Hospital Heilig Geist

Stammzellenspender benötigt: Valentin sucht eine Überlebenschance

Mit 25 Jahren bekommt Valentin Koßmehl die erschütternde Diagnose: aplastische Anämie. Seine einzige Chance, wieder gesund zu werden, ist eine Stammzellenspende. Dafür organisiert seine Mutter am Sonntag, 11. November, eine Typisierungsaktion im Hospital zum Heiligen Geist.

Einkaufen, ins Kino gehen, Freunde treffen: Was für andere in seinem Alter normal ist, bedeutet für Valentin Koßmehl Lebensgefahr. Keime könnten sein geschwächtes Immunsystem angreifen, schon eine Erkältung könnte für ihn lebensbedrohlich werden. Der Grund: eine aplastische Anämie, eine schwerwiegende Störung der Blutbildung.

Es war im Sommer dieses Jahres, der 25-Jährige Gastronom war mit seinem Vater wandern, als er stürzte und sich ein extremer Bluterguss bildete. Schon vorher sind dem Vater ungewöhnliche Blutgerinnungen unter der Haut des Sohnes aufgefallen. Zudem hatte Valentin Koßmehl über Müdigkeit und Erschöpfung geklagt.

Die Ärzte im Krankenhaus waren sofort alarmiert als sie feststellten, dass Koßmehls Knochenmark keine Blutzellen mehr produzierte. Bei der aplastischen Anämie kommt es durch eine Fehlfunktion des Immunsystems zu einem Angriff der Abwehrzellen auf die blutbildenden Stammzellen des Knochenmarks.

Die Diagnose kam im August. Seitdem ist er zu Hause, darf nicht ohne Mundschutz rausgehen, muss Menschenansammlungen und öffentliche Orte meiden. „Es ist wie im Gefängnis“, sagt seine Mutter Helga Koßmehl. Sie musste alle Pflanzen aus der Wohnung entfernen, desinfiziert ständig sämtliche Flächen in der Wohnung. Seine Freunde hat sie um eine Grippeimpfung gebeten. „Ich möchte das Risiko einer Infektion so gering wie möglich halten.“

Zweimal die Woche muss Valentin Koßmehl ins Krankenhaus, bekommt starke Medikamente und Blutkonserven verabreicht. Im Moment geht es ihm verhältnismäßig gut, sagt seine Mutter. Das war schon anders, als sein Immunsystem durch eigene Keime angegriffen wurde und er zweieinhalb Wochen mit Fieber und Schüttelfrost im Krankenhaus lag. „Da hat er zum ersten Mal über seine Angst zu sterben gesprochen.“ Sonst sei er ein optimistischer Mensch, orientiere sich an Statistiken, um den Mut nicht zu verlieren.

Laut der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) finden neun von zehn Erkrankten einen Spender, 50 Prozent innerhalb der ersten sechs Wochen. „Das macht Hoffnung“, so Helga Koßmehl mit Tränen in den Augen. Ihr Junge, der schon den Tsunami in Thailand und ein Erdbeben in Nepal überlebt hat, muss wieder kämpfen. Der schlimmste Moment war für sie, als er mit seinem Vater eine Vorsorgevollmacht ausgefüllt hat. „Ein junger Mensch sollte sich nicht mit seinem Ende befassen müssen.“

Gemeinsam mit ihrer Kollegin und Freundin Dr. Bianca Roskam organisiert sie für Sonntag, 11. November, eine Typisierungsaktion im Hospital zum Heiligen Geist. Für ihren Valentin und andere Betroffene. Damit sie wieder ein normales Leben führen können. „Valentin ist ein neugieriger Mensch. Er möchte noch so viel von der Welt sehen“, sagt sie. Durch die Typisierungsaktion hoffen sie einen geeigneten Stammzellenspender finden zu können. Jeder, der zwischen 17 und 55 Jahren und gesund ist, kann sich testen lassen. Dafür wird mit einem Stäbchen ein Abstrich der Wangenschleimhaut genommen, um die genetische Übereinstimmung überprüfen zu können. Wer keine Zeit hat, im Hospital vorbeizukommen und helfen möchte, kann sich das Teststäbchen auch per Post zu schicken lassen. „Es liegt an uns, Kranken eine Chance zu geben“, appelliert Helga Koßmehl.

Wenn Sie Stammzellen spenden wollen: Typisierungsaktion am Sonntag, 11. November, 11 bis 16 Uhr, Hospital zum Heiligen Geist, Lange Straße 4-6.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare