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Diese Leute kennen mich überhaupt nicht: AfD-Aktivist Jonas Batteiger will im linken? Bockenheim bleiben.

Antifa-Aktion

Mit Steckbriefen gegen den „Rassisten“

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Vermummte Gestalten haben in Bockenheim Flugblätter und Plakate verteilt. Sie rufen darin zur Jagd auf ein AfD-Mitglied auf: mit Foto, vollem Namen und Wohnadresse. Doch der junge Mann will sich nicht aus dem Stadtteil vertreiben lassen.

Jonas Batteiger wirkt wie ein typischer Bockenheimer. Der 26-Jährige trägt lange Haare und Halstuch. Der von Studenten und Alternativkultur geprägte Stadtteil sei sein Zuhause, sagt Batteiger. „Vor sechseinhalb Jahren bin ich nach Frankfurt gekommen, seitdem wohne ich hier und ich fühle mich sehr wohl.“ Doch es gibt Menschen, die das ändern wollen. Sie wollen ihn aus Bockenheim vertreiben – mit allen Mitteln. Einziger Grund dafür ist: Der junge Mann engagiert sich in der AfD.

Vor einer Woche haben sich nachts zwei vermummte Gestalten am Eingang seines Appartementhauses in der Ederstraße zu schaffen gemacht. Das zeigen Aufnahmen einer Überwachungskamera, die der Polizei vorliegen. Im ganzen Viertel wurden Flugblätter und Plakate verteilt, in denen zur Jagd auf den „AfD-Rassisten in Bockenheim“ aufgerufen wird. Mit Batteigers Foto, Namen und Adresse.

Auf dem von Linksextremisten genutzten Onlineportal „de.indymedia.org“ wurde kurz darauf über die Aktion berichtet. „Es wird sich zeigen, ob es so eine gute Idee war in das ,linke‘ Bockenheim zu ziehen, wenn seine Nachbarn jetzt erfahren wo er politisch steht“, schreibt dort ein anonymer Autor.

Ermittlungen schwierig

Der polizeiliche Staatsschutz ermittelt in dem Fall gegen Unbekannt. Ob der Text des Flugblatts strafbar ist, stehe noch nicht fest, heißt es dort. Derzeit gehe es um einen Verstoß gegen das Kunsturhebergesetz. Wegen des Fotos, das darauf abgedruckt ist. Dass die Täter anhand der Videobilder identifiziert werden könnten, sei eher unwahrscheinlich.

Nachbarn solidarisch

Doch Jonas Batteiger will sich nicht einschüchtern lassen. „Ich bin nun schon etwas schreckhafter, wenn ich durch Bockenheim laufe“, sagt er. Aber in seinem Haus habe er viel Solidarität erfahren. „Auch von Leuten mit Migrationshintergrund“, sagt der AfDler. „Politisch sind die zwar nicht unbedingt meiner Meinung, aber sie sagen: Das geht überhaupt nicht, was die Linken da mit dir machen.“

Er persönlich ärgere sich vor allem über den Rassismus-Vorwurf, sagt Batteiger. „Diese Leute kennen mich überhaupt nicht. Hier im Haus wohnen Italiener, Türken, Syrer. Die kommen alle zu mir, wenn sie Probleme haben.“ Einem syrischen Asylbewerber, der auf seinem Stockwerk wohnte, habe er bei Behördengängen geholfen. Drei Jahre lang arbeitete er in einer Sozialeinrichtung am Hauptbahnhof. „Dort habe ich mich um Obdachlose und Flüchtlinge gekümmert. Zu allen war ich freundlich und hilfsbereit, egal, aus welchem Land sie kamen“, sagt Batteiger. Und weil ihm dies so wichtig ist, bringt er zum Gespräch mit unserer Zeitung sogar Arbeitszeugnisse mit. Der Chef der Sozialeinrichtung lobt ihn darin in den höchsten Tönen.

In die AfD sei er Anfang 2014 wegen der Euro-Kritik eingetreten, sagt Batteiger. Inzwischen ist er im Landesvorstand der Jungen Alternative, dem Jugendverband der Partei. Zwischenzeitlich arbeitete für eine Bundestagsabgeordnete. Und jetzt hofft er nach dem Landtagseinzug der AfD auf einen Job in Wiesbaden. „Aber ich bleibe auf jeden Fall hier wohnen“, versichert er. „In Bockenheim fühle ich mich zuhause.“

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