Thomas Dresch ist beruflich und privat ehrenamtlich engagiert.
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Thomas Dresch ist beruflich und privat ehrenamtlich engagiert.

Vereinsmeier

Statthalter von Klaa Paris bekommt Bürgermedaille der Stadt

  • vonThorben Pehlemann
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Selbstständiger Unternehmer, Statthalter der Närrisch-Freien Reichsstadt Klaa Paris, Ehrenamtler aus Überzeugung und Tradition: Der Heddernheimer Thomas Dresch erhält für sein langjähriges Engagement heute die Bürgermedaille der Stadt Frankfurt.

Thomas Dresch geht weder zum Lachen in den Keller noch für eine Zigarette vor die Tür. Jedenfalls nicht während der Arbeit für seine Firma, die Alfons Dresch GmbH, Höhenstraße 49, welche 1981 nach seinem Vater benannt wurde, aber schon seit 1931 für die Montur von Sanitär- und Heizungsanlagen steht. Er sei „der letzte bekennende Raucher nach Helmut Schmidt“, sagt Dresch – und raucht in seinem Büro, auch heute noch, in dieser von Bio- und Fitnesswahn getriebenen Zeit.

Wer sich dort mit dem 50-Jährigen unterhält und umsieht, die vielen Urkunden betrachtet, deren Ausstellungsdaten bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts reichen, kommt nicht um den Gedanken herum, dass zwischen den alten Gemäuern etwas Besonderes konserviert wird: Die gute, alte Zeit nämlich. Thomas Dresch ist ihr Verteidiger. Dies allerdings nicht hauptberuflich, sondern ehrenamtlich. Er tut es aus Überzeugung, der traditionellen Werte wegen. Wie so vieles in seinem Leben. Die Stadt Frankfurt verleiht ihm daher für sein langjähriges Engagement heute die Bürgermedaille.

Seit 1992 setzte sich Dresch in

18 Ehrenämter

n ein. Zwölf davon führt er noch immer aktiv aus. Einige sorgen sich um das Wohl Heddernheims, seines Heimatviertels, die meisten drehen sich um den Fachverband Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik Hessen (SHK), in deren Vorstand er tätig ist und für die er als Lehrlingswart der Innung agiert. Außerhalb seines Berufs ist er vor allem für seine Rolle in der fünften Jahreszeit bekannt: Seit sieben Jahren führt er als Thomas I., Statthalter der Närrisch-Freien Reichsstadt Klaa Paris, die Heddernheimer Fastnacht an und hilft somit den berühmten Fastnachtszug auf die Straße zu bringen. „Ich bin halt schon immer ein Vereinsmeier“, sagt er lapidar.

Dass das Ehrenamt nicht selbstverständlich ist, weiß er sehr wohl. Kinder und Jugendliche sorgten weiterhin für reichlich Nachwuchs in den Heddernheimer Fastnachtsvereinen, berichtet er. Die Führungspositionen, die mit viel Zeitaufwand verbunden sind, ließen sich allerdings schwieriger besetzen. Vielleicht, weil sich auch die Fastnachtsumzüge schwieriger organisieren lassen? „Früher brauchten wir 55 Ordner, Studenten zum Beispiel, die für etwa vier Euro die Stunde gearbeitet haben. Heute brauchen wir 133 professionelle Ordner für 20 Euro die Stunde.“ Habe der Umzug einst rund 70 000 Euro gekostet, seien es heute gut 100 000 Euro. „Mit neuen Sicherheitskonzepten und Brauchtumsüberprüfungen für die Wagen wird es immer schwerer“, sagt der 50-Jährige. Und weil das ganze Jahr über Comedy im Fernsehen und den anderen Medien liefe, wäre es für Laien immer komplizierter, die Leute zu unterhalten und überhaupt auf Fastnachtssitzungen zu lotsen. „Früher ist man für einen schönen Abend zur Fassenacht gegangen. Heute heißt es: ,Bring mich mal zum Lachen.‘“ Immerhin: In drei Wochen wird der 177. Fastnachtszug durch Klaa Paris fahren. „Es macht mich stolz, dass ich Sorge tragen darf, dass es weiter geht“, sagt Dresch. „Es macht einfach Spaß, anderen einen Spaß zu bereiten. Beim Heddemer Umzug brennt die Luft“.

Dass er sich dermaßen für den Spaß und das Wohl anderer einsetzt, hat tatsächlich Tradition. „Die Fassenacht wird gentechnisch in unserer Familie vererbt“, erklärt Dresch. Sein Vater Alfons war selbst 20 Jahre lang Statthalter von Klaa Paris. Den Bezug zum Ehrenamt lehrte ebenfalls der Vater, als er den jungen Thomas Dresch den Juniorenkreis der SHK-Innung mit aufbauen ließ. „Das war keine Bitte, als er mich dorthin schickte“, erinnert er sich heute lachend. 1989 übernahm er dann auch die Firma vom Vater – und gedenkt nicht, diese Familientradition zu brechen. Sein Sohn Christian (25) ist bereits in die Geschäftsführung eingestiegen, der knapp vier Jahre jüngere Maximilian folgt sehr bald. Beide Söhne engagieren sich auch für die Fastnacht – eine Statthalter-Erbmonarchie ist nicht ausgeschlossen. „Es ist alles so am Laufen, wie ich es mir erträumt habe“, sagt Dresch und betont die wichtige Rolle seiner Frau Andrea: „Die Hälfte der Bürgermedaille gehört ihr. Ohne ihren Rückhalt würde ich das alles nicht schaffen.“

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