verborgen hinter der Glasfassade der heutigen Theater-Doppelanlage. „Man könnte diese Gebäudeteile freilegen, ertüchtigen und mit modernen Anbauten ergänzen“, sagt der Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft Tobias Rüger. Für ihn und seine Mitstreiter ist das Neorenaissance-Gebäude ein „Baudenkmal von herausragender Bedeutung“, das unbedingt wieder erfahrbar gemacht werden müsse. Zudem würde es den eher tristen Willy-Brandt-Platz aufwerten. „Die Diskussion der politischen Entscheider klebt zu sehr an den Zahlen“, sagt Tobias Rüger. Er vermisst, dass sich Gedanken darüber gemacht wird, was dort am Willy-Brandt-Platz entstehen kann.

Nichtsdestotrotz hat sich auch der Verein mit den Zahlen beschäftigt. „Mit unserer Idee kann man Geld sparen“, sagt die stellvertretende Vorsitzende des Vereins Sybille Franzmann-Haag. „Wir bauen keine Luftschlösser, unsere Zahlen sind von Architektenbüros auf der Grundlage der Machbarkeitsstudie ermittelt worden.“

Die Vision der Aktionsgemeinschaft sieht wie folgt aus: Als ersten Schritt müsste man die Oper und das Schauspielhaus voneinander trennen. Die Oper könnte einen Neubau an anderer Stelle bekommen etwa am Kultur-Campus in Bockenheim. Für einen Neubau veranschlagt die Truppe Kosten von rund 371 Millionen Euro. Diese könnten aber reduziert werden, wenn sich Bund und Land finanziell beteiligen. Ersparnis: 185 Millionen Euro. Für das neue Schauspielhaus stellt sich die Aktionsgemeinschaft vor, drei Gebäudeteile historisch wieder herzustellen: das alte Schauspielhaus, die Kolonnaden mit der Außengastronomie sowie die östliche Blockrandbebauung mit dem markanten Turm. Moderne Anbauten sollen das Bild komplettieren. Kosten: 420 Millionen Euro. Allerdings könnte man auch hier sparen. Dem Verein schwebt vor, den östlichen Gebäudeflügel von der ABG Holding bauen zu lassen. Wohnungen oder ein Hotel könnten dort entstehen. Ersparnis: 50 Millionen Euro. Zudem will der Verein Spenden sammeln – 46 Millionen Euro in acht Jahren. Alles in allem kommt man dann auf Kosten von 510 Millionen Euro für die beiden Häuser.

„Wir wollen mit unserer Idee eine Diskussion anstoßen“, sagt Rüger. „Denn immerhin haben wir eine Vision. Entscheiden und bauen müssen dann aber andere.“

Am kommenden Sonntag, 19. August, lädt die Aktionsgemeinschaft zu einem Schauspielhaus-Gespräch im Frankfurter Hof, Bethmannstraße 33, ein. Ehrengast ist Wilhelm von Boddien, Initiator des Wiederaufbaus des Berliner Schlosses. Gemeinsam mit dem Architekt York Stuhlemmer und Tobias Rüger spricht er über die Möglichkeiten, wie das alte Frankfurter Schauspielhaus ertüchtigt werden kann. Los geht es um 17 Uhr.

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