1. Startseite
  2. Frankfurt

Fahrradfreundlicher Verkehr: Der ewige Streit um den Oeder Weg in Frankfurt

Erstellt:

Von: Matthias Bittner

Kommentare

Freie Fahrt für Radfahrer. Autofahrer hingegen können auf Höhe der Holzhausenstraße nicht geradeaus in den Oeder Weg weiterfahren - eine Diagonalsperre verhindert das. Das ist eine von mehreren strittigen Maßnahmen bei der Umwandlung des Oeder Weges in eine fahrradfreundliche Nebenstraße.
Freie Fahrt für Radfahrer. Autofahrer hingegen können auf Höhe der Holzhausenstraße nicht geradeaus in den Oeder Weg weiterfahren - eine Diagonalsperre verhindert das. Das ist eine von mehreren strittigen Maßnahmen bei der Umwandlung des Oeder Weges in eine fahrradfreundliche Nebenstraße. Boeckheler © christoph boeckheler*

Um den fahrradfreundlichen Umbau des Oeder Wegs in Frankfurt gibt es weiterhin Streit. Denn der Verkehr in den Nebenstraßen fließt munter weiter.

Frankfurt -Selten hat es im Stadtteil ein Thema gegeben, das so polarisierte: die Umgestaltung des Oeder Weges zur fahrradfreundlichen Nebenstraße. Autofahrer sehen im wahrsten Sinne des Wortes Rot, weil überall auf der 1,3 Kilometer langen Straße mit der entsprechenden Farbe Markierungen aufgebracht wurden.

Anwohner und Geschäftsleute sind sauer, weil für die Umgestaltung massenhaft Stellplätze entfallen sind und sie lange im Kreis fahren oder weite Wege in Kauf nehmen müssen, bis sie einen Parkplatz gefunden haben. Und schließlich beklagen sich Anwohner in den Nebenstraßen, etwa in Cronstetten-, Humbold- oder Finkenhofstraße, über eine deutliche Zunahme von Schleichverkehr.

Neue Freiheit für Radfahrer nach Umgestaltung des Oeder Wegs in Frankfurt

Von den Radfahrern hört man indes nichts - also zumindest nichts Negatives. Das wäre auch verwunderlich, schließlich dürfen sie sich als die großen Gewinner des Pilotprojektes und über ungewohnte Freiheiten freuen.

Der Oeder Weg ist die erste von insgesamt zwölf Straßen in Frankfurt, die zu fahrradfreundlichen Nebenstraßen umgebaut werden. Grundlage ist ein Stadtverordnetenbeschluss. Vorausgegangen war eine Initiative engagierter Bürger (Radentscheid), die mehr als 40.000 Unterschriften für ihr Ziel gesammelt hatten. 2021 wurde im Oeder Weg losgelegt, 2022 begann die Umgestaltung im Grüneburgweg - auch dort gibt es massive Kritik.

Fahrradfreundlicher Umbau im Oeder Weg in Frankfurt sorgt für weniger Parkraum

Zuletzt sorgten im November vergangenen Jahres die 46 übergroßen Pflanzkübel, die im Oeder Weg aufgestellt wurden, sogar für dicke Luft im Römer. Der FDP-Stadtverordnete Nathaniel Ritter wetterte empört, dass dadurch wertvoller Parkraum vernichtet werde und die ohnehin schon gebeutelten Geschäftsleute zusätzlich benachteiligt würden. Mobilitätsdezernent Stefan Majer (Grüne) verwies darauf, dass die zur Aufwertung vorgesehene Maßnahme erst im Frühjahr zum Tragen komme, wenn die darin eingesetzten Pflanzen blühten. Und er erinnerte daran, dass auch diese Maßnahme mit den Stimmen der FDP verabschiedet worden sei.

Nimmt man Majer beim Wort, haben es die Bewohner im Oeder Weg jetzt doch gut. Sie haben weniger Durchgangsverkehr, seitdem die im März 2022 fertig gewordene Diagonalsperre auf Höhe der Holzhausenstraße die Weiterfahrt in Richtung Stadtmitte verhindert. Und mehr Grün beziehungsweise farbenprächtige Blumen haben sie bald quasi auch noch gratis in überdimensionierten Pflanzkübeln vor der Haustür. Wer will sich da also wegen ein paar Parkplätzen weniger beschweren?

Mehr Verkehr in den Nebenstraßen nach Umbau im Oeder Weg in Frankfurt

Die Dummen sind in der Rechnung allerdings die Bewohner der Nebenstraßen. Sie fordern völlig zurecht, dass gegengesteuert wird. Erste Ideen gibt es schon. Die Situation in der Cronstettenstraße könnte entschärft werden, indem an der Kreuzung zur Falkensteiner Straße ein weiterer Filter errichtet wird, der die Ost-West-Verbindung für Kraftfahrzeuge unterbindet.

Und eine zusätzliche Sperre könnte die Ein- und Ausfahrt in die Humbrachtstraße blockieren. Unbeantwortet ist bei diesen Überlegungen allerdings, welche anderen Schleichwege sich die Autofahrer dann suchen, und ob nicht nach wenigen Wochen die nächsten in einer Sitzung des Ortsbeirates auf der Matte stehen und sich ihrerseits über eine Zunahme des Verkehrs vor ihrer Haustür beschweren.

Gesamtkonzept fehlt nach fahrradfreundlichem Umbau im Oeder Weg in Frankfurt

„Mit dem Verkehr ist es wie mit Wasser, das sich den Weg des geringsten Widerstandes sucht“, sagt Johannes Böhm, der in der Schwarzburgstraße wohnt und dort vor und nach Fertigstellung des Diagonalfilters an der Holzhausenstraße eigene Verkehrszählungen gemacht hat.

Der Ortsbeirat tagt

Donnerstag, 26. Januar 2023, 19.30 Uhr, Gehörlosen- und Schwerhörigenzentrum, Rothschildallee 16a.

Das Ergebnis ist eindeutig: Hatten vor den Osterferien rund 400 Fahrzeuge täglich die Schwarzburgstraße passiert, waren es danach 1200. Dass die Zahl auf 600 sank, ist die Folge von Kanalarbeiten in der Glauburgstraße, die für den Durchgangsverkehr gesperrt ist und weshalb unter anderem die Fahrtrichtung in der Schwarzburgstraße und Humboldtstraße gedreht wurde.

Böhms Absicht ist es nicht, sich pro oder contra Diagonalsperre zu positionieren. Seine Ergebnisse könnten aber auf dem Weg zur Umwandlung des Oeder Weges in eine fahrradfreundliche Nebenstraße einfließen. Denn: Ihm fehlt das Gesamtkonzept. Da ist er nicht der einzige. (Matthias Bittner)

Auch interessant

Kommentare