Ina Hartwig, hier bei einem ihrer ersten öffentlichen Termine: dem Antritt des neuen Städel- und mittlerweile auch Schirn-Direktors Philipp Demandt. Er wird einer ihrer wichtigsten Mitspieler bei der Gestaltung der kommenden Legislaturperiode sein.
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Ina Hartwig, hier bei einem ihrer ersten öffentlichen Termine: dem Antritt des neuen Städel- und mittlerweile auch Schirn-Direktors Philipp Demandt. Er wird einer ihrer wichtigsten Mitspieler bei der Gestaltung der kommenden Legislaturperiode sein.

Regelung ab 1. Januar 2017

Städtische Museen: Stadtparlament beschließt freien Eintritt für Jugendliche

  • Thomas Remlein
    vonThomas Remlein
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Menschen bis zum Alter von 18 Jahren und Studenten können die städtischen Museen mit Beginn des nächsten Jahres kostenfrei besuchen. Das hat gestern das Stadtparlament beschlossen. Was die Wohltat den Steuerzahler kostet, ist noch ungewiss.

Ein Hauch von Weihnachten und Bescherung durchwehte gestern den Plenarsaal des Römers: „Meistens geht es am Ende eines Jahres um Preiserhöhungen, diesmal ist es anders“, freute sich die kulturpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Renate Wolter-Brandecker. Grund war die Entscheidung, dass Menschen bis zum Alter von 18 Jahren und Studenten ab dem 1. Januar freien Eintritt in städtische Museen haben sollen. Das bedeutet aber nicht, dass die Kinder und Jugendlichen in alle Museen in Frankfurt ohne zu zahlen besuchen können. Der Beschluss umfasst nur ein gutes Dutzend Museen, die in Trägerschaft der Stadt stehen. Viele beliebte Museen, wie das Senckenberg Naturkundemuseum oder das Filmmuseum fallen weg.

Das war Bestandteil des Koalitionsvertrages zwischen CDU, SPD und Grünen. Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) hat „die Vereinbarung schnell umgesetzt“, lobte Wolter-Brandecker die Parteifreundin. Für die Kulturdezernentin ist das jetzige Angebot nur ein erstes Signal. Sie will die Kostenfreiheit auf alle Museen wie das Liebighaus, die Schirn, das Senckenberg-Museum und andere nicht-städtische Institutionen ausdehnen. „Die Museumsräume gehören allen“, findet sie. Die Exponate seien das Ergebnis von Handelsströmen, das Ergebnis wandernder Künstler, die Kunstgeschichte sei immer global gewesen und deren Betrachtung könne zu einer anderen Anschauung der Globalisierung führen.

Wolter-Brandecker forderte, nach der Kostenfreiheit für Kinder und Jugendliche, das pädagogische Angebot in den Museen zu erweitern. Den Blick in die Zukunft richtete auch Sebastian Popp von den Grünen. Das Angebot der Frankfurter Museen für Kinder und Jugendliche sei gut, müsse aber noch spezifiziert werden. „Wir müssen auch überprüfen, ob die Museen noch auf der Höhe der Zeit sind“, betonte Popp. „Wir müssen auch die Schulen dazu bringen, dass sie hingehen“, sagte Popp, der die neue Regeln zwar für eine „tolle Sache, aber keine Neuentwicklung hält“.

Die Stadtverordneten zitierten Beispiele aus anderen Städten. Die Krupp-Stiftung in Essen ermöglicht seit 2015 für fünf Jahre mit einer Million Euro jährlich den freien Eintritt für alle in das Folkwang-Museum. Dass das nicht automatisch zu der von der SPD propagierten „Kultur für alle“ führt, unterstrich Michael Müller von den Linken. „Museen sind noch immer Orte der Abgrenzung. Für viele bleiben sie utopische Dörfer.“ Trotz freien Eintritts hätten 66 Prozent der Besucher des Folkwang-Museums Hochschulabschluss, nur 0,6 Prozent Hauptschulabschluss. Die Linke wollte den freien Eintritt auch auf die begleitenden Eltern der Kinder und Jugendlichen ausdehnen, was aber von der Koalitionsmehrheit abgelehnt wurde.

Viele deutsche Großstädte haben Regelungen, die mit denen Frankfurts vergleichbar sind. In München sind städtische und staatliche Einrichtungen wie die Pinakotheken, das Bayerische Nationalmuseum oder das Münchner Stadtmuseum frei für Jugendliche bis 18 Jahren. In Hamburg gilt Ähnliches für Einrichtungen der Hansestadt. Das Museum Ludwig und andere Kölner Einrichtungen handhaben es ebenso. In Köln haben jeden ersten Donnerstag im Monat „kölsche Jungs und Mädche“ mit Nachweis des Wohnsitzes in der Domstadt freien Museumseintritt.

Der kulturpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Thomas Dürbeck, bestätige, dass mit der neuen Regelung „das Herz eines Kulturpolitikers jubelt“. Der freie Eintritt bedeute aber nicht, dass der Erfolg gesichert sei. „Wir müssen mehr bieten, was die Digitalisierung betrifft, wie das Städel und Schirn hervorragend machen, die aber leider nicht an dem Programm teilnehmen.“ Für Schulkassen sei der freie Eintritt aber eine große Chance, „weil nicht 25 mal 3 Euro vom Lehrer eingesammelt werden müssen“. Alle Frankfurter Museen haben laut Dürbeck 2,5 Millionen Besucher, 700 000 davon gehen in die städtischen Museen. Sie bezahlten zuletzt 1,72 Millionen Euro im Jahr an Eintrittsgeldern. Für den freien Eintritt der Studenten erhält die Stadt je 1 Euro pro Jahr, macht also 45 000 Euro. „Es wird sich also finanziell nicht so stark auswirken“, erklärte Dürbeck. Anders sähe die Rechnung aus, wenn Institute wie Liebighaus, Städel, Schirn und Senckenberg ebenfalls kostenfrei für Jugendliche würden. „Da reden wir locker über fünf Millionen Euro jährlich“, warnte Dürbeck.

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