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Staugefahr auf zentraler Straße in Frankfurt wegen neuer Fahrradspur

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Von: Matthias Bittner

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Eine Fahrspur ist für Arbeiten am Asphalt gesperrt, vorbeifahrende Autos haben nur noch den linken Fahrstreifen zur Verfügung.
Auf der Berliner Straße geht es ganz schön eng zu. Wo derzeit der Asphalt entfernt wird, kommt die Radspur hin. © sauda

Auf der Berliner Straße haben Autofahrer künftig weniger Platz – Grund sind zwei neue Fahrradstreifen. Zu Stoßzeiten stockt der Verkehr.

Frankfurt – Für Autofahrer ist es eine völlig neue Situation: In der Berliner Straße entfällt auf dem Abschnitt zwischen Kornmarkt und der Haltestelle Börneplatz jeweils eine Fahrspur. Die Bauarbeiten werden in den Osterferien abgeschlossen sein. Wo sonst Autofahrer unterwegs waren, ist jetzt ein rot markierter Streifen für Fahrräder. Weil es nur noch eine Spur für Autos gibt, stockt vor allem während der Hauptverkehrszeiten der Verkehr. Radfahrer hingegen haben freie Fahrt.

"Wir sind grundsätzlich für mehr Fahrradwege in der Innenstadt und haben dies im Ortsbeirat bisher immer mitgetragen. Hier werden Rad- und Autofahrer aber gegeneinander ausgespielt", kritisiert Sarah Steinhardt, CDU-Fraktionsvorsitzende im Ortsbeirat 1 (Innenstadt, Altstadt, Gallus, Gutleut, Bahnhofs- und Europaviertel). Die einspurige Verkehrsführung in jede Fahrtrichtung sei nicht durchdacht - Staus in der Berliner Straße und den Seitenstraßen seien die Folge. Das Konzept Versuch und Irrtum in der Verkehrspolitik sei bereits einmal gescheitert, spielt sie auf die Sperrung des Mainkai an. Das von den Grünen angekündigte Gesamtkonzept für die City vermissen sowohl Steinhardt als auch André Roth, Vorsitzender des Stadtbezirksverbands Innenstadt der CDU Frankfurt. "Fußgänger haben bei der jetzigen Maßnahme überhaupt nichts gewonnen - außer mehr Abgase!"

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Enttäuscht ist Steinhardt, dass sowohl Ortsbeirat als auch Bürger quasi vor vollendete Tatsachen gestellt worden seien. In der März-Sitzung des Gremiums seien die Maßnahmen zur Berliner Straße gar nicht angesprochen worden, diese hätten die Stadtteilpolitiker am Tag danach aus der Pressemitteilung des Dezernats erfahren. Das Mobilitätsdezernat scheine zuerst Maßnahmen ohne Rücksprache mit dem zuständigen Ortsbeirat zu planen. In einem späteren Schritt werde die Presse und dann der Ortsbeirat informiert. "Das geht so nicht!", kritisiert Steinhardt.

Dem widerspricht Stefan Lüdecke, Referent des Dezernenten für Mobilität und Leiter der Stabsstelle Radverkehr. Es habe eine Pressemitteilung gegeben, die auf der Internetseite www.radfahren-ffm.de veröffentlicht worden sei. Und: "Ich habe in der Sitzung selbst auf dem Podium gesessen und dazu berichtet." Ausgangspunkt für den Wegfall einer Fahrspur in der Berliner Straße sei, dass die Straßenbahnhaltestelle Börneplatz wachsen müsse, damit die neuen Straßenbahnwagen vom Typ T-40 dort halten können. Der Umbau der Haltestelle startet im Herbst. Er habe den Ausschnitt aus dem Haltestellenabschnitt in der Sitzung des Stadtteilparlamentes gezeigt, auf der präsentierten Folie seien auch die Anschlüsse der Radverkehrsführung zu erkennen gewesen, sagt Lüdecke. Die Deckensanierungsmaßnahmen und den Lückenschluss zum Kornmarkt habe er vorgetragen und auch den Entfall der Fahrspuren erläutert. "Es gab keine Nachfragen. Auch nicht von der CDU", sagt Lüdecke.

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Der 280.000 Euro teure Umbau der Berliner Straße ist nur eines von vielen Projekten, mit denen die Stadt den Verkehr in der Innenstadt beruhigen und zugleich flüssiger machen will. "Wir vermeiden unnötige motorisierte Fahrten, bremsen Poser und Park-Such-Verkehr aus und machen die Töngesgasse als Fahrradstraße attraktiv", sagte Mobilitätsdezernent Stefan Majer (Grüne) bei der Vorstellung des Gesamtpakets.

Nach Ansicht von Roth und Steinhardt lief bei den Markierungsarbeiten in der Berliner Straße vieles schief. "Es herrscht tägliches Verkehrs-Chaos. Nicht nur in der Berliner Straße stauen sich die Autos, sondern inzwischen auch in allen Nebenstraßen", kritisiert Roth. Anwohner und Gewerbetreibende seien Leidtragende. Wegen des stockenden Verkehrs seien sie einem erhöhten Lärmpegel und stärkerer Abgasbelastung ausgesetzt. Für Erledigungen, die für sie nur mit dem Auto möglich seien, müssten sie wegen der angespannten Verkehrssituation erheblich mehr Zeitaufwand einkalkulieren. "Hier muss die Stadtverwaltung eine Lösung schnellstmöglich liefern", fordert Roth. Die Stadt habe es schon während der Bauphase versäumt, Umleitungsbeschilderung besser und früher ersichtlich auszuschildern. (Matthias Bittner)

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