In Harheim gibt es nicht einmal mehr einen Geldautomaten. (Symbolbild)
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In Harheim gibt es nicht einmal mehr einen Geldautomaten. (Symbolbild)

Geldpolitik

Immer mehr Banken-Schließungen im Norden Frankfurts: Starkes Trio kämpft gegen Rückzug

  • Friedrich Reinhardt
    VonFriedrich Reinhardt
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Weil im Nordosten von Frankfurt immer mehr Bankfilialen schließen, will sich eine Initiative nun der Sache annehmen. Ihr Ziel: Lebendige Stadtteile für alle.

Frankfurt - Bankkunden im Nordosten der Stadt haben es nicht leicht. Zumindest wenn sie ihre Geschäfte nicht Online machen wollen. Nachdem in Harheim bereits vor Jahren die letzte Filiale schloss und auch kein Geldautomat im Stadtteil verblieb, kündigten die Frankfurter Sparkasse und die Frankfurter Volksbank nun die Schließungen ihrer Niederlassungen* in Nieder-Erlenbach (beide Institute) und in Nieder-Eschbach (Sparkasse) bis spätestens 2024 an.

Dagegen hat sich nun eine Initiative gegründet - über Stadtteil- und Parteigrenzen hinweg. Yannick Schwander, CDU-Stadtverordneter und Ortsvorsteher von Nieder-Erlenbach, Renate Sterzel (FDP), Ortsbeiratsmitglied im Ortsbeirat 15 (Nieder-Eschbach) und Kristina Luxen, SPD-Stadtverordnete aus Harheim, wollen die Filialschließungen am Stadtrand von Frankfurt nicht hinnehmen. Zumindest nicht kampflos.

Unterschriftensammlung gegen Schließung weiterer Bankfilialen im Nordwesten von Frankfurt

In den kommenden Wochen und Monaten wollen die drei Unterschriften sammeln, „um zu belegen, dass viele Menschen in den Stadtteilen unglücklich über diese Entwicklung sind“, schreiben sie in einer Mitteilung. Zudem werde man das direkte Gespräch mit Vertretern der Vorstände und Geschäftsleitungen der Bankinstitute suchen. Auch politisch wolle man dies begleiten und habe über Anfragen und Anträge in den Ortsbeiräten, dem Seniorenbeirat und der Stadtverordnetenversammlung hiermit bereits begonnen.

Für Sterzel, Luxen und Schwander gibt es diverse Gründe, weshalb sie sich für den Erhalt der Bankenstandorte einsetzen. „Unseren Einsatz starten wir vom Frankfurter Norden aus, da wir hier Zuhause sind. Wir vernehmen aber deutliche Signale auch aus anderen Teilen Frankfurts, die auch von den Schließungen betroffen sind“, heißt es in der Mitteilung.

Geschlossene Bankfilialen im Nordosten Frankfurts: Senioren sind besonders betroffen

„Viele Senioren erledigen ihre Bankgeschäfte noch immer direkt in den Filialen“, sagt Sterzel. Viele zahlten mit Bargeld und benötigen einen zuverlässigen Ort zum Geldabheben. Auch nutzten viele Menschen Bankschließfächer. Hinzu komme, dass nicht alle Senioren eben mal in den nächsten Stadtteil oder gar in die Nachbarstadt zu fahren könnten. Für Luxen ist die Schließung der Filialen auch eine soziale Frage. Viele würden in Stadtteilen geschlossen, in denen Menschen leben, die einen geringen Lebensunterhalt haben oder die aufgrund von Sprachbarrieren Unterstützung benötigen. An diese Menschen seien die Schließungen „ein fatales Zeichen“.

Aus Sicht des Nieder-Erlenbacher Ortsvorstehers Schwander geht es auch um ein Stück Lebensqualität. „Wer lebendige Stadtteile haben möchte, benötigt hierfür die passende Infrastruktur.“ Dazu gehörten Bankfilialen ebenso wie Betreuungsplätze, Schulen und Vereine, ebenso wie Einkaufsmöglichkeiten oder Ärzte. „Hier eröffnen Kinder ihr erstes kleines Sparkonto, Familien nehmen Kredite für ein Eigenheim auf und Gewerbetreibende haben direkte Ansprechpartner vor Ort“, sagt Schwander. Die drei Lokalpolitiker weisen zudem auf Aspekte des Umwelt- und Klimaschutzes hin. Da nicht alle Bankkunden mit dem Rad oder dem ÖPNV unterwegs seien, müssten sie - um die entlegenen Filialen zu erreichen - aufs Auto setzen.

Gemeinsame Finanzpunkte sollen Service für Bankkunden im Nordosten von Frankfurt verbessern

Eine Lösung könnten nach Auffassung der drei sogenannte Finanzpunkte sein, Filialen die sich mehrere Banken teilen, an einem Tag nutzt beispielsweise die Sparkasse und an einem anderen die Volksbank die Filiale. So könnten alle Kunden gebührenfrei Geld abheben und an den jeweiligen Tagen mit ihren Beratern sprechen. Auch Schließfächer wären mit diesem Konzept gesichert, heißt es in der Mitteilung der Initiative.

Ein anderer Vorschlag: In den Stadtteilen machten Bankenmobile regelmäßig für Beratungstermine Halt. Dafür müssten aber in jedem Stadtteil mindestens ein Bankautomat zum Ein- und Auszahlen und zum Ausdrucken von Kontoauszügen und Belegen bleiben. Diese Automaten würden einen Großteil der Bankgeschäfte abfangen. „Wir werden in den kommenden Wochen und Monaten unseren Einsatz für den Erhalt der Bankenstandorte an den Stadträndern intensivieren und freuen uns über viele Mitstreiter unserer parteiübergreifenden Initiative“, schreiben Sterzel, Luxen und Schwander. (Friedrich Reinhardt) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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