Stefanie Krämer und Tino David Krämer streicheln ihre Ponys Picolo und Punto in dem Kassenzelt, das ihnen ein befreundeter Zirkus geliehen hat. Ihr Stallzelt ist im vergangenen Sommer kaputtgegangen. foto: reinhardt
+
Stefanie Krämer und Tino David Krämer streicheln ihre Ponys Picolo und Punto in dem Kassenzelt, das ihnen ein befreundeter Zirkus geliehen hat. Ihr Stallzelt ist im vergangenen Sommer kaputtgegangen.

Eckenheim: Finanznöte

Statt zu jonglieren gehen sie betteln

  • vonFriedrich Reinhardt
    schließen

Circus San Diego geht das Geld aus

Normalerweise wären Stefanie Krämer und ihr Sohn Tino David um diese Jahreszeit ganz aufgekratzt. Die Wintersaison wäre vorbei. Sie würden mit ihrem Circus San Diego Geld verdienen, von Stadt zu Stadt touren und sich über Kinder freuen, die von ihren 36 Tieren begeistert sind. Ponys, Hunde, Lamas, Esel, Hühner, Gänse - alles Familienmitglieder, wie sie sagen. Es ist die Freiheit des Schausteller-Lebens, in der sie aufgewachsen sind und die ihnen fehlt.

Wegen der Pandemie sind sie seit mehr als einem Jahr auf der Gebrüder-Hommel-Anlage gestrandet. "Welche Stadt würde uns schon den Festplatz zur Verfügung stellen?", fragt Tino David Krämer. Keine. Es darf ja keine Vorführungen geben. Das Grünflächenamt dulde sie auf der Anlage, solange sie nicht als Parkplatz gebraucht werde.

So lebt die vierköpfige Familie von der Grundsicherung. Doch die gibt es nicht für die Tiere. Da die Krämers im Winter von der Grundsicherung leben, bekommen sie auch keine Corona-Hilfen, erklärt Stefanie Krämer. Um das Futter und die Ärzte für die Tiere bezahlen zu können, müssen sie "betteln gehen". So nennen sie das.

Zwischen Hanau und dem Taunus gehen sie von Haus zu Haus, bitten um Spenden. Geld, Hundefutter, Äpfel. Sie schämen sich dafür, sagt der Sohn. Einige, die die Tür öffnen, seien nett, viele genervt, manche werfen ihnen vor, dass sie schon mal dagewesen wären. Waren sie nicht. Fürs Betteln wechseln sie täglich die Stadt. Aber sie sind nicht der einzige Zirkus, der so über die Runden kommen muss. Auch gibt es Betrüger, die sich als Schausteller ausgeben. Darum empfehlen die beiden, sich den Ausweis zeigen zu lassen, wenn jemand klingelt.

Gut 260 Euro brauchen sie pro Woche fürs Futter. "Wenn es gut läuft, können wir uns von den Spenden einen Ballen Heu kaufen", sagt Stefanie Krämer. Der reicht für eine Woche. Aber die Tiere brauchen ja nicht nur Heu. Und am Tierwohl wollen sie nicht sparen. Die Tiere gehören bei ihnen schließlich zur Familie. msr

Spenden willkommen

Wer dem Circus helfen möchte, kann sich bei Stefanie Krämer melden. Sie ist unter (01 77) 3 95 17 28 gut zu erreichen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare